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Wissen & Umwelt

Studie: Die Deutschen, eine umweltbewusste Nation?

Die Deutschen wollen weniger verpestete Luft und mehr gegen den Klimawandel tun. Aber wollen alleine reicht nicht, um tatsächlich umweltfreundlicher zu leben.

Sonnenhut-Setzling in der Hand (picture-alliance/Frank May)

Saubere Luft und mehr Grün - das wollen viele Deutsche. Aber was machen sie dafür?

Viele Menschen fänden es gut, wenn es weniger Autos auf den Straßen gäbe. Das ist eine der Erkenntnisse einer aktuellen Umfrage zum Umweltbewusstsein der Deutschen. Die Publikation, die alle zwei Jahre vom Umweltministerium herausgegeben wird, misst die Haltung zu Luftverschmutzung, Klimawandel oder etwa Plastiktüten.

Herausgekommen ist eine Reihe von oftmals nicht sehr überraschenden Gemeinplätzen, etwa dass die Deutschen glauben, dass Umweltschutz wichtig ist oder dass viele die Abholzung von Wäldern für ein Risiko halten. Solche Aussagen mögen vielleicht etwas über die grundsätzliche Stimmung in der Gesellschaft aussagen. Mit der tatsächlich gelebten Realität der Menschen haben sie aber wohl oft nicht viel zu tun.

Hier ein paar grundsätzliche Ergebnisse der Studie:

  • Für 21 Prozent der Befragten ist Umwelt-und Klimaschutz das wichtigste Problem, das Deutschland zu bewältigen hat. Damit ist Umweltschutz nach Migration und Sicherheit die am dritthäufigsten gegebene Antwort.
  • Neun von zehn Studien-Teilnehmern nehmen den Klimawandel als sehr große oder große Bedrohung wahr.
  • Viele sehen in Umweltschutz eine Voraussetzung für Wohlstand (58 Prozent), Wettbewerbsfähigkeit (51 Prozent) und mehr Lebensqualität (81 Prozent), einige auch für soziale Gerechtigkeit (37 Prozent).
  • 97 Prozent empfinden das Umweltrisiko durch Plastikmüll in den Weltmeeren als bedrohlich, fast genauso viele das Umweltrisiko durch die Abholzung von Wäldern. Jeweils 89 Prozent der Befragten halten das Artensterben in der Tier- und Pflanzenwelt sowie den Klimawandel für Risiken.
  • 91 Prozent halten es für erforderlich, Wirtschaft und Märkte so zu regulieren, dass die Umweltbelastungen gering gehalten werden.
  • 95 Prozent finden den Umstieg auf erneuerbare Energien wichtig.
  • Sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen fühlen sich öfter gesundheitlichen Belastungen durch Umweltbedingungen ausgesetzt als Menschen mit höherem sozialen Status.
  • 70 Prozent der Befragten nutzen für ihre Wege täglich oder mehrmals in der Woche das Auto. Sie sind aber unter bestimmten Bedingungen bereit, öfter Alternativen wie Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. 79 Prozent finden außerdem, dass weniger Autos in ihrer Gemeinde wünschenswert sind.

Diese Ergebnisse machen Umweltministerin Barbara Hendricks sicher: "Weniger Autos, ein leistungsfähiger und günstiger öffentlicher Nahverkehr, gute und sichere Fahrradwege - all das wünschen sich viele Menschen, weil es ihre Lebensqualität verbessert und die Umwelt schützt. Das ist eine wichtige Botschaft sowohl für die Umweltpolitik als auch für die Stadtentwicklungspolitik." Die Idee der Nachhaltigkeit sei in der Gesellschaft angekommen. Wirklich?

Was für eine Aussagekraft hat es, wenn Befragte angeben, dass sie "unter bestimmten Bedingungen" bereit wären, öfter mal das Rad zu nutzen? Oder wenn sie sagen, dass Klimawandel für sie eine Bedrohung ist. Es sind Aussagen, denen wohl kaum jemand widersprechen würde, wenn er nicht gerade ein absoluter Klimawandel-Verweigerer ist.

Wenn die Deutschen wirklich so eine umweltbewusste Nation sind, warum tun sie dann nicht all diese Dinge anstatt nur davon zu reden? Weil Umweltbewusstsein in der Theorie etwas anderes ist als in der Praxis. Es ist leicht, zu finden, dass es insgesamt weniger Autos geben soll, aber andererseits dann doch mit dem Auto zu fahren, weil man gerade zu faul fürs Fahrrad ist. Umweltbewusstsein hört leider oft vor der eigenen Haustür und beim Blick ins eigene Portemonnaie auf. 

Die Studie des Umweltministeriums blendet diese Realität weitestgehend aus und interpretiert die Angaben der Befragten recht wohlwollend. Immerhin: Das richtige Denken ist ja bekanntlich die Voraussetzung für das richtige Handeln. Sollte die Studie Hendricks Rückenwind geben, um Umweltanliegen besser durchsetzen zu können, und Klima und Umwelt so im Bundestagswahlkampf eine wichtigere Rolle erhalten, ist das schon etwas Positives.


 

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