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Deutschland

Studie: Geflüchtete Frauen werden nicht ausreichend versorgt

Gleich zwei Studien beleuchten die Situation von Flüchtlingen in Deutschland. Eine der beiden Untersuchungen zeigt: Viele geflüchtete Frauen sind traumatisiert und werden nicht ausreichend medizinisch behandelt.

Der Studie der Berliner Charité zufolge hegen 13 Prozent der befragten Frauen Suizidgedanken, die Hälfte davon akut. "Das ist etwas, das uns sehr überrascht hat", sagte eine der Studienleiterinnen, Meryam Schouler-Ocak, bei der Vorstellung in Berlin. Fast die Hälfte der Frauen berichtete, dass sie öfter weinten. Jeder vierte bis dritte Frau wird von Nervosität, Traurigkeit, Gefühlen der Einsamkeit und Schlafschwierigkeiten geplagt.

45 Prozent der geflüchteten Frauen schätzen ihre aktuelle Lebensqualität demzufolge als mittelmäßig ein. Besonders die Wohnsituation wird bemängelt: Die Hälfte der Befragten (53 Prozent) finden sie schlecht, 21 Prozent finden sie gut.

Deutschland Forschungsprojekt zu geflüchteten Frauen (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (links) und die Leitende Oberarztin der Psychiatrischen Uniklinik der Charité, Meryam Schouler-Ocak, bei der Vorstellung der Studie in Berlin

Mehr als ein Drittel der Befragten beklagt eine mangelhafte ärztliche Versorgung. Weniger als zehn Prozent hätten auf Nachfrage psychologische Betreuung erhalten. Zugleich sagen die meisten Frauen, dass sie sich bei seelischen und körperlichen Beschwerden zunächst zurückzögen und keine Hilfe suchten. Großen Kummer bereitet ihnen die Trennung von der Familie und Kinder.

Große Sprachbarrieren

Die Studie macht auch deutlich, dass ein Arztbesuch häufig an der Sprache scheitert. Manche Hilfesuchende wurden vom Arzt wieder weggeschickt. Andere berichteten von falschen Behandlungen durch Übersetzungsfehler. Den Autoren zufolge gibt es nicht genügend Sprachmittler, vor allem Frauen aus Eritrea und Somalia können sich kaum verständigen.

Frauen machen rund ein Drittel der Asylantragsteller in Deutschland aus. Für die von der Bundesregierung geförderte Studie wurden an bundesweit fünf Standorten 660 Frauen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Eritrea und Somalia befragt. Die geflüchteten Frauen sind zur Hälfte zwischen 17 und 29 Jahre alt. Nur sieben Prozent sind 50 Jahre oder älter.

Die Studien-Verfasser empfehlen den deutschen Behörden, Ombuds- und Beschwerdestellen einzurichten. An eine solche Anlaufstelle sollten sich geflüchtete Frauen ohne Angst und Sorgen bei Überfällen, Diskriminierungserfahrungen, aber auch Fehlbehandlungen durch deutsche Behörden oder Betreuungsmitarbeiter wenden können.

UNICEF beklagt "Kindheit im Wartezustand"

Eine aktuelle Untersuchung des UN-Kinderhilfswerks (UNICEF) prangert gleichzeitig die oft schlechten Bedingungen für Kinder und Jugendliche in deutschen Flüchtlingsheimen an. Viele Unterkünfte seien nicht kindgerecht. "Der Ausnahmezustand"  gehe für viele Kinder und Jugendliche nach der Flucht weiter, beklagte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider, bei der Vorstellung der Studie "Kinder im Wartezustand". Sie verbrächten Monate oder sogar Jahre in Unterkünften, die nicht sicher seien, unter schlechten hygienischen Bedingungen, auf engem Raum ohne Privatsphäre und ohne Schul- oder Kitabesuch. "Ihr Alltag ist oft durch Tristesse und Warten gekennzeichnet", so Schneider. Dabei wünschten sich geflüchtete Familien "nichts sehnlicher, als anzukommen und neu zu beginnen."

Die Studie beleuchtet die Lebenssituation der rund 350.000 Kinder und Jugendlichen, die in den vergangene zwei Jahren nach Deutschland kamen. Dazu befragte der Verband zwischen Mai und September 2016 bundesweit 447 haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter von Flüchtlingseinrichtungen sowie Flüchtlingsfamilien. Die Studie sei nicht repräsentativ, aber eine aussagekräftige Momentaufnahme, so Schneider.

rk/as (dpa, kna, afp)