1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Strom aus dem Meer wird ab 2030 relevant

15 Prozent des globalen Strombedarfs könnte die Meeresenergie nach Angaben des Weltenergierates decken. Derzeit ist die Technik allerdings noch zu teuer. Wellenforscher Frank Neumann prognostiziert sinkende Preise.

Frank Neumann vom Zentrum für Wellenenergie in Lissabon (Foto: Privat)

Frank Neumann vom Zentrum für Wellenenergie in Lissabon

Frank Neumann ist stellvertrender Direktor vom Centro de Energia das Ondas, dem Zentrum für Wellenenergie in Lissabon.

DW-WORLD.DE: Herr Neumann, jetzt gibt es das erste kommerzielle Wellenkraftwerk im baskischen Fischerdorf Mutriku, doch einen Boom bei der Wellenkraft, so wie bei der Wind- und Sonnenenergie, spürt man nicht. Wo steht die Wellenkraft derzeit?

Frank Neumann: Im Vergleich zur Windkraft und anderen erneuerbaren Energien ist die Wellenkraft nach wie vor in einer Demonstrationsphase, und sie braucht stärkere Mechanismen zur Förderung als zum Beispiel Biomasse, Geothermie oder vor allem die Windkraft. Das liegt vor allem daran, dass die technische Umsetzung der Wellenkraft komplex ist. Wellenkraftwerke müssen sehr großen Kräften standhalten, und die bisherigen Wellenkraftwerke hatten hier Schwierigkeiten. Das hat zur Folge, dass die Entwicklungskosten für die ersten Kraftwerke hoch sind. Und die kleinen Gründerfirmen für diese Kraftwerke haben noch nicht alle Probleme beseitigt.

Gibt es eine Aussicht, dass diese technischen Herausforderungen bewältigt werden?

Definitiv ja. Die Entwicklung des ersten Kraftwerks ist aber immer sehr teuer. Das ist generell bei allen Technologien so. Auch bei der Windkraft war es so. In Deutschland wurde in den frühen 1980ern ein Windkraftwerk mit zwei Megawatt geplant. Damals haben sich die ganze Industrie und die ganze Welt darüber kaputt gelacht, dass man so naiv sein könne und ein so großes Windrad baut. Diese Windkraftanlage lief nicht lange, das Projekt lief komplett schief.

Bei der Wellenkraft ist es heute nicht anders. Erschwerend kommt aber noch hinzu, dass die Kräfte im Meer eben so groß sind, dass man noch nicht einmal einen kleinen Fehler machen darf. Denn dann ist man gleich sein ganzes Projekt los. Das ist der große Unterschied zu allen anderen Technologien. Wenn in anderen Technologien etwas schief geht, dann kann man noch mal daran feilen, dann kann ein Teil herausgenommen werden, und man probiert es erneut. Im Meer ist das nicht so leicht möglich, und unter Umständen sinkt dann das Wellenkraftwerk, und man ist gleich alles los. Das Potential zur Wirtschaftlichkeit ist dagegen riesengroß. Hat man die Kräfte und die Technik im Griff, dann ist es wahrscheinlich, dass sich die Wellenkraft sehr schnell entwickelt.

Was kostet die Wellenkraft?

Im Augenblick kostet die Installation von einem Megawatt Wellenkraft noch cirka fünf bis zehn Millionen Euro. Damit liegt der Preis pro Kilowattstunde (kWh) Strom jetzt in der Demonstrationsphase mit Sicherheit noch über einem Euro. Aber die nächsten Projekte, die für die kommenden zwei bis drei Jahren geplant sind, die sollen schon ganz deutlich unter fünfzig Eurocent pro kWh kosten. In Portugal, Irland und Großbritannien werden für Strom aus Wellenkraft rund 25 Cent gezahlt. Wir sind also faktisch noch teurer. Da muss noch mehr gefördert werden, damit sich die Technologie weiter entwickeln kann. Das Endziel oder die Voraussicht ist, dass wir den Strom so billig erzeugen wie bei der Windkraft und die kWh Wellenkraft bei fünf oder sechs Eurocent liegt.

Ab wann kann die Wellenenergie ein wesentlicher Teil der Energieversorgung sein?

Meines Erachtens können wir erwarten, dass die Wellenenergie 2030 den Strombedarf in einigen Ländern schon spürbar deckt. Das eigentliche Ziel war 2020, aber dafür ging die Entwicklung einfach zu langsam. Und bis 2050 geht man davon aus, dass die Wellenenergie einen wesentlichen Anteil an der Energieversorgung in Ländern wie z.B. Portugal oder Irland hat, eventuell in Frankreich, Großbritannien und Norwegen.

Das Interview führte Gero Rueter
Redaktion: Gudrun Heise

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema