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Kultur

Streit um Polens Weltkriegsmuseum in Danzig

Neubau und Ausstellung sind so gut wie fertig. Doch jetzt findet Polens Regierung, das Museum sei nicht "national" genug. Der Direktor kämpft gegen seine Entlassung - jetzt könnte ein Gerichtsurteil das Museum retten.

Museen 2017 - Museum of the Second World War in Gdańsk (Muzeum1939.pl)

Architektonisch und inhaltlich ein ambitioniertes Projekt: das Weltkriegsmuseum in Danzig

Der Museumsdirektor posierte gerade zu einem Abschiedsfoto. Vor den Toren hatten Fans des Museums einen symbolischen Schlagbaum errichtet; er solle "Angriffe auf Kultureinrichtungen" aufhalten, sagten sie. Da kam plötzlich die gute Nachricht aus dem Gericht in Warschau: Der Direktor muss nicht, wie befürchtet, am 1. Februar seinen Posten räumen, das Museum kann vorerst weiterarbeiten. Dies sind die neusten Szenen in einem zähen Kampf um das repräsentative Museum des Zweiten Weltkriegs in Polen.

In Danzig begann der Zweite Weltkrieg. Gipfeltreffen zur Erinnerung an den Krieg finden stets in der polnischen Hafenstadt an der Ostsee statt. So war es höchste Zeit, fand die polnische Regierung 2008, dort ein großes Museum zu bauen. Damals war der aus Danzig stammende Donald Tusk Regierungschef. Das ist ein Teil des Problems: Die neue, nationalkonservative Regierung stellt das ganze Konzept in Frage, will das fast fertige Museum stark verändern und den Gründungsdirektor nach acht Jahren Arbeit entlassen.

Eine der größten Kulturinvestitionen nach 1989

Dabei hat die Mannschaft um den angesehenen Historiker Paweł Machcewicz ganze Arbeit geleistet. Der für gut 100 Millionen Euro errichtete Neubau ist eine der größten Kulturinvestitionen in Polen seit 1989.

Polen Pawel Weltkriegsmuseum in Danzig (picture alliance/dpa/A. Warzawa)

Museumsdirektor Paweł Machcewicz bei der Grundsteinlegung 2012

Das vom polnischen Architekturbüro "Kwadrat" entworfene, spektakuläre Gebäude ragt in einem Winkel von 56 Grad auf. Die Ausstellung zeigt Erinnerungsstücke vom Kampfpanzer über Familienandenken bis zur Schiffsglocke der 1945 mit Flüchtlingen untergegangenen "Wilhelm Gustloff". Viele Stücke und Leihgaben illustrieren Krieg und Besatzung, Alltag und Widerstand in ganz Europa.

Das Schicksal der Zivilbevölkerung soll im Mittelpunkt stehen, zumal Polen laut Machcewicz im Krieg "fünf Millionen Zivilisten und 200.000 Soldaten verloren" hat. Der Katalog in Polnisch und Englisch liegt bereits vor.

Als das Museum fast fertig war, erhob sich Kritik. Kulturminister Piotr Gliński forderte drei Gutachten an. Diese kamen zu dem Schluss, das "menschliche Unglück" des Krieges werde im Museum zu sehr betont und die "Abhärtung des Menschen" durch den Krieg ausgeblendet. Einer der Gutachter, der konservative Historiker Jan Żaryn schrieb, der Ansatz des Museums Zeuge von "Pseudouniversalismus". Man hätte mehr über Polen und seine "freiheitsliebende", stolze Bevölkerung erzählen sollen. Zugleich sah der Minister bauliche Mängel am Gebäude.

Gericht stoppt Zwangsvereinigung mit dem Westerplatte-Musem

So beschloss Minister Gliński, das Haus mit der ganz neuen, im Vergleich damit winzigen Gedenkstätte auf der Westerplatte zu vereinigen, jenem Ort in Danzig, wo 1939 die ersten Schüsse fielen und polnische Soldaten der Wehrmacht am längsten Widerstand leisteten. Auf diese Weise könnte die Regierung den Gründungsdirektor loswerden und das Museum umgestalten. Ein Warschauer Gericht erließ jedoch zunächst eine einstweilige Verfügung gegen diese Zwangsvereinigung und bestätigte diese Verfügung am Montag. Das Kulturministerium will jedoch in die nächste Instanz gehen.

Die liberal regierte Stadt Danzig, die das Grundstück zur Verfügung stellte, unterstützt die Museumsgründer um Paweł Machcewicz. Nach fast tausend Eingaben von Bürgern hat sich auch Adam Bodnar, Polens amtlicher Sprecher für Bürgerrechte, in den Fall eingeschaltet. Er klagte ebenfalls gegen die Vereinigung der Museen, weil der Minister damit gegen das Gesetz über kulturelle Tätigkeit verstoße: Der hastige Aufbau des Westerplatte-Museums, das sich dann mit dem Weltkriegsmuseum "vereinen" solle, zeuge nicht gerade von sorgsamem Umgang mit Haushaltsmitteln, zu denen die Regierung verpflichtet sei. Das Vorgehen des Ministers sei auch ein unzulässiger Eingriff in die Kompetenzen einer Kommune.

Machcewicz ist nach dem jüngsten Urteil erleichtert. Er will jetzt das Museum rund um den 1. März eröffnen. "Dann kann sich jeder eine Meinung bilden", sagt der streitbare Direktor. Mit einem Urteil zur Sache, das den Streit endgültig klären würde, ist dagegen nach aller Erfahrung erst in zwei bis drei Monaten zu rechnen.

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