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Fokus Osteuropa

Streit um eine Talsperre in Tadschikistan

Tadschikistan will einen vor Jahren geplanten Stausee fertigstellen. Ein Kraftwerk könnte Strom liefern, auch an die Nachbarländer. Diese fürchten aber, Tadschikistan könnte so die Wasserzufuhr kontrollieren.

Arbeiter an dem Wasserkraftwerk Rogun (Foto: DW)

Arbeiter an dem Wasserkraftwerk Rogun

Die Rogun-Talsperre wird am Fluss Wachsch, einem Nebenfluss des Amudarja, etwa 100 Kilometer nordöstlich der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe errichtet. Der Damm der Talsperre würde der höchste der Welt sein. Ein angeschlossenes Wasserkraftwerk könnte große Gebiete Zentralasiens mit Strom versorgen. Erste Arbeiten an dem Projekt begannen schon zu Sowjetzeiten in den 1970er-Jahren. Tadschikistan bemüht sich heute, den Weiterbau aus eigener Kraft fortzusetzen. Doch die Nachbarstaaten in der Region sind misstrauisch. Sie befürchten, dass Tadschikistan den Wasserfluss im Amudarja, aus dem viele Bewässerungsanlagen gespeist werden, verstärkt kontrollieren könnte.

Karte Zentralasiens (Grafik: DW)

Tadschikistans Nachbarn blicken skeptisch auf den Bau der Talsperre

Einigung mit Turkmenistan?

Die Präsidenten Kasachstans und Usbekistans, Nursultan Nasarbajew und Islam Karimow, sind zwar bereit, sich an dem Bau des Wasserkraftwerkes zu beteiligen, aber sie wollen erst ein internationales Gutachten zu dem Objekt sehen. Ohne eine Expertise dürfe Tadschikistan die Bauarbeiten nicht fortsetzen, sagt Nasarbajew. Im Februar vergangenen Jahres hatte der turkmenische Präsident bereits eine ähnliche Forderung gestellt.

Die tadschikische Führung reagierte bisher nicht auf diese Erklärung der Staatoberhäupter. Präsident Emomali Rahmon sagte nach Gesprächen mit seinem turkmenischen Amtskollegen Gurbanguly Berdymuhammedow, er habe der turkmenischen Seite deutlich gemacht, Tadschikistan werde von seinem Standpunkt nicht abrücken. "Die Nutzung des Wassers schadet anderen Ländern nicht", machte Rahmon deutlich.

Duschanbe: Baustopp ausgeschlossen

Menschen kaufen Aktien des Wasserkraftwerks Rogun (Foto: DW)

Ansturm auf Verkaufspunkt für Aktien des Wasserkraftwerks Rogun im Januar 2010

Trotz der Bedenken aus den Nachbarländern hält Tadschikistan am Bau des Stausees fest. Einen Baustopp würden die Menschen in Tadschikistan nicht verstehen, sagte der tadschikische Präsidentenberater Sajfullo Safarow. "Das ganze Volk hat massenweise Aktien des Objekts erworben und somit Geld in den Bau investiert. Wir können sie nicht enttäuschen, nur weil Usbekistan dagegen ist." Die Menschen würden denken, die Regierung habe ihnen absichtlich Geld abnehmen wollen. "Deswegen gibt es keinen Weg zurück und unsere Nachbarn müssen das begreifen", betonte Safarow.

Tadschikistan könne sich bei seinem Vorhaben auf Verbündete stützen, darunter auf die USA, denn für den Wiederaufbau Afghanistans werde Strom benötigt, sagt der tadschikische Politikexperte Abdulgani Mahmadasimow. Tadschikistan werde wohl mit keinen internationalen Sanktionen rechnen müssen und den Bau des Wasserkraftwerks fortsetzen können.

Autor: Hajrullo Mirsaidow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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