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Kultur

Streit um orthodoxes Kirchentreffen

Das geplante erste Konzil der zersplitterten orthodoxen Kirchen seit über einem Jahrtausend steht im Zeichen des Konflikts. Nicht nur Moskau und Sofia haben bereits abgesagt.

Griechenland Kreta Orthodoxen Akademie

Die Orthodoxe Akademie auf Kreta: Hier soll das historische Treffen stattfinden

Der Konflikt im Vorfeld des geplanten orthodoxen Konzils im malerischen Kolymbari auf Kreta zeige, wie tief die Kluft zwischen den orthodoxen Kirchen sei, sagt der griechische Theologe Thanassis Papathanassiou. Weltweit gibt es 14 eigenständige orthodoxe Einzelkirchen.

Das Patriarchat von Russland, der größten orthodoxen Kirche weltweit, sowie die orthodoxen Kirchen Georgiens, Bulgariens und das Assad-treue Patriarchat von Antiochien (Damaskus) sagten ihre Teilnahme am Kirchentreffen ab. Das Patriarchat in Moskau erklärte, der Gipfel drohe, die Orthodoxie zu spalten statt sie zu einen. Patriarch Bartholomäus, Ehrenoberhaupt von bis zu 300 Millionen orthodoxen Christen weltweit, hält bislang trotzdem am geplanten Konzil fest, das am 19. Juni beginnen soll.

Schon im Mai gab es Streitigkeiten im Vorfeld des Konzils wegen der geplanten Sitzordnung: Die slawischen Kirchen waren unzufrieden, dass die griechisch beeinflussten Patriarchate dem Patriarchen von Konstantinopel eine herausragende Sitzposition einräumen wollten.

Thanassis Papathanasiou Theologie-Dozent und Jurist

Der Theologe und Dozent Thanassis Papathanassiou

"Als Einheit denken und handeln"

Es sei bedauernswert, dass die Vertreter der orthodoxen Kirchen sich damit schwertäten, an einem Tisch zu sitzen, um über offene Fragen zu diskutieren, sagt Theologe Thanassis Papathanassiou im Gespräch mit der DW. Die verschiedenen orthodoxen Kirchen seien oft in einer Art Wettbewerb zueinander: "Es geht manchmal um Macht, um Vorherrschaft und mitunter auch um nationale Interessen." Obwohl Papathanassiou unter anderem kritisiert, dass die orthodoxen Gläubigen erst ziemlich spät über das geplante Kirchentreffen informiert worden seien, ist er überzeugt, dass es ein fatales Signal für die Einheit der orthodoxen Kirche wäre, das Konzil abzusagen oder auf unbestimmte Zeit zu verschieben: "Es hat schon in der Vergangenheit Synoden gegeben, an denen nicht alle orthodoxen Kirchen teilnahmen", entgegnet der Theologe all jenen, die ein panorthodoxes Konzil für nicht realisierbar halten, wenn nicht alle eigenständigen orthodoxen Kirchen dabei sind.

"Es ist in erster Linie wichtig, dass sich die Kirchenvertreter treffen, um sich über wichtige Fragen unserer Zeit auszutauschen, die sowohl die Menschen als auch die orthodoxe Kirche selbst beschäftigen", sagt der Theologe. Erstens müsse die orthodoxe Kirche wieder lernen, "als Einheit zu denken und zu handeln". Dialogbereitschaft habe höchste Priorität. Zweitens müsse sich das Konzil einer Art "innerorthodoxem Fundamentalismus" entgegenstellen, der jeglichen Dialog mit den anderen christlichen Kirchen vehement ablehnt, fordert Papathanassiou.

Patriarch Bartholomäus I. (Foto: dpa)

Patriarch Bartholomäus I. wird nach Angaben des Patriarchats von Konstantinopel zum Konzil nach Kreta reisen

Der Theologe erwartet, dass das Panorthodoxe Konzil die guten Beziehungen zur Katholischen und Evangelischen Kirche weiter vertieft und ausbaut. Gleichzeit würde es seiner Meinung nach die Chance bieten, eine ständige Synode aller orthodoxen Kirchen einzurichten, die sich jährlich trifft. Die ersten Versuche, ein orthodoxes Konzil in die Wege zu leiten, gehen zurück bis in die 1960er Jahre. Damals wurden schon einige Bereiche festgelegt, die beim Kirchentreffen auf Kreta im Mittelpunkt stehen sollen. Doch heute seien auch neue Themen wie bioethische Fragen oder das Internet wichtig, meint Papathanassiou. Allerdings könnten zeitgenössische Fragen dieser Art auf Kreta nicht ausdiskutiert werden, denn das Konzil müsse sich erst einmal intensiv mit Themen auseinandersetzen, "die eigentlich selbstverständlich sein sollten": wie etwa einem vertrauensvollen Dialog.

"Fester Platz für Theologen nötig"

Der griechische Theologe meint, dass das Zweite Vatikanische Konzil ein Vorbild für die panorthodoxe Versammlung sein könnte. Papathanassiou sieht jedoch große Unterschiede zum Vatikanischen Konzil, das vor rund 50 Jahren stattfand: "Die Vorbereitung im Vorfeld des Vatikanischen Konzils war beispielhaft. Die Konzil-Dokumente wurden im Vorfeld und nach den jeweiligen Entscheidungen veröffentlicht. Leider sind einige für das Panorthodoxe Konzil geplanten Dokumente schwer aufzufinden." Außerdem wurden im Zweiten Vatikanischen Konzil alternative oder neue theologische Tendenzen vorgetragen, während beim Panorthodoxen Konzil "leider Gläubige und insbesondere Frauen fast überhaupt nicht vertreten sein werden". Zu wenig vertreten seien auch orthodoxe Theologen, die aus der Sicht von Papathanassiou Brücken zu den anderen christlichen Kirchen schlagen und "einen festen Platz in der Struktur der orthodoxen Kirche bekommen sollten".

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