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Europa

Streit um die Wurst

Die Eurovision Song Contest-Siegerin Conchita Wurst tritt heute vor dem Europaparlament in Brüssel auf. Eine Dragqueen in diesem ehrwürdigen Hause? Abgeordnete streiten darüber, ob sie das gut finden sollen.

Ein kurzer Flug nach Brüssel, dann geht sie sich schminken, hält eine Pressekonferenz, singt ein Konzert und reist am Nachmittag nachmittags wieder ab: Conchita Wurst soll im Europaparlament ein Zeichen für Toleranz und gegen Homophobie setzen, doch stattdessen sorgt die Eurovision-Song-Contest-Siegerin vor allem für hitzige Diskussionen. Eingeladen hatte sie die grüne Europapolitikerin Ulrike Lunacek, Abgeordnete aus vier Fraktionen schlossen sich an: die Finnin Sirpa Pietikäinen (EVP), der Italiener Daniele Viotti (Sozialisten) und die Niederländerin Sophie in t‘ Veld (Liberale) und Dennis de Jong (Linke).

Aus Österreich kam überwiegend Applaus für die Aktion, schließlich trat Conchita Wurst mit ihrem Song "Rise Like A Phoenix" für das Land beim Contest an. Doch es gab auch Kritik an der Einladung der Dragqueen, hauptsächlich aus der streng-konservativen Ecke, etwa von den britischen Tories.

Die deutsche Abgeordnete von der "Alternative für Deutschland" (AfD), Beatrix von Storch, sagte, dass dem Konzert zu viel Aufmerksamkeit geschenkt werde: "Wir diskutieren über Herrn Wurst, ein Mann in Frauenkleidern, der singt - mir ist das einfach überbewertet im Vergleich zu den Problemen, die uns tatsächlich begegnen." Ihrer Meinung nach gibt es keinen Grund, für mehr Toleranz zu werben - Homosexuelle würden in der EU ohnehin toleriert: "Wir haben überhaupt kein Problem mehr."

Beatrix von Storch. Foto: DW/K. Kühn

AfD-Abgeordnete von Storch: Probleme von Homosexuellen überbewertet

Die Grüne Ulrike Lunacek kann mit dieser Kritik leben: Sie sei Teil einer Demokratie. Die Mehrheit der Europa-Abgeordneten unterstütze aber die Einladung und die Botschaft. Sie hofft, mit dem Konzert zur Mittagszeit auch jüngere Menschen anzusprechen, die sich normalerweise nicht mit EU-Politik beschäftigen.

Schon häufig waren prominente Besucher im EU-Parlament zu Gast, um für eine Botschaft zu werben: zum Beispiel der kolumbianische Sänger Juanes, der 2006 das Europaparlament in einen Konzertsaal mit klatschenden und schunkelnden Zuhörern verwandelte. Auch der Dalai Lama, die russische Protestband Pussy Riot oder der italienische Schauspieler und Regisseur Roberto Benigni kamen nach Brüssel. Und quasi als Kontrastprogramm zum Konzert der Dragqueen Conchita Wurst erwarten die Abgeordneten Ende November einen anderen Stargast: Dann besucht Papst Franziskus das EU-Parlament.