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Armut trotz Arbeit

Studie: Die working poor Europas werden immer mehr

Trotz eines leichten Aufschwungs am europäischen Arbeitsmarkt sind immer mehr Menschen mit Vollzeitjob von Armut bedroht. Und da bildet auch Deutschland keine Ausnahme, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt.

Der Anteil der von Armut bedrohten Vollzeitbeschäftigten in den EU-Ländern stieg von 7,2 Prozent im Jahr 2013 auf 7,8 Prozent im vergangenen Jahr, wie eine von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte Untersuchung - der "Social Justice Index" - ergab. Auch wenn die EU-Staaten sich langsam von den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise erholten, komme der Aufschwung am Arbeitsmarkt nicht bei allen Menschen an. Zwar sei der Negativtrend der vergangenen Jahre bei der Bewertung der sozialen Gerechtigkeit in den 28 Ländern der Europäischen Union gestoppt. Der entsprechende Index, der 2014 mit 5,62 seinen Tiefpunkt erreicht hatte, stieg in diesem Jahr im EU-Schnitt auf 5,75. Vor der Wirtschaftskrise 2008 lag er noch bei 6,60. Aber noch immer sei mit 118 Millionen jeder vierte EU-Bürger von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, so die in Gütersloh ansässige Stiftung weiter.

Sorge um Ansehen der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung

Die Gründe sehen die Autoren der Studie im wachsenden Niedriglohnsektor und einer Spaltung der Arbeitsmärkte in reguläre und atypische Formen von Beschäftigung. Deutschland liegt in der Rangliste mit 6,66 auf Platz sieben im EU-Vergleich. Den Spitzenplatz belegt Schweden mit 7,51, Schlusslicht bleibt Griechenland mit 3,66. Der Anstieg der sogenannten working poor - also Menschen, die trotz Arbeit von Armut bedroht sind - bereitet den Studien-Autoren grundsätzlich große Sorgen. "Ein steigender Anteil von Menschen, die dauerhaft nicht von ihrer Arbeit leben können, untergräbt die Legitimität unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung", erklärte der Vorsitzende der Stiftung, Aart De Geus.

In der Bundesrepublik stieg der Anteil der von Armut bedrohten Vollzeitbeschäftigten von 5,1 Prozent (2009) auf 7,1 Prozent (2015). Eine leichte Verbesserung gegenüber 2014 (7,5 Prozent) deute auf erste Wirkungen nach Einführung des Mindestlohns im Jahre 2015 hin, heißt es in der Studie. "Wir waren aber überrascht, dass trotz steigender Beschäftigung in Europa das Armutsrisiko, auch in Deutschland, nicht geringer wird", sagt Studienautor Daniel Schraad-Tischler. Die Autoren sprechen von "Europa paradox".  

Untersuchung der Teilhabechancen anhand von 35 Kriterien

Der  "Social Justice Index" der Bertelsmann-Stiftung wird seit 2008 erhoben. Die Studie zum EU-Gerechtigkeitsindex untersucht jährlich die Teilhabechancen in den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Dabei werden anhand von 35 Kriterien sechs verschiedene Bereiche betrachtet: Armut, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Generationengerechtigkeit sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt und Nicht-Diskriminierung.

sti/uh (afp, dpa)