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Wirtschaft

Strom-Barone schreiben Milliarden ab

RWE und Eon haben ihre Jahresbilanzen vorgelegt - und dabei die ganze Schwäche der Energieriesen offengelegt. Sie sind zu spät in das Ökostromgeschäft eingestiegen und sie verdienen immer weniger.

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Eon schreibt Milliarden-Verlust

Fünf Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima und der darauf folgenden Energiewende durch die deutsche Regierung haben die beiden Großtanker RWE und Eon zu einem Richtungswechsel angesetzt. Allerdings bleibt fraglich, ob die beiden Riesen noch rechtzeitig die Kurve kriegen. Beide Konzerne spalten sich in konventionelle und erneuerbare Energien auf - und produzieren erst einmal gigantische Abschreibungen.

Während der Atomstrom-Anteil in Deutschland seit der Energiewende von 22 auf 14 Prozent gesunken ist, stieg der Öko-Anteil im gleichen Zeitraum von 17 auf rund 30 Prozent. Doch statt sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, klammerten sich die Strom-Barone an alte Geschäftsmodelle - und zogen vor das Verfassungsgericht, weil sie das im März 2011 erlassene Atomausstiegsgesetz als Enteignung und Eingriff in die Berufs- und Gewerbefreiheit ansehen.

Derweil geht die Krise bei Eon und RWE ungebremst weiter. Nach einem Rekordverlust von sieben Milliarden Euro im vergangenen Jahr stimmte Deutschlands größter Versorger Eon am Mittwoch auf weiterhin schwere Zeiten ein. Im vergangenen Jahr hinterließ die Krise tiefe Spuren in der Konzernbilanz. Wegen der weggebrochenen Gewinnaussichten der Großkraftwerke verbuchte Eon Abschreibungen von 8,8 Milliarden Euro. Dies führte zum höchsten Verlust in der Unternehmensgeschichte.

Heilmittel Aufspaltung?

Schon für 2014 hatte der Konzern ein Minus von 3,2 Milliarden Euro gemeldet. "Unsere Kennzahlen spiegeln wider, dass sich die Branche in einem grundlegenden strukturellen Umbruch befindet, der sich in diesem Jahr ungebremst fortsetzt", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen. Er strebt die Aufspaltung des Konzerns in alte und neue Energieträger an.

Der Konkurrent RWE, der ebenfalls vor der Aufspaltung in zwei Gesellschaften für erneuerbare und konventionelle Energien steht, hatte nur einen Tag zuvor ebenfalls katastrophale Jahreszahlen vorgelegt. Im vergangenen Jahr war RWE vor allem wegen Abschreibungen auf die Großkraftwerke und negativer Steuereffekte in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 170 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,7 Milliarden Euro 2014. Der Absturz im Tagesgeschäft dürfte sich in diesem Jahr beschleunigen, kündigte der Vorstand am Dienstag in Essen an.

Um das Ruder herumzureißen, will der Vorstand das laufende Sparprogramm verschärfen. Vor allem bei den beiden größten Sorgenkindern, den Großkraftwerken und dem britischen Vertriebsgeschäft, sollen die Kosten runter. Gleichzeitig treibt RWE die eigene Aufspaltung voran. Dabei gliedert der Konzern das Zukunftsgeschäft mit Ökostrom, Netzen und Vertrieb in eine neue Tochter aus, die bis Ende des Jahres an die Börse gehen soll.

"Wir wollen kein Cash verbrennen"

Vor allem der Verfall der Strompreise im Großhandel setzt dem Versorger zu. Das ließ das betriebliche Ergebnis allein im Geschäft mit Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken um fast die Hälfte auf 543 Millionen einbrechen. In diesem Jahr rechnet der Vorstand mit weiteren Rückgängen, allerdings noch nicht mit einem Verlust. Das liegt daran, dass sich das aktuelle Preisniveau erst mit einiger Verspätung in den Ergebnissen niederschlägt, da RWE einen Großteil seiner Produktion schon Jahre im Voraus verkauft.

RWE drohte mit weiteren Kraftwerksschließungen, falls sich die Situation nicht verbessere: "Wir werden kein Kraftwerk am Netz halten, das Cash verbrennt." Damit setzt der Konzern die Politik weiter unter Druck. Die Branche pocht darauf, dass ihre Kohle- und Gaskraftwerke als verlässliche Reserve weiter gebraucht werden, um Stromausfälle in Zeiten mit einem geringen Ökostromangebot zu verhindern. Fürs Bereithalten der nötigen Erzeugungskapazitäten wollen sich die Unternehmen bezahlen lassen. Die Bundesregierung lehnt das ab.

Auch E.ON will sich noch in diesem Jahr aufspalten. Die Gas- und Kohlekraftwerke werden bei der Tochter Uniper geführt, während E.ON sich auf das zukunftsträchtige Ökostromgeschäft konzentriert. Die Strategie scheint bei beiden Konzernen dieselbe zu sein: Die konventionellen Energieträger sollen als eigenständige Gesellschaften ausgelagert und möglichst als "verlässliche Reserve" beim Ökostrom-Umbau vom Staat alimentiert werden. Die neuen Gesellschafte sollen dagegen so schnell wie möglich an die Börse beziehungsweise Gewinne generieren - andernfalls fehlt ihnen das nötige Kleingeld für den Umbau und dringend notwendige Investitionen.

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