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Welt

Streit um das Uran im Iran

Die Gespräche sind vertagt, das Problem bleibt: Der Westen will verhindern, dass der Iran eine Atombombe bauen kann, der Iran will sein ziviles Nuklearprogramm fortsetzen. Worum geht es konkret?

Nutzt der Iran sein ziviles Nuklearprogramm tatsächlich dazu, den Bau einer Atombombe voran zu treiben? Das Land bestreitet solche Absichten seit Jahren, die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland sind anderer Meinung. Wie ist die Faktenlage?

Die iranische Regierung hat 1968 den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Damit hat sich das Land rechtlich verpflichtet, kein militärisches Atomprogramm zu unterhalten. Die Nutzung der Atomkraft zur Energiegewinnung und zu Forschungszwecken steht dem Iran dagegen offen.

Die Kontrolle darüber, ob das Nuklearprogramm auch tatsächlich nur friedlich genutzt wird, liegt bei der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO. Genau geregelt wird das durch ein sogenanntes Safeguards-Abkommen, das im Falle Irans seit 1974 in Kraft ist. Wie weit die Befugnisse der IAEO gehen, ist aber immer wieder Thema von Auseinandersetzungen.

Umstrittene Anreicherung

AKW in Buschehr (Foto: Atta Kenare/AFP/Getty Images)

Das erste und einzige AKW des Iran ging 2011 ans Netz

Bisher ist im Iran nur ein einziges Atomkraftwerk am Netz, das mit einem russischen Reaktor betrieben wird. Es steht in Buschehr am Persischen Golf. Zusätzlich gibt es aber eine Reihe weiterer Atomanlagen im Land. Nicht alle dieser Anlagen legte der Iran von Beginn an offen, was auf Seiten des Westens zu Misstrauen und Sanktionen führte.

Die Anlagen nutzt der Iran nach eigenen Angaben dazu, durch den Einsatz von Zentrifugen Uran anzureichern. Dabei wird der Anteil von spaltbarem Material erhöht, das macht natürlich vorkommendes Uran zum Beispiel effizienter. Das Uran kann im Anschluss zur Stromerzeugung verwendet werden. Dafür ist eine Anreicherung auf fünf Prozent notwendig. Und genau darum dreht sich das Problem.

Um Uran für eine gängige Atombombe zu nutzen, wäre eine Anreicherung auf bis zu 90 Prozent notwendig. Solche Bestände gibt es nach bisherigen Kenntnissen im Iran nicht. In einer Anlage in Fordo südlich von Teheran wird ein Teil des Uran aber auf bis zu 20 Prozent angereichert. Dieses höher angereicherte Uran wird in einem kleinen Forschungsreaktor in der Hauptstadt verwendet - laut iranischer Führung zu medizinischen Zwecken. Die Staatengemeinschaft befürchtet aber, dass der Schritt zu einer noch höheren Anreicherung nicht mehr weit sei.

Gefahr durch Plutonium

Prof. Dr. Wolfgang Liebert, Institute of Safety/Security and Risk Sciences (ISR), University of Natural Resources and Applied Life Sciences (Foto: privat) Rechte: Privat Angeliefert von Marcus Lütticke am 10.11.2013

Atomexperte Wolfgang Liebert: "Der Iran muss verlorenes Vertrauen zurückgewinnen"

Die technischen Möglichkeiten dazu hat der Iran, meinen Experten. "Diese Anlagen sind auch geeignet, hochangereichertes Uran für Waffenzwecke zu produzieren", sagt Wolfgang Liebert, Physiker vom Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Universität für Bodenkultur in Wien.

Neben der Urananreicherung gibt es jedoch auch einen weiteren Weg zur Atombombe, und zwar durch Plutonium. Dieses fällt in sogenannten Schwerwasser-Reaktoren an. Ein solcher Reaktor ist zurzeit in Arak, etwa 200 Kilometer süd-westlich von Teheran, im Bau. Bei den Verhandlungen in Genf ging es auch um einen Baustopp des Reaktors. Vor allem Frankreich bestand dem Vernehmen nach darauf. Darin könnte einer der Schlüsselpunkte zu einer künftigen Einigung liegen.

Bremser bei der Einigung

Otfried Nassauer, Leiter des Berlin Information-Center for Transatlantic Security, glaubt nicht, dass es zu einer schnellen Übereinkunft kommen wird. Denn neben den direkten Verhandlungspartnern würde Israel im Hintergrund mit aller Macht versuchen, eine Einigung zu verhindern. "Ohne das iranische Atomprogramm müssen sich die Israelis auf einen enormen Druck gefasst machen, dass man auch über ihre Atomwaffen redet." Der israelische Wirtschaftsminister Naftali Bennett kündigte bereits an, er werde bei US-Kongressmitgliedern eine Kampagne gegen die angestrebte Einigung starten.

Aber auch in den Ländern, die mit am Verhandlungstisch sitzen, gibt es Widerstände gegen eine rasche Lösung. "Es gibt immer noch einflussreiche Kräfte im Iran, die einem solchen Verständigungskurs sehr kritisch oder gar ablehnend gegenüber stehen, genauso in den USA und teilweise in Frankreich", meint Oliver Meier von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Von daher sei es wichtig, dass alle Seiten gesichtswahrend und mit Erfolgen aus den Verhandlungen treten könnten.

Um dem moderat auftretenden iranischen Präsidenten Rohani den Rücken zu stärken, könnte der Westen Zugeständnisse bei den bestehenden Wirtschaftssanktionen gegen den Iran machen. Außerdem könnten blockierte Gelder auf ausländischen Konten freigegeben werden. Die nächste Verhandlungsrunde in Genf ist für den 20. November angesetzt.

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