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Kultur & Bildung

Studentenwerk stellt sich auf junge Studierende ein

Durch die Schulzeitverkürzung kommen mehr minderjährige Studierende an die deutschen Hochschulen. Das bringt einige Veränderungen mit sich. Das Deutsche Studentenwerk bereitet sich auf diese Herausforderungen vor.

Elterninformation der Universität Regensburg, mit der sie das Einverständnis für das Studium ihres Kindes geben (Foto: Marcel Kehrer)

Die Uni Regensburg hat sich auf junge Studierende vorbereitet.

An Deutschlands Hochschulen sind in diesem Wintersemester so viele Studierende eingeschrieben wie noch nie. Ein Grund für den Ansturm ist die Verkürzung der Schulzeit in einigen Bundesländern, 2011 zum Beispiel in Bayern und Niedersachsen. Dort wurde die Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre gekürzt, und deshalb haben dort im vergangenen Jahr gleich zwei Jahrgänge Abi gemacht. Mit der Schulzeitverkürzung kommen aber nicht nur mehr Studierende an die Hochschulen, sondern auch jüngere. Diese Veränderung beschäftigt auch das Deutsche Studentenwerk, das zum Beispiel für die Beratung der Studierenden und die Verwaltung der Wohnheime zuständig ist. Stefan Grob ist der Pressesprecher des Deutschen Studentenwerks in Berlin, das sich in Zukunft auf mehr minderjährige Studierende einstellt.

Deutsche Welle: Herr Grob, minderjährige Studierende gibt es doch schon länger an deutschen Unis, zum Beispiel wenn Schüler ein Jahr früher als üblich eingeschult wurden oder eine Klasse übersprungen haben. Die Hochschulen scheinen aber erst jetzt auf das Thema zu reagieren. Warum wird das jetzt so wichtig?

Stefan Grob: Weil diese jungen Studierenden bisher eine sehr, sehr kleine Minderheit waren. Das waren Einzelfälle. Und nun stellen sich die Hochschulen und auch die Studentenwerke auf größere Gruppen dieser minderjährigen Studierenden ein. Wir schätzen, dass es derzeit 3000 bis 4000 bundesweit sind und dass es in Zukunft deutlich mehr werden, vielleicht sogar im fünfstelligen Bereich.

Wie genau stellt sich das Studentenwerk auf die minderjährigen Studierenden ein?

Für uns ist es vor allem beim Wohnen ein Thema, da müssen bei minderjährigen Studierenden die Eltern mitkommen, um einen Mietvertrag abzuschließen. Und ein großes Thema wird es in der Beratung sein, also wie stellt man sich in der psychosozialen Beratung auf minderjährige Studenten ein. Für die Hochschulen stellt sich natürlich das Problem, dass minderjährige Studierende rechtsfähig, aber nur beschränkt geschäftsfähig sind. Das heißt, wenn sie eine Mensakarte kaufen oder einen Bibliotheksausweis lösen, müssten theoretisch die Eltern dabei sein. Und in der Didaktik spielt es auch eine Rolle. Da müssen sich die Hochschulen auf die jungen Studierenden einrichten und vielleicht andere, neue hochschuldidaktische Konzepte für sie konzipieren.

Lassen Sie uns auf zwei Aspekte noch einmal genauer eingehen, nämlich auf die Wohnheime und die psychosoziale Beratung von Studierenden. Die Deutschen Studentenwerke sind verantwortlich für sehr viele Wohnheime in Deutschland. Wie stellen sich die Wohnheime auf die jungen Studierenden genau ein?

Wir machen keine besonderen architektonischen oder räumlichen Angebote, weil wir davon ausgehen, dass die minderjährigen Studierenden im Prinzip dasselbe wollen wie ihre volljährigen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Aber wir wollen die Zahl der Wohnheimplätze, gemeinsam mit den Bundesländern, von denen wir Unterstützung einfordern, deutlich erhöhen. Denn wir wissen aus unseren Studierendenbefragungen, dass gerade jüngere Studierende und Erstsemester gerne ins Wohnheim gehen.

Und wie muss sich die psychosoziale Beratung des Deutschen Studentenwerks auf die jungen Studierenden einstellen?

Nehmen wir folgenden Fall: Wenn ein 17-Jähriger frisch anfängt an der Uni und sich zum Beispiel unsicher fühlt oder fragt, ist das das Richtige, was ich hier mache. Dann muss ein Psychologe bei uns wissen, das ist die späte Adoleszenzphase, diese jungen Studierenden ticken psychologisch noch ganz anders als Studierende mit Mitte 20. Da müssen wir zum Beispiel unsere psychologischen Beraterinnen und Berater speziell schulen.

Wenn wir über das Studium von Minderjährigen sprechen, dann drängt sich der Blick ins Ausland auf. Da ist das Studium von Minderjährigen gang und gäbe. Kann Deutschland für den Umgang mit jungen Studierenden von diesen Ländern etwas lernen?

Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns zum Beispiel von den USA etwas abschauen können. Da werden minderjährige Studierende intensiv betreut. Es gibt dort spezielle Einführungsprogramme, wo die minderjährigen Studierenden mit noch mehr Informationen und etwas mehr Betreuung in den Hochschulalltag eingeführt werden, wo ihnen das ganze Hochschulsystem bekannt gemacht wird. So etwas könnte ich mir auch hier vorstellen. Ich glaube wir stehen da in Deutschland tatsächlich noch am Anfang.

Das Gespräch führte Svenja Üing.
Redaktion: Gaby Reucher