Studie: Kinder sind Armutsrisiko in Deutschland | Aktuell Deutschland | DW | 07.02.2018
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Gesellschaft

Studie: Kinder sind Armutsrisiko in Deutschland

Bochumer Forscher berechnen für Alleinerziehende und Familien ein deutlich höheres Armutsrisiko als in früheren Studien. Grundlage ist eine neue Methode, die eine realistischere Einschätzung der Situation liefern soll.

Das Armutsrisiko von Familien ist laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung größer als bisher angenommen. Besonders drastisch sei die Situation für alleinerziehende Eltern. Mit einer neu entwickelten Methodik haben Bochumer Wissenschaftler im Auftrag der Stiftung für alleinerziehende Eltern eine Armutsrisikoquote von 68 Prozent errechnet. Das seien über 20 Prozentpunkte mehr als in früheren Untersuchungen, hieß es.

Bei Paaren mit Kindern liegt das Armutsrisiko der Bertelsmann-Studie zufolge um knapp drei Prozentpunkte über früher ermittelten Werten. So seien etwa 13 Prozent der Paare mit einem Kind armutsgefährdet, bei Paaren mit drei Kindern liege die Quote bei 18 Prozent.

Die neue, an der Ruhr-Universität Bochum entwickelte Rechenmethode soll nach Angaben der Stiftung "einen realistischeren Blick auf die Einkommenssituation von Familien ermöglichen". Bisher seien die Einkommen armer Haushalte durch die Anwendung der sogenannten OECD-Skala systematisch überschätzt und jene reicher Familien unterschätzt worden. 

"Lage mit jedem Kind schwieriger"

Die Untersuchung zeigt zudem, dass in den vergangenen 25 Jahren Paare mit Kindern oder Alleinerziehende im Durchschnitt finanziell stets schlechter gestellt waren als kinderlose Paare. "Mit jedem zusätzlichen Kind wird die finanzielle Lage von Familien schwieriger", erklärte Jörg Dräger vom Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Die Einkommensschere zwischen wohlhabenden und armen Familien sei in diesem Zeitraum weiter aufgegangen.

Deutschland Familie Alleinerziehende (picture-alliance/dpa/K. J. Hildenbrand)

Das Armutsrisiko ist für Alleinerziehende besonders hoch

Nur Familien, die ihre Erwerbstätigkeit ausbauen konnten, hätten ihre Einkommenssituation halten oder verbessern können, hieß es weiter. In der Regel seien die Mütter im größeren Umfang als zuvor berufstätig gewesen. Entscheidend hierfür sei der Ausbau der Kindertagesbetreuung gewesen. Dagegen hätten Kindergelderhöhungen die Situation von Familien mit Kindern nicht nachhaltig verbessert.

In einer ersten Reaktion auf die Studie forderte das Deutsche Kinderhilfswerk eine grundlegende Reform der Familienförderung zum Beispiel in Form einer Kindergrundsicherung.

bri/stu (epd, dpa)