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Wirtschaft

Streit um Quote für China-Textilien

Aus Angst vor zu viel fernöstlicher Ware führte die EU im vergangenen Frühjahr wieder Einfuhrquoten für chinesische Textilien ein. Mit der Folge, dass jetzt der Zoll Millionen Pullis und Hosen in den Häfen festhält.

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Textilien aus China sind billig und gefragt

Der deutsche Textilhandel ist in der Bredouille. Die Kollektion für Herbst und Winter müsste in diesen Wochen bereits ins Angebot, in diversen Modehaus-Katalogen ist sie auch schon abgebildet. Doch ob zum Hosenanzug oder zum Kostüm auch der passende Pullover geliefert werden kann, hängt von einer Entscheidung aus Brüssel ab.

China: Textilarbeiterin

Textilarbeiterin in Peking

Derweil lagern Millionen Pullover und Hosen in Schiffscontainern und bleiben zunächst einmal in den Häfen liegen. Die Auswirkungen: vor allem kleinere Großhändler und der Facheinzelhandel, die sich auf Asien-Geschäfte spezialisiert haben, könnten dadurch in die Insolvenz getrieben werden. Schließlich, so Jürgen Dax vom Bundesverband des Deutschen Textilhandels in Köln, sei die Ware vorab bezahlt worden, was in dieser Branche üblich sei. Er meint: "Die Ware, die jetzt blockiert ist, sollte im August, spätestens im September verkauft werden. Wenn wir die im Advent bekommen, dann guckt die keiner mehr an. Dann ist die Mode einen Tick weiter."

Mehr Kosten, weniger Schnäppchen

Eine kurzfristige Verlagerung der Produktion in andere Länder sei nur großen Unternehmen möglich, die bereits dort Verbindungen aufgebaut hätten, sagt Dax. "Blaue Strickpullover mit einem Zopfmuster, die jetzt vielleicht aus China hier nicht ins Land rein kommen, die kann ich auf dem Weltmarkt mit Sicherheit jetzt auch noch kaufen, dann kommen sie halt aus dem Mittelmeerraum, aus den nordafrikanischen Staaten oder aus der Türkei oder aus Indonesien oder, oder, oder ...", sagt der Unternehmer. Ob dann noch im Herbst oder Winter Schnäppchen möglich sind, ist allerdings fraglich. Denn die dadurch entstehenden Mehrkosten werden sich wohl im Preis wiederspiegeln.

Schutz der heimischen Produktion - das Hintertürchen der EU

Textilindustrie in China

Textilindustrie in China

Eigentlich gibt es seit Beginn dieses Jahres keine Textil-Quoten mehr im Welthandel. Denn seitdem ist das alte Welttextilabkommen (Multi Fiber Agreement) nicht mehr gültig. Doch beim Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001 hatte sich die EU eine Hintertür offen gehalten. So sind bis einschließlich 2008 neue Beschränkungen möglich, falls Chinas Exporte den Weltmarkt überschwemmen.

Auf Druck mehrerer EU-Mitgliedstaaten wurden im Frühjahr von der Europäischen Union dann erneut Einfuhrbeschränkungen für chinesische Textilien festgelegt. Denn Portugal, Frankreich und Italien und auch die neuen osteuropäischen EU-Mitglieder, also Länder wo die Textilindustrie noch eine wichtige Rolle spielt, fühlten sich durch die chinesischen Importe geschädigt und wollten ihre heimische Produktion vor der allzu großen und preiswerteren Konkurrenz aus Fernost schützen.

Sie seien wohl aus einem Tiefschlaf aufgeschreckt, vermutet Jürgen Dax, schließlich sei lange bekannt gewesen, dass die Quoten im internationalen Textilhandel zum 1. Januar 2005 fallen würden. Und so bezeichnet Dax die neuerlichen Importbeschränkungen durch die EU auch als "handwerklich groben Schnitzer". In Brüssel wird unterdessen an einer "Übergangslösung" gearbeitet. Zumindest für Strickwaren und Hosen soll ein Teil der Quote für 2006 auf 2005 angerechnet werden

Keine Lösung auf Dauer "Wer also zuerst kommt, mahlt zuerst", kommentiert Jürgen Dax die Lage. "Wer also mit seinem Antrag dabei ist, der darf noch ein bisschen Ware vom Schiff runter holen und muss sich die im kommenden Jahr anrechnen lassen." Das gebe der Branche zwar einen kleinen Spielraum, eine Lösung aber sei das auf Dauer nicht.

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