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Europa

Streit um EU-Zölle auf Bananen beendet

Der längste Handelsstreit bei der Welthandelsorganisation (WTO) ist beigelegt worden: Im so genannten "Bananen-Streit" ging es um die EU-Importzölle auf Bananen und andere tropische Früchte.

Mit dem TransFair-Siegel versehene Bananen liegen auf einem Tisch in Köln. (Foto: Jörg Carstensen)

Die Banane: Mittelpunkt eines jahrelangen Streits

Bananen-Produktion in Kolumbien (Foto: dpa)

Die Zölle für Bananen aus Lateinamerika sind jetzt deutlich niedriger

Banane ist nicht gleich Banane. Vielen Verbrauchern mag es zwar egal sein, ob ihre Bananen aus der Karibik oder aus Lateinamerika stammen, doch handelspolitisch gab es darüber seit Jahren großen Streit. Die EU hatte in den vergangenen Jahren vor allem lateinamerikanische Bananen mit Quoten und Zöllen belegt, während Früchte aus den ehemaligen Kolonien in Afrika, der Karibik und pazifischen Ländern (AKP-Staaten) zollfrei nach Europa kamen.

Dagegen klagten vor allem lateinamerikanische Länder vor der Welthandelsorganisation. Da die EU wusste, dass sie etwaige weitere Prozesse verlieren würde, musste ein Kompromiss gefunden werden. Am Dienstag (15.12.2009) schließlich wurde der 13-jährige Streit beigelegt. Danach muss die EU ihre Importzölle für Bananen und andere tropische Früchte aus Lateinamerika deutlich senken: Von zurzeit 176 Euro pro Tonne auf zunächst 148 Euro - bis zum Jahr 2016 dann sogar auf 114 Euro pro Tonne.

Ausgleichszahlungen für AKP-Staaten

Banane (Foto: AP)

Banane ist nicht gleich Banane

Die Gruppe der AKP-Staaten wird rund 200 Millionen Euro als Ausgleich erhalten. So sollen die negativen Folgen der gesunkenen Zölle für die Konkurrenz aus Lateinamerika für Kleinbauern in den ehemaligen europäischen Kolonien abgefedert werden. Diese EU-Gelder sollen über mehrere Jahre veteilt werden. Dass die Zukunft der Kleinbauern in AKP-Staaten damit gerettet ist, glaubt der konservative Europaabgeordnete Daniel Caspary nicht. Aber: "Wir hoffen, dass wir es schaffen, durch diese Entwicklungshilfe Möglichkeiten zu finden, dass der Bananenbauer vielleicht in Zukunft mit anderen Produkten oder Dienstleistungen in seinem Markt oder auch in der Europäischen Union sein Geld verdienen kann."

Die Gewinner des ausgehandelten Deals sind US-Konzerne wie Chiquita, Dole oder Del Monte. Sie können demnächst ihre Waren etwas günstiger auf den europäischen Markt bringen.

Ein Schritt zum freien Welthandel

Frau neben Bananenstaude in Uganda (Foto: DW/Helle Jeppesen)

Die EU plant Ausgleichszahlungen für AKP-Staaten

Im vergangenen Jahr importierte die EU Bananen im Gesamtwert von etwa drei Milliarden Euro. Der liberale Europaabgeordnete Michael Theurer sieht die Zahlungen in die AKP-Staaten bereits als großes Entgegenkommen der EU. Das wichtigste aber sei: "Es ist ein Stück freier Welthandel für die Verbraucher in der Europäischen Union: Wir rechnen hier mit sinkenden Preisen, die Banane wird also tendenziell etwas billiger."

Dabei geht es um einige Cent, die das Kilo Bananen in vielen EU-Staaten günstiger wird. Der Europaabgeordnete Sven Giegold von den Grünen bemängelt derweil die Arbeitsbedingungen in den lateinamerikanischen Großplantagen. Hier würden oft Menschenrechte und Umweltstandards verletzt, kritisiert Giegold die jetzt gefundene Lösung. Er habe gehofft, dass die Zolleinnahmen "wieder für soziale und Umweltprojekte in den Entwicklungsländern verwendet werden. Das ist leider nicht beschlossen worden."

Statt dessen wird es künftig mehr Wettbewerb zwischen den Ländern geben, die Bananen produzieren. Und bei der Welthandelsorganisation geht damit ein 16 lange Jahre dauernder Handelsstreit zu Ende.

Autorin: Susanne Henn
Redaktion: Julia Kuckelkorn/Martin Muno

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