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Sport

Stress im Cockpit

Formel 1-Piloten müssen bei einem Grand Prix nicht nur ihre Fahrkunst unter Beweis stellen, sondern auch ihre körperliche und mentale Fitness. Die Belastungen während eines Rennens sind extrem.

Formel-1-Fahrer Timo Glock an einem Gerät, mit dem die Beweglichkeit und Muskelkraft der Halswirbelsäule trainiert wird. Foto: picture-alliance/dpa

Timo Glock beim Training für die Halswirbelsäule

"Das ist, als hättest du zwei volle Wassereimer an den Ohren hängen", beschrieb einst der österreichische Formel 1-Fahrer Alexander Wurz, was in den Kurven aufgrund der Fliehkraft mit seinem Kopf geschah. Dazu kommen die Kräfte, die bei der Beschleunigung und beim Bremsen der Boliden entstehen. Ein Formel 1-Auto beschleunigt in weniger als fünf Sekunden von 0 auf 200 Stundenkilometer. Innerhalb von 50 Metern kann das Fahrzeug wieder auf 0 abgebremst werden. Dabei wirken auf den Piloten enorme Kräfte: das Fünffache des Körpergewichts wurde bereits gemessen.

HANS im Nacken

Protektor im Nacken des Formel 1-Piloten Jenson Button. Foto: picture-alliance/dpa

HANS bringt Glück, nicht nur Jenson Button

Besonders betroffen davon ist die Kopf- und Nackenpartie. "Das ist im Prinzip nichts anderes wie ein Ball oder irgendetwas anderes auf der Ablage eines Autos", erklärt Björn Braunstein vom Institut für Biomechanik an der Sporthochschule Köln. "Das ist eine Masse, die locker ist und da nicht hingehört. Beim Bremsen oder Beschleunigen fliegt sie nach vorne oder hinten." Um Schäden vorzubeugen, hat der Weltautomobilverband FIA 2003 die Formel 1-Fahrer verpflichtet, "HANS" (Head-And-Neck-Support) zu tragen, ein Schutzsystem für Kopf und Nacken. "Darüber hinaus", so Braunstein, "trainieren die Piloten mehrmals pro Woche ihre Nackenmuskulatur." Dass eine schwere Verletzung in diesem Bereich, wie sie sich Michael Schumacher bei seinem Motorradunfall im Februar zuzog, alles andere als förderlich ist, versteht sich von selbst.

Mobiles Fitnessstudio

Der siebenmalige Weltmeister legte während seiner Karriere übrigens größten Wert auf körperliches Training. Häufig ließ sich Schumacher sogar ein mobiles Fitness-Studio an die Rennstrecke bringen. Persönliche Fitness-Trainer sind in der Formel 1 längst Standard.

Das McLaren-Mercedes-Team ließ vor einigen Jahren von Medizinern exakt messen, welche Muskel die Fahrer wie stark belasteten, um das Training zu optimieren. Gas- und Bremspedale wurden für die Füße der Piloten maßgefertigt – und das nicht ohne Grund. Um hart zu bremsen, müssen die Fahrer mit einem Gewicht von bis zu 80 Kilogramm zutreten.

Frau und Hund

Nelson Piquet steigt nach einem Unfall in Sao Paulo aus seinem schrottreifen Formel 1- Auto. Foto: ap

Jeder Fehler wird bestraft

Formel 1-Fahrer haben also richtig Stress im Cockpit, denn neben allen körperlichen Strapazen sind sie auch psychisch gefordert. Jeder Mangel an Konzentration kann zu einem Ausrutscher ins Kiesbett oder Schlimmerem führen. Und schließlich gibt es ja auch noch den Leistungsdruck. "Die Einzigen, die sich an dich erinnern, wenn du Zweiter wirst", sagte einmal der frühere Weltmeister Damon Hill, "sind deine Frau und dein Hund".

Autor: Stefan Nestler

Redaktion: Dirk Eckert