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Kultur

Studenten in Geldnot

Im Wettbewerb um die besten Köpfe hat sich Deutschland ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Zehn Prozent der Studenten sollen aus dem Ausland kommen. Doch die Lage für Studenten aus armen Ländern ist schwieriger geworden.

Internationale Studierende in Berlin, Archivfoto, Quelle: dpa

Deutschland wirbt um die besten Köpfe

"Die Beratungsstellen der Studentenwerke werden vermehrt von Ausländern aufgesucht, die nicht mehr wissen, wie sie ihr Studium finanzieren sollen", berichtet Isabelle Kappus vom Deutschen Studentenwerk. "Und es gibt kaum etwas, was man ausländischen Studenten anbieten kann." Den so genannten Bildungsausländern, die ihre Hochschulreife im Ausland erworben haben, stehen meist die Möglichkeiten nicht offen, die deutsche Studierende haben. Sie erhalten kein Bafög, es gibt wenige Stipendien für sie. Und Bildungsdarlehen sind oft an Bürgschaften gebunden, die Ausländer nicht leisten können.

Wenig Austauschprogramme mit armen Ländern

"Nach Deutschland zum Studieren zu kommen, wird immer teurer", beklagt Johannes Glembek, Geschäftsführer des Bundesverbandes Ausländischer Studierender. Die Studiengebühren, die einige Bundesländer eingeführt haben, seien dabei nicht die erste Belastung. Seit etwa drei bis vier Jahren fielen für Ausländer zunehmend Gebühren für Sprachkurse, Prüfungen und Studienbewerbungen an. "Die Addition dieser Gebühren schreckt ausländische Studierende ab."

Wer in Deutschland ein Studium aufnehmen wolle, müsse gleich zu Beginn zusätzliche Belastungen einkalkulieren, die zwei bis drei Monaten Lebensunterhalt entsprächen. Das treffe vor allem die "Freemover", die nicht über spezielle Austauschprogramme der Hochschulen oder des Deutschen Akademischen Ausstausch-Dienstes (DAAD) nach Deutschland kommen. Gerade mit ärmeren Ländern gebe es kaum Austauschprogramme.

Weniger Studienanfänger aus dem Ausland

"Als ich vor sieben Jahren angefangen habe, kostete ein Sprachkurs etwa 40 Euro pro Stufe – für Kopien und Organisationsaufwand", berichtet Erick Tambo de Gankam von den Afrikanischen Studierenden in Dortmund. Inzwischen seien für drei Grund- und zwei Mittelstufen insgesamt etwa 1250 Euro zu bezahlen. Plus die Bewerbungsgebühren für die Universitäten, bei Fächern wie Medizin oft für 20 bis 30 Bewerbungen. In vielen Städten erhielten die Ausländer erst danach eine Arbeitserlaubnis. Wobei sie ohnehin nur 90 Tage in den Semesterferien arbeiten dürften und oft schlecht bezahlte Tätigkeiten mit Stundenlöhnen von fünf bis acht Euro ausübten, sagt Tambo.

Durch die schwierige finanzielle Situation, meint Glembek, sinke vor allem die Zahl der Freemover. 2003 begannen noch über 60.000 Bildungsausländer ein Studium in Deutschland, 2005 waren es fast 5000 weniger. Vor allem die Zahl der Studienanfänger aus China ist dramatisch zurückgegangen – von fast 7000 im Jahr 2002 auf unter 4000 im Jahr 2005.

DAAD: Gebühren nicht entscheidend

Chinesische Studenten in Chemnitz, Quelle: dpa

Chinesischen bilden eine der größten Gruppen unter den Bildungsausländern

Die Fachreferenten beim DAAD bezweifeln allerdings, dass steigende Gebühren eine entscheidende Ursache des Rückgangs sind. Sie verweisen auf einen vorausgegangenen Boom, der sich nun etwas abschwäche. Ursachen für die abnehmende Zahl chinesischer Studienanfänger seien beispielsweise die verbesserten Studienmöglichkeiten in China und eine strengere Prüfung der Bewerber, die vorher oft mit gefälschten Dokumenten eingereist seien. "Die Zahlen steigen wieder an, und wir haben jetzt bessere Studenten", sagt Klaus Birk, DAAD-Experte für China.

"Mein Gefühl ist, immer mehr Leute gehen in andere Länder", sagt dagegen Cheng Ni, stellvertretender Vorsitzender eines Dachverbandes chinesischer Studenten und Akademiker. Laut offizieller chinesischer Statistik würden insgesamt mehr Menschen zum Studieren ins Ausland gehen – aber weniger nach Deutschland. Die Kosten des Studiums in Deutschland spielten schon eine Rolle. Allein für die Prüfung der Studienberechtigung müssten die Bewerber nach Peking reisen und außer den Reisekosten 250 Euro Gebühr zahlen.

"Die Hochqualifizierten haben nicht immer Geld"

BWL-Erstsemestlerin afrikanischer Herkunft in Magdeburg, Archivfoto

Für Studenten aus Afrika gibt es nur wenig Austauschprogramme

Wie sich die neu eingeführten Studiengebühren auf die Zahl ausländischer Studienanfänger auswirken werden, ist noch nicht absehbar. Laut einer Erhebung des Studentenwerks gehörten allerdings vor zwei Jahren Geldsorgen zu den wichtigsten Problemen ausländischer Studenten. "Ein Argument für Deutschland war immer, das das Studium nicht so teuer war", sagt Erick Tambo de Gankam, der aus Kamerun stammt. "Wenn mich jetzt jemand fragt, ob er in Deutschland studieren sollte, versuche ich, ihm davon abzuraten." Belgien oder Frankreich seien zwar etwas teurer, dafür müssten beispielsweise Kameruner dort keine Fremdsprache erlernen. Beliebte Studienländer für seine Landsleute seien auch Nigeria, Senegal, Mali, Elfenbeinküste, Ghana, Südafrika, Marokko oder Russland.

Das Deutsche Studentenwerk fürchtet, dass Deutschland als für ausländische Studenten weniger attraktiv werden könnte. "Die Internationalisierung der Hochschulen kann nicht nur durch Marketing erreicht werden", betont Isabelle Kappus, "die sozialen Belange dürfen nicht vergessen werden." Und Johannes Glembek vom Bundesverband Ausländischer Studierender warnt: "Die Hochqualifizierten sind nicht immer die mit dem dicken Geldbeutel."

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