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Politik

Studie: Globalisierung macht Arme nicht reicher

Die Bertelsmann Stiftung hat die Entwicklung von 125 Ländern verglichen. Die Mehrzahl der Menschen hat danach keinen Anteil an wachsendem Wohlstand. Vermeintliche Demokratien verbitten sich politische Beteiligung.

Ein chinesisches Kind isst Reis, sein Vater sucht auf einer Müllhalde in Guiyang nach Verwertbarem (Quelle: dpa)

Ein chinesisches Kind isst Reis, sein Vater sucht auf einer Müllhalde in Guiyang nach Verwertbarem

Trotz des weltweit anhaltenden Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre bleibt nach einer Studie der deutschen Bertelsmann Stiftung Massenarmut das zentrale Problem in den meisten Entwicklungsländern. Die Mehrzahl der Menschen habe keinen nachhaltigen Anteil am Wohlstand, teilte die Stiftung am Sonntag (17.2.2008) in Berlin mit. Auch wenn mittlerweile vier Milliarden Menschen in formalen Demokratien lebten, blieben viele weiterhin von der politischen Willensbildung ausgeschlossen oder würden sogar unterdrückt, hieß es weiter.

Schlusslichter Somalia, Birma, Simbabwe

Die Stiftung veröffentlichte die dritte Erhebung des Transformations-Index', einer internationalen Vergleichsuntersuchung unter 125 Entwicklungs- und Transformationsländern, die sich im Übergang von einer zentral gelenkten Planwirtschaft zu einem marktwirtschaftlichen System befinden. Dabei werden Erfolge und Rückschritte auf dem Weg zu rechtsstaatlicher Demokratie und sozialpolitisch flankierter Marktwirtschaft gemessen. Zu den Transformationsländern, die in den vergangenen Jahren am erfolgreichsten regiert wurden, gehören den Angaben zufolge Chile, Estland und Botswana. Die schlechteste politische Führung sei in Somalia, Birma und Simbabwe registriert worden.

Regierungen nutzen Aufschwung nicht

der Transformations-Index 2008 der Bertelsmann Stiftung (Quelle: Bertelsmann)

Anlass zur Sorge: der Transformations-Index 2008 der Bertelsmann Stiftung

Nach den vorgelegten Daten hat sich trotz anhaltend günstiger Weltkonjunktur die soziale Situation der meisten Menschen in den Entwicklungsländern Afrikas und Lateinamerikas kaum verbessert. So konnten zwar 85 von 125 untersuchten Entwicklungs- und Transformationsstaaten in den vergangenen Jahren am ungebrochenen Weltwirtschaftswachstum teilhaben, doch nur wenige Länder hätten den wirtschaftlichen Spielraum für die Armutsbekämpfung, die Bildung oder den Umweltschutz genutzt, hieß es.

"Die positive Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre hat viele Regierungen dazu verleitet, die Erträge ihres Erfolges lediglich zu konsumieren", kritisierte Josef Janning, Globalisierungsexperte der Bertelsmann Stiftung. Der Ausbau und die Weiterentwicklung der Volkswirtschaften sei vielfach vernachlässigt, Weichenstellungen für die Zukunft oder konjunkturell schlechte Zeiten seien verpasst worden.

Zwiespältiges Ergebnis bei Demokratisierung

Etliche Staaten der Welt entwickeln sich der Studie zufolge zu Diktaturen oder Alleinherrschaften. Zwar seien 75 von 125 untersuchten Entwicklungs- und Transformationsstaaten offiziell Demokratien. Aber davon seien 52 defekte oder stark defekte Demokratien, darunter Russland und Venezuela. Die Studie bescheinigte solchen Staaten erhebliche Mängel des Rechtssystems oder bei der Teilhabe der Menschen an der Gesellschaft. Diese Demokratien seien in vielen Fällen wegen staatlicher Willkür und Korruption "latent gefährdet".

Eine Gruppe von 23 Staaten habe dagegen ihre demokratische Regierungsform festigen können, darunter elf Staaten in Europa. Insgesamt lebten knapp vier Milliarden Menschen in einem demokratischen Staat, 2,5 Millionen Menschen in Alleinherrschaften und Diktaturen.

Demokratien ohne Bürgerbeteiligung

Zwar wächst laut Studie die Zahl der Demokratien, aber zugleich bleiben die Menschen an der Willensbildung wenig beteiligt. Sprunghaft sei in den vergangenen Jahren der Anteil der von der Studie untersuchten Länder mit freien Wahlen von 58 auf 63 Prozent gewachsen. Vor allem in Afrika gab es Wechsel zu demokratischen Systemen.

"Es gibt nicht den behaupteten weltweiten Trend zu mehr Autokratien, Unfreiheit und Menschenrechtsverletzungen", betonte der Globalisierungsexperte der Stiftung, Josef Janning. "Allerdings stagniert die Qualität dieser Demokratien." In nur 13 der untersuchten Länder sei eine funktionsfähige Gewaltenteilung erkennbar, in weniger als einem Dutzend Länder eine funktionierende Korruptionsbekämpfung und die Ahndung von Amtsmissbrauch. (leix)

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