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Stricken

Die Assoziationen zu unserem Stichwort können unangenehm sein: kratzige Strickpullis von Muttern, quälende Handarbeitsstunden in der Schule – oder diese peinliche Affäre, in die man dummerweise verstrickt ist.

Begonnen hat alles damit, dass da einer saß und sein Netz ausbesserte. Sie denken an einen Fischer? Mag sein. Es könnte aber auch ein Jäger oder Fallensteller, ja ein Wilderer gewesen sein. Ihre Netze dienten – und sie tun es heute noch – dazu, dass sich die Beute darin verfängt. Das heißt, eigentlich werden die Tiere oder das Tier erst dann zur Beute, wenn sie sich im Netz hilflos verstrickt haben. Da haben wir's: verstrickt, stricken, Strick. Bevor wir uns aber selbst verstricken, nennen wir das Stichwort dieser Woche beim Namen. Es heißt "stricken".

Eine Falle stricken?

"Was", so werden Sie fragen, "hat stricken mit dem Ausbessern von Netzen zu tun?". Gehen wir zum Fischer und Fallensteller und schauen ihnen bei der Arbeit zu. Sein Netz hat Löcher. Also fügt er mit großem Geschick die zerrissenen Fäden wieder zusammen, macht hier ein Knötchen, zieht dort eine Schlinge etwas fester, damit sie auch schön hält, und dann ist das Netz auch schon fertig ausgebessert, fertig gestrickt.

Tatsächlich war die ursprüngliche Bedeutung von "stricken" diese: Netze ausbessern. Fast genauso alt: einen Strick herstellen. Mit Stricken und Schnüren lassen sich die unterschiedlichsten Dinge herstellen. Grobe und ganz feinmaschige Netze, aus denen es kein Entkommen gibt; und wer jetzt schon Bildhaftes vor Augen hat, zum Beispiel das Strickmuster einer Intrige oder die eng geschlungenen Maschen eines Netzwerkes von Beziehungen und dunklen Kanälen, der ist den Worten "Verstrickung" und "verstrickt" eindeutig auf der Spur.

Keine Witze mit Namen!

Aber wenden wir uns der durch und durch seriösen Seite unseres Stichwortes zu: Stricken ist natürlich und vor allem jene seit dem 12. Jahrhundert so genannte Tätigkeit, die allerlei Gestricktes hervorbringt und die bis heute fast nur von Frauen ausgeübt wird. Hier und da wird allerdings von einsamen Schäfern berichtet, die sich Jacken und Schals aus naturbelassener Schafs- oder Lammwolle stricken.

Apropos Lamm: 1866 erfand der Amerikaner J.W. Lamb, er hieß tatsächlich so, die Strickmaschine. Gestrickt wurde überall. Selbstgestrickte Sachen wie Socken, Pullover, Topflappen, ja Kleider und selbst Krawatten entstanden in heimischer Produktion. Dabei hatten die wenigsten fleißigen Strickerinnen eine Strickmaschine. Nein, da klapperten die Stricknadeln, wurden Fersen an Strümpfe angestrickt, neue Strickmuster ausprobiert, und der Ehrgeiz vieler Frauen bestand darin, möglichst Feinmaschiges zu verfertigen.

Wer sich verstrickt, muss nicht verstrickt sein

Es gibt in der Tat bewundernswerte Strickarbeiten, ohne jeden stricktechnischen Makel, geschweige denn die hässlichen Knubbel, die eindeutig auf Strickfehler verweisen und schonungslos offen legen, dass sich die Strickerin verstrickt hat. Nicht verstrickt ist, darauf kommen wir noch zu sprechen.

Auch sind Fehler beim Stricken keineswegs mit Verstrickungen zu verwechseln. Letztere sind eine Spielart von Beziehungsgefüge, auf das man sich einlässt, um mit mehr Geld herauszukommen, als man reingegangen ist. Aber das ist natürlich ganz unzulässig vereinfacht. Wir bitten alle Verstrickten um Entschuldigung!

Des Sohnes Alptraum: Selbstgestricktes

Nun hätten wir beinahe das wahre Stricken und seinen Eingang in die Mode vergessen. Also: "Strick" hieß schließlich der Fachbegriff in der Modebranche und "Chic mit Strick" lautete vor gar nicht langer Zeit ein Slogan. Die häuslichen Strickerzeugnisse, abwertend als "Selbstgestricktes" bezeichnet, konnten da nicht mithalten. "Strickbeutel", "Strickstrumpf" und "Strickzeug", das sind Worte, die einen eher biederen Klang haben, aber wieso weiß niemand so recht.

Denn immerhin: Der Strickbeutel hieß auch "Pompadour", nach der einst in der Mode den Ton angebenden Marquise. Man nannte ihn sogar "Ridikül", dem französischen "réticule" nachgebildet. "Réticule" aber heißt so viel wie "kleines Netz". Wenn man genau hinschaut, ist Gestricktes durchaus mit einem Netz zu vergleichen. Es ist jedoch viel feinmaschiger als – sagen wir – ein Einkaufsnetz.

Wenn sich das Netz zuzieht

Es ist ein für den Laien geheimnisvoll in sich verschlungenes Gewebe, verstrickt eben, wie eine kompliziert aufgebaute Organisation, ein Netzwerk, in dem alles miteinander verknüpft ist. Leicht verliert man darin die Orientierung, kommt nicht mehr raus, hängt mit drin, ist verstrickt in die Sache, hat sich bestricken lassen. Jetzt muss man alles erklären. Verstrickt sich in Widersprüche. Sich verstricken: Sich durch eigene Schuld in eine schwierige, ausweglose Lage bringen. Verstrickt in eine Sache sein: üble Geschichte! Jetzt zieht sich das Netz zusammen. Das alte hatte zu große Löcher bekommen. Immer dasselbe Strickmuster.

Fragen zum Text:

Wie hieß der Erfinder der Strickmaschine?

1. G. W. Sheep

2. W. J. Lamb

3. J. G. Shepard

Ein früherer Slogan der Modebranche lautete …?

1. Chic mit Strick

2. Strick gibt dir den Kick

3. Strick ohne Trick

Wiederholen sich bestimmte Strukturen regelmäßig, so spricht man von …?

1. derselben Stricknadel

2. dem gleichen Strickzeug

3. demselben Strickmuster

Arbeitsauftrag:

In der Bundesrepublik gab es – genau wie in anderen Ländern – im Laufe der Geschichte eine Reihe von Affären und Skandalen, in die Politiker verstrickt waren. Informieren Sie sich darüber und suchen Sie sich dann eine dieser Verstrickungen aus, die Sie im Kurs vorstellen.

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