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Europa

Studie: Internet macht Drogenhandel einfacher

Europas Drogenmarkt wird laut einer EU-Studie immer komplexer und stärker vernetzt. Neue Drogen würden kreiert, Händler nutzten unterschiedlichste Routen und Vertriebswege. Eine wichtige Rolle spiele dabei das Internet.

Die Ware für den Drogenmarkt in Europa kommt unter anderem aus Südamerika. (Foto: dpa)

Die Ware für den Drogenmarkt in Europa kommt unter anderem aus Südamerika.

Es diene als Marktplatz und zum Austausch über Herstellung und Konsum von Drogen, heißt es im aktuellen Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) und Europol. Der europäische Drogenmarkt wird darin als “zunehmend dynamisch und innovativ“ beschrieben. Laurent Laniel, EBDD-Analytiker, nennt ihn breitgefächert und hoch entwickelt. Am häufigsten werde nach wie vor Cannabis konsumiert, “dann gibt es aber noch Kokain und Amphetamin, die auch weit verbreitet sind, aber in weitaus geringeren Mengen konsumiert werden. Außerdem existiert eine erhebliche Zahl an Heroinkonsumenten“. Ein immer größeres Problem werde wohl in Zukunft Methamphetamin, auch bekannt als Crystal Meth, werden.

Europa ist ein bedeutender Drogenproduzent

Die Drogen gelangen aus allen Weltregionen nach Europa. “Kokain wird vor allem in der Andenregion produziert, in Kolumbien, Bolivien und Peru, und kommt dann über diverse Schmuggelrouten über Afrika, die Karibik, Brasilien und Argentinien hierher“, erklärt Laniel. Heroin gelange hauptsächlich über Afghanistan, Pakistan und den Iran nach Europa.

Jul 01, 2005; Rural Georgia, GA, USA; Methamphetamine crystals and pipe. This user is outside Atlanta in rural Georgia. Foto: Robin Nelson +++(c) dpa - Report+++

In Europa auf dem Vormarsch: Crystal Meth

Aber oft ist der Weg gar nicht so weit. “Europa ist ein bedeutender Drogenproduzent“, sagt Laniel. “Viele der Drogen, die in Europa konsumiert werden, werden auch in Europa hergestellt. Das gilt für Amphetamin, Methamphetamin und Cannabis - Europa ist einer der größten Cannabis-Produzenten geworden - ebenso wie für Ecstasy.“ Methamphetamin sei ein gutes Beispiel, wie sich eine Droge von einem Land, in diesem Fall der Tschechischen Republik, ausbreiten könne.

Heroinkonsum geht zurück

In ihrem Bericht gibt die EU-Behörde auch ihre Einschätzung zur Verbreitung einzelner Drogen ab. Der Heroinkonsum beispielsweise sei auf dem Rückzug. Konsequente Kontrollen entlang der Schmuggelrouten an den EU-Grenzen und Anti-Drogenprogramme zeigten wohl Wirkung.

Heino Stöver, der Leiter des Instituts für Suchtforschung der Fachhochschule Frankfurt am Main, glaubt das weniger. “Der Heroinkonsum geht nicht deshalb zurück, weil die repressiven Maßnahmen besser greifen, sondern weil es nicht in unseren Zeitgeist passt“, sagt er. Heroin gelte als Verliererdroge, werde mit HIV und AIDS assoziiert.

Methamphetamin wird sehr häufig in Europa hergestellt. (Foto: dpa)

Methamphetamin wird - anders als andere Drogen - sehr häufig in Europa hergestellt.

Anders Amphetamin oder Methamphetamin. “Das sind antriebssteigernde Drogen, nicht betäubend und sedierend wie Heroin, sondern Drogen, die ganz stark in unsere Kultur, die Leistungs- und Konkurrenzkampfgesellschaft passen.“ Dazu passt, dass, wie Laurent Laniel sagt, Aufputschmittel immer populärer werden, die oft auch legal erworben werden können.

Sind Repressionen das richtige Mittel?

EBDD und Europol haben in ihrem Bericht eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie dem Handel mit verbotenen Substanzen beizukommen sein könnte. Unter anderem sei eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Staaten nötig, koordinierte Polizeiaktionen, der Zugang zu den Grundstoffen, aus denen Drogen gemacht werden, solle erschwert werden.

Symbolbild zum Thema Rauschgiftsucht.

"Heroin gilt als Verliererdroge"

Stöver ist indes zu der Einschätzung gekommen, dass die Freigabe von Substanzen für den Eigenbedarf die wirksamste Form von Kontrolle darstellt. Die Niederlande seien mit ihrer Cannabis-Legalisierung ein gutes Beispiel. “Dort hat seit über 30 Jahren die Regierung den Handel zur Deckung des Eigenbedarfs freigegeben, ohne dass die Konsumzahlen zu Cannabis in den Niederlanden die deutschen Zahlen übersteigen würden. Im Gegenteil, sie liegen darunter. Trotz dieser leichten Zugänglichkeit rauchen dort weniger Menschen Cannabiserzeugnisse als in Deutschland.“ Er findet, dass der Weg letztlich nur dahin gehen könne, “dass wir die Menschen noch besser aufklären über die Gefahren und Risiken des Drogengebrauchs und dass wir die Repressionen, zumindest einmal für den Eigenbedarf, aufgeben“.