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Asien

Stroh, Stahl und Solarzellen in Shanghai

In rund einem Monat beginnt die Weltausstellung. Auf dem Expo-Gelände am Huangpu-Fluss ist noch längst nicht alles fertig. Ein Besuch auf der Baustelle.

Arbeiter am chinesischen Pavillion (Bild: DW)

Arbeiter am chinesischen Pavillon.

Arbeiter im Regen (Bild: DW)

Regen auf der Baustelle

Im kalten Nieselregen wird geschweißt, gehämmert und gepinselt. Auf der Expo-Baustelle werkeln hunderte von Bauarbeitern. Viele haben sich provisorische Regenjacken übergezogen – als Schutz vor der Nässe. Am ersten Mai soll die größte Weltausstellung aller Zeiten ihre Pforten öffnen, aber noch sind die Pavillons der 192 Teilnehmerländer alles andere als fertig. Vielerorts fehlt noch der Straßenbelag, Berge von Bauschutt und Müll liegen an den Straßenrändern.

Urbane Visionen, grüne Oase

Es bedarf einer Menge Phantasie, um sich vorzustellen, dass hier in wenigen Wochen täglich 400.000 überwiegend chinesische Besucher urbane Visionen sowie eine grüne Oase bewundern sollen. Grün sind bislang allenfalls die neuen Mülltonnen. Doch der Vizedirektor des Shanghaier Expo-Büros, Huang Jianzhi, bleibt optimistisch. Bislang habe noch jedes Land zugesagt, bis zum 1. Mai fertig zu werden. "Natürlich kann ich dafür nicht meine Hand ins Feuer legen", sagt Huang und lacht. „Doch ich gehe davon aus, dass die meisten Pavillons am ersten Mai fertig sein werden."

Neue Mülltonnen auf dem Expo-Gelände (Bild: DW)

Grün sind bisher nur die Mülltonnen

Für die Weltausstellung 2010 hat sich die 20-Millionen-Metropole Shanghai viel vorgenommen. Unter dem Motto "Better City, Better Life" liegt der Schwerpunkt auf nachhaltiger Entwicklung. An den Ufern des Huangpu-Flusses, dort wo früher Fabrikschlote qualmten, soll eine Welt ohne Staus und Umweltverschmutzung präsentiert werden. Grüne Technolgie steckt in vielen Details. Zur Bewässerung der Gartenanlage der Expo wird zum Beispiel Wasser aus dem Huangpu benutzt. "Das Flusswasser ist verdreckt, aber in den Anlagen des Gartengeländes wird es soweit gereinigt, dass sogar Kinder darin spielen können", freut sich der Chefplaner Wu Zhiqiang. Zum Schluss wird das gereinigte Wasser wieder in den Fluss zurückgeleitet. „Die Stadt läßt also den Fluß sauberer werden", sagt der Professor. „Genau das steckt hinter dem Motto 'Better City, Better Life'".

Stadt im Gleichgewicht

Arbeiter im künftigen Medienzentrum der Exypo (Bild:AP)

Im künftigen Medienzentrum der Weltausstellung

Auch in den Länderpavillons steht die Nachhaltigkeit ganz im Mittelpunkt. Der japanische und der britische Pavillon produzieren ihren eigenen Strom, die Spanier haben sich eine Fassade aus umweltfreundlichem Stroh ausgedacht, bei den Schweizern zeigt ein Netz von Solarzellen ungenutzte Energiepotentiale. Im deutschen Pavillon klettert man derzeit noch über Eisenträger und wacklige Gerüste. Doch auch hier soll es schon bald anders aussehen. Die Besucher sollen durch Stadtlandschaften geführt werden und die Vielfalt deutscher Städte erleben. "Balancity" heisst der deutsche Beitrag – die Stadt im Gleichgewicht zwischen Erneuern und Bewahren, zwischen Urbanität und Natur. Die asymetrische Architektur des Pavillons, der wie eine gewaltige weiße Skulptur aussieht, soll ein modernes Deutschlandbild vermitteln, sagt Projektleiter Florian Özdikmen, "Deutschland als transparenter, weltoffener, kommunikativer und auch pro-aktiver Partner."

Computersimulation des deutschen Pavillons (Bild: picture-alliance/ dpa)

So soll der deutsche Pavillon einmal aussehen

Die Visionen urbaner Harmonie werden sechs Monate lang am Huangpu zu besichtigen sein. Dann werden die meisten Pavillons wieder abgebaut. Die Chinesen haben nach offiziellen Angaben rund 2,8 Milliarden Euro für die Gestaltung und den Betrieb des Geländes bereitgestellt. Anders als in anderen Expo-Städten werde man nicht auf einem Schuldenberg sitzenbleiben, versichert Huang Jianzhi. "Wir werden kein Defizit machen."

Kein Raum für mögliche Proteste

Denn nach der Expo dürfte das Gelände direkt am Fluss höchst attraktiv sein. Was genau dort entstehen soll, dazu will sich in Shanghai noch niemand konkret äussern. Ein Teil könnte als Bauland versteigert werden, heisst es. Für die Stadt, in der die Immobilienpreise seit Jahren steigen und steigen, wäre die Expo dann im Nachhinein ein Riesengeschäft. Und auch bei einem anderen Thema halten sich die Organisatoren bedeckt: Wie man mit möglichen Protesten während der Weltausstellung umgeht. Gibt es nicht gerade im Zuge der Entwicklung und Modernisierung vieler chinesischen Städten immer wieder Klagen über Korruption und Enteignungen? Vizedirektor Huang Jianzhi wiegelt ab. Bei der Expo, sagt er, geht es um Harmonie: "Andere politische Meinungen braucht man ja nicht unbedingt hier auf dem Gelände zu äussern."

Autorin: Ruth Kirchner
Redaktion: Mathias Bölinger

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