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Kultur

Streit um die richtige Liebe

Es darf nicht sein: Der Vatikan hat sich in einem Aufruf an Politiker erneut scharf gegen eheähnliche Partnerschaften ausgesprochen. Ebenso scharf fielen die Kritiken des Aufrufs aus.

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Hut ab: Kardinal Joseph Ratzinger (rechts) spricht mal wieder Klartext

Der Vatikan hat seine Kampagne gegen eheähnliche Partnerschaften von Homosexuellen verstärkt. In einem am Donnerstag (31.7.2003) veröffentlichten Dokument der von dem deutschen Kardinal Joseph Ratzinger geleiteten Glaubenskongregation werden katholische Politiker erneut aufgerufen, gegen Gesetze zur Homo-Ehe zu stimmen. Wo sie bereits erlassen worden seien, sollten Politiker ihre Aufhebung anstreben, hieß es. Es handelte sich um den zweiten solchen Appell des Vatikans in diesem Jahr.

Zutiefst unmoralisch

Homoehe

Der 50-jährige Hans Walter Michael, rechts, und sein 46-jähriger Partner Herbert Behrendt präsentieren nach ihrer Verpartnerung im Standesamt in Köln ihre Ringe.

Die Glaubenskongregation rief katholische Politiker in aller Welt auf, solche "zutiefst unmoralischen" Beziehungen nicht zu unterstützen. Es gebe keinerlei Grundlage dafür, Verbindungen von Homosexuellen mit Gottes Willen von Ehe und Familie zu vergleichen, heißt es in dem zwölfseitigen Dokument. "Die Ehe ist heilig, während homosexuelle Handlungen sich gegen das Moralgesetz der Natur richten."

Die Erklärung soll Politikern die Richtung weisen, wenn es beispielsweise um Entscheidungen über die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe geht. Katholische Politiker hätten die moralische Pflicht, sich öffentlich gegen Gesetze stark zu machen, die auf eine Anerkennung homosexueller Partnerschaften zielen. Der Vatikan spricht sich in dem Dokument weiter entschieden dagegen aus, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen. Kindern würde in solchen Fällen Gewalt angetan. Sie seien in ihrer Entwicklung behindert, weil sie weder Mutter noch Vater hätten.

Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Homoehe

Axel Blumenthal, Vorstand im Lesben- und Schwulenverband Deutschlands, links, und der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck, rechts, signalisieren Optimismus vor der Verkündung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Homoehe. Das Karlsruher Gericht wies am Mittwoch, 17. Julil 2002, den Einspruch der unionsgefuehrten Länder Bayern, Sachsen und Thüringen gegen das Lebenspartnerschaft zurück.

In Deutschland können gleichgeschlechtliche Paare seit 2001 eine so genannte Lebenspartnerschaft eingehen, die ihnen eheähnliche Rechte gewährt. In den Niederlanden gibt es eine solche eingetragene Partnerschaft seit 1998; Ende 2000 wurde ein Gesetz verabschiedet, dass die Ehe für Schwule und Lesben öffnet und ihnen auch Adoptionsrechte gewährt. Als zweites europäisches Land hat in diesem Jahr Belgien homosexuelle Partnerschaften der Ehe gleichgestellt, den Paaren die Adoption von Kindern aber verboten. In den USA ist eine Homo-Ehe außer in Vermont grundsätzlich nicht möglich. Erst am Mittwoch (30.7.2003) hatte sich Präsident George W. Bush gegen eine solche Ehe ausgesprochen.

"Trauriges Dokument eines engstirnigen Fanatismus" Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, hat das Vatikan-Papier zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft als ein "trauriges Dokument eines engstirnigen Fanatismus" bezeichnet. "Es ist ein Kardinalfehler, die Liebe zu bekämpfen", sagte Beck. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften hätten einen Anspruch auf Respekt und auf gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung, betonte Beck. "Wenn Rom nun einen Kreuzzug gegen die Bürgerrechte der Lesben und Schwulen startet, ist das ein bedenklicher Schritt zur Selbstisolierung der katholischen Kirche in Deutschland." Er forderte alle demokratischen Politiker auf, den Abbau von Diskriminierungen "jetzt erst recht beherzt anzupacken". Den "fundamentalistischen Ausbruch" des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, bezeichnete Beck als einen "Ausdruck der Schwäche". Er greife die homosexuelle Lebensgemeinschaft an, weil der Vatikan mit der Realität nicht mehr zurecht komme. (sam)

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