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Artenschutz

Studie: Den Pandabären geht's schlechter als gedacht

Auch wenn ihr Bestand angeblich wieder wächst: Pandabären laufen nach wie vor Gefahr, bald auszusterben, warnen jetzt Forscher. Der Grund: Ihr Lebensraum, der Bambuswald, schrumpft zusehends.

Eigentlich sah alles ganz gut aus für eine der beliebtesten bedrohten Tierarten der Welt - die Pandabären. China hat viel Geld in den Schutz seiner wertvollen schwarz-weißen Bären gesteckt, und im letzten Jahr stufte die Weltnaturschutzunion ihren Bedrohungsstatus sogar zurück von "stark gefährdet" zu "gefährdet".

Eine neue Studie aber warnt davor, selbstzufrieden zu sein: Die Pandas seien nicht über den Berg. Im Gegenteil. Lebensraumverlust, Tourismus und der Klimawandel machen ihnen schwer zu schaffen.

Ein Team von chinesischen und US-Wissenschaftlern kartierte, wie menschliche Siedlungen in die letzten Bambuswälder vordringen, in denen die tapsigen Bären leben. "Meine Kollegen und ich wollten wissen, wie sich der Lebensraum der Pandas in den letzten vier Jahrzehnten verändert hat", sagt Stuart Pimm, Professor für Artenschutzökologie an der US-amerikanischen Duke University. "Immerhin bestimmt das Ausmaß und die Verbundenheit des Lebensraums einer Tierart zum großen Teil mit, wie stark sie vom Aussterben bedroht ist."

Von Straßen umringt

Die Forscher verglichen Satellitenbilder von heute mit denen aus dem Jahr 1976 und fanden heraus, dass der Lebensraum der Pandas nicht nur geschrumpft, sondern auch zunehmend zersplittert ist.

Leiter des Forschungsteams waren Zhuyan Ouyang und Weihua Xu von der chinesischen Akademie der Wissenschaften, die das geographische Gebiet der Pandas seit dem Jahr 2001 untersuchen. "Die offenkundigste Veränderung, seitdem Professor Liu und sein Kollege Professor Zhiyun Ouyang das Gebiet 2001 das erste Mal erkundet haben, sind mehr und bessere Straßen sowie andere Infrastruktur", sagt Pimm. "Im Jahr 2013 war das Straßennetz fast dreimal so dicht wie im Jahr 1976. Es hat den Lebensraum der Pandas zerstückelt."

Die verbliebene Pandapopulation werde dadurch in 30 voneinander isolierte Gruppen aufgespalten. 18 dieser Gruppen bestehen den Untersuchungen nach aus weniger als zehn Tieren. Mit anderen Worten: Es gibt ein hohes Risiko, dass Pandabären lokal aussterben.

Laut Weltnaturschutzunion gab es im Jahr 2016 über 1860 wildlebende Pandas - die von der Mutter abhängigen kleinen Bären unter 1,5 Jahren ausgenommen. 

China Baby Panda im Chengdu Research Base (picture-alliance/dpa/S. Zhang)

Mit den natürlichen Beständen in Gefahr, bleiben Nachzuchten essentiell für den Erhalt der Pandabären

Doch nicht so rosig wie gedacht?

Die Studie hinterfragt die Daten, die angeblich gezeigt haben, dass die Pandabärenpopulation wächst. Sie waren der Grund dafür, dass die Weltnaturschutzunion den Bedrohungsstatus herabstufte. Aber die angewandten Methoden und die untersuchten Gebiete seien von einer Beurteilung zur anderen nicht konsistent gewesen.

Es ergebe sich ein sehr komplexes Bild, sagen die Wissenschaftler. Insgesamt habe der Lebensraum der Pandas zwischen 1976 und 2001 um fünf Prozent abgenommen. In einigen Gegenden jedoch sei eine Abnahme von durchschnittlich 24 Prozent zu beobachten.

Seit 2001 allerdings haben die Bären ihr Revier wieder ein wenig vergrößern können, sagen die Forscher - dank eines Abholzverbotes und der Einrichtung neuer Naturschutzgebiete seit 1996. Diese geringe Zunahme allerdings könne den starken Verlust in den zwei Jahrzehnten davor nicht wettmachen. Pandas wurden im Jahr 1988 das erste Mal als bedrohte Art gelistet.

Gefragt: Korridore

Gleich mehrere Bedrohungen sind eine Gefahr für die Pandas, sagen die Forscher: In Naturschutzgebieten nehme die Zahl der Touristen zu, neue Regelungen im Waldmanagement könnten die Abholzung fördern und der Klimawandel könnte die Bambusbäume zurückdrängen, von denen die Pandas abhängen.

Die vorerst dringendste Maßnahme sei aber die Einführung von Korridoren: Lebensraumschneisen, die isolierte, gefährdete Pandapopulation miteinander verbinden.

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