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Nahost

Streit um Taufen im Jordan

Umweltschützer sorgen sich um die Wasserqualität des Jordan und wollen Taufen in dem Fluss verbieten lassen. Israel und Jordanien halten die Qualität des Wassers jedoch für unbedenklich.

Blick auf den Jordan (Foto: Fotolia.com)

Israel und Jordanien attestieren dem Jordan eine ausreichende Wasserqualität

Die Taufe ist ein heiliges Sakrament der Christen. Besonders beliebt bei Pilgern im Heiligen Land: Taufen im Jordan. Schließlich soll in diesem Fluss Jesus getauft worden sein. Doch nun haben Umweltschützer die Behörden in Israel und Jordanien aufgefordert, die traditionelle Taufe von Christen im Unterlauf des Jordan zu verbieten. Der Grund: akute Gesundheitsrisiken. Der heilige Fluss sei zu einem Abwasserkanal verkommen, teilte die überregionale Umweltorganisation "Friends of the Earth Middle East" (FOEME) mit.

Entwarnung der Behörden

Israelische und jordanische Flaggen am Jordan-Fluss (Foto: AP)

Sowohl Jordanien als auch Israel profitieren von Pilgern, die sich im Jordan taufen lassen

Doch sowohl das israelische Tourismusministerium als auch die zuständigen Behörden in Jordanien geben Entwarnung. Die Wasserqualität des Jordan sei unbedenklich, heißt es übereinstimmend. "Tests haben gezeigt, dass das Flusswasser sicher für Pilger ist und nicht gesundheitsgefährdend sein kann", sagte der Direktor der Taufstellen-Kommission, Dia Al-Madani, der Tageszeitung "Jordan Times". Er verweist auf die Zehntausenden Pilger, die seit 2002 im Jordan getauft worden seien, ohne dass es Hinweise auf Wasserverschmutzung oder gesundheitliche Probleme der Getauften gegeben habe. Der Großteil des zum Taufen verwendeten Wassers werde in einer speziellen Anlage gereinigt, bevor es zurück in den Fluss geleitet werde, sagte Al-Madani weiter.

Bedenken der Umweltschützer

Ein Trinkwasserkanal im Jordantal (Foto: DW)

Ein Trinkwasserkanal im Jordantal

Zu einem anderen Ergebnis kommen dagegen die Umweltschützer von "Friends of Earth". Der Jordan schlängelt sich mehr als 400 Meter unter dem Meeresspiegel auf einer Länge von 217 Kilometer vom See Genezareth durch das Jordan-Tal in Richtung Süden. Nach Angaben der Umweltaktivisten nimmt er dabei das unbehandelte Abwasser von 250.000 Jordaniern, 60.000 Palästinensern und 30.000 Israelis auf. Hinzu kämen angeschwemmte Salze aus den Böden sowie Hormone und andere Rückstände aus riesigen Fischteichen.

Das israelische Tourismusministerium dagegen hat grünes Licht für die Fortsetzung von Taufriten im Jordan gegeben. Eine Wasseruntersuchung im Auftrag der Zivilverwaltung des Militärs im Westjordanland habe ergeben, dass die Wasserqualität im Jordan ausreichend sei, heißt es von Seiten der Behörde. Bislang ist der ganze untere Jordanlauf auf israelischer Seite militärisches Sperrgebiet; Besuche an der traditionellen Taufstelle müssen deshalb mit der Zivilverwaltung des Militärs abgestimmt werden. Jetzt hat das Ministerium angekündigt, die traditionelle Taufstelle am unteren Jordanlauf bald vollständig für Pilger freizugeben. Das könnte sich für Israel lohnen: Schließlich gilt der Jordan als eine der größten Tourismusattraktionen im Heiligen Land.

Autorin: Stephanie Gebert (dpa, kna)

Redaktion: Diana Hodali

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