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Bildung

Studenten als Entwicklungshelfer

Was sie in Deutschland lernen, soll auch ihrem Heimatland nützen: Das Bildungsprojekt STUBE macht ausländische Studenten durch Studienaufenthalte zu internationelen Botschaftern in Nachhaltigkeit und Entwicklung.

STUBE in Kassel: Die Teilnehmer probieren Musikinstrumente aus(Foto: DW/M. Przibilla)

Studienbegleitprogramm Stube

Musiklehrer Heyson Vargas und weitere Projektteilnehmer (Foto: DW/M. Przibilla)

Musiklehrer Heyson Vargas (2.v.l.) will sich in seiner Heimat Bolivien für Straßenkinder engagieren

Musik, so sagt Heyson Vargas, sei schon immer ein Teil seines Lebens gewesen. Der Musiklehrer aus Bolivien weiß, wie mutig und selbstbewusst Lieder junge Menschen machen können - vor allem solche, die ansonsten wenig Chancen in der Gesellschaft haben. Schließlich hat er es selbst bis nach Deutschland geschafft. Seinen Studienaufenthalt nutzt Vardas daher nicht nur für sich. Mit dem Studien-Begleitprogramm STUBE bildet er sich entwicklungspolitisch weiter. Das Projekt des World University Service will Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu Fachkräften im Bereich nachhaltige Entwicklung machen.

In Wochenendseminaren lernen sie verschiedene Projekte aus dem Bereich der Entwicklungshilfe kennen. Vargas hat sich für das Seminar "Kunst für Straßenkinder - Bildung mobil" in Kassel entschieden. Dort beschäftigt er sich mit einer Initative, die Straßenkindern in Bolivien hilft, ein Instrument zu erlernen. Hier will er sich nach seiner Rückkehr ins Heimatland engagieren. "Die Kinder müssen einfach alles lernen, was möglich ist, damit ihr Leben besser wird", erklärt Vargas. Diese Ansicht teilt er mit vielen seiner Kommilitonen.

Teilnehmer aus 13 Nationen

STUBE-Teilnehmerin Corine Ngahan (Foto: DW/M. Przibilla)

Corine Ngahan hat durch das Programm viele Freunde gefunden

Das Seminar "Kunst für Straßenkinder - Bildung mobil" ist auf starkes Interesse gestoßen. Ob Kolumbien, Irak, Nigeria oder China - Studierende aus insgesamt 13 Nationen sind vertreten. Alle leben derzeit in Deutschland. Corine Ngahan aus Kamerun ist an der Technischen Universität Darmstadt für Politikwissenschaften eingeschrieben - und regelmäßig bei STUBE zu Gast. "Das ist für mich eine gute Möglichkeit, über entwicklungspolitische Themen zu reden", erläutert die 26-Jährige. "Wir sind unter uns, nur Leute aus Entwicklungsländern, deshalb können wir uns gut austauschen."

Es sind aber nicht nur die Diskussionen, die Informationen, die Arbeit an einem Thema, die Corine Ngahan für das Studien-Begleitprogramm des World University Service begeistert. Auch privat, erzählt sie, habe sie schon viel von STUBE profitiert: "Ich bin hier reich an Freunden geworden. Ich habe Freunde aus dem Iran, aus Afghanistan, aus China, aus Marokko - und aus Deutschland natürlich. Mein Freundeskreis ist breiter geworden."

Neustart in den Heimatländern

STUBE-Referentin Susanna Beierlein (Foto: DW/M. Przibilla)

STUBE-Referentin Susanna Beierlein will den Studierenden neue Perspektiven eröffnen

Diese Vernetzung gehört zu den Zielen des STUBE-Angebots für Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Sie soll ihnen den Aufenthalt in Deutschland erleichtern. "Ein weiteres Ziel ist es, ihnen die Rückkehr und den Neustart in ihren Heimatländern zu ermöglichen", sagt STUBE-Referentin Susanna Beierlein.

Das Projekt reagiert damit auf den so genannten "Braindrain", die Abwanderung qualifizierter Bevölkerungsschichten. Das nehme dem Herkunftsland Chancen, erklärt Beierlein. "Wir wollen den Studierenden deshalb die Perspektive eröffnen, dass sie hier eine gute Ausbildung haben, dass sie sich wohlfühlen, integriert sind, aber auch zurückgehen können." In den Heimatländern sollen die in Deutschland erworbenen Kenntnisse dann Anwendung finden.

Kostenlose Begleitung im Studium

Um diese Ziele zu erreichen, arbeitet STUBE seit 1979 mit vielen Partnern zusammen. Dazu gehören in erster Linie der Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland und das Diakonische Werk. Aber auch akademische Auslandsämter der Hochschulen, Studentenwerke, evangelische und katholische Hochschulgemeinden und Wissenschaftsministerien zählen zu den Kooperationspartnern.

Studien-Begleitprogramme gibt es in elf Bundesländern. Neben Seminaren wie dem in Kassel werden individuelle Beratungen angeboten und die Vermittlung von Praktika und Auslandsaufenthalten. Wer will, kann sich von den ersten Schritten in Deutschland bis hin zum Ende seines Studiums begleiten lassen - kostenlos. "Das verstehen wir als nachhaltige Bildung, die fachlich und persönlich qualifiziert", sagt Referentin Beierlein.

Ausgezeichnetes Angebot

Projektteilnehmer probieren Musikinstrumente aus (Foto: DW/M. Przibilla)

Das Angebot richtet sich vor allem an Studierende aus Entwicklungs- und Schwellenländern

In Deutschland gibt es rund 230.000 ausländische Studierende. Drei Viertel von ihnen kommen aus Entwicklungs- und Schwellenländern. An sie richtet sich das breit angelegte STUBE-Angebot, das im Jahr 2010 als offizielles Projekt der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet wurde.

Die Politikwissenschaftlerin Corine Ngahan engagiert sich inzwischen selbst bei STUBE. Sie organisiert Veranstaltungen mit. Auch dazu sind Studierende ausdrücklich eingeladen. Die STUBE-Idee, nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Heimatländern etwas zu bewirken, hat die junge Frau aus Kamerun überzeugt. "Wir träumen alle davon, irgendwas zurückzubringen, in irgendeiner Form, egal ob Bildung oder Information", betont sie. "Damit sich zu Hause etwas bewegt."