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Bücher

Streit um antisemitische Veröffentlichung in Frankreich

Louis-Ferdinand Céline galt als großer Schriftsteller und Genie. Doch er war auch Rassist und Antisemit. Eine geplante Neuauflage der Hetzschriften des 1961 verstorbenen Autors sorgt für heftige Debatten in Frankreich.

Das renommierte Verlagshaus Gallimard will gleich drei antisemitische Pamphlete des französischen Autors Louis-Ferdinand Céline gesammelt in einem Buch veröffentlichen: Die Schriften "Bagatelles pour un massacre" ("Kleinigkeiten für ein Massaker"), "L'École des cadavres" ("Die Schule der Leichen") und "Les Beaux Draps" ("Schöner Schlamassel") stammen alle aus den 1930er Jahren.

Der Rechtsanwalt und Aktivist Serge Klarsfeld, der sich für die Familien der im Zweiten Weltkrieg deportierten französischen Juden einsetzt, fordert vom Verlag, die antisemitsichen Publikationen zu stoppen. Auch Frédéric Potier, Frankreichs Regierungsbeauftragter für den Kampf gegen Rassismus, zeigt sich alarmiert. Er warnte das Verlagshaus bereits im Dezember 2017 vor den Risiken einer Veröffentlichung.

Frankreichs Premierminister Édouard Philippe plädiert nun für eine kommentierte Ausgabe. Er habe "keine Angst" vor der Veröffentlichung, sagte er in einem Interview mit der Wochenzeitung "Journal du Dimanche". Allerdings müssten die Texte "sorgfältig begleitet" werden. Es gebe "gute Gründe", den Menschen Céline zu "hassen", so Philippe, die zentrale Position des Autors in der französischen Literatur könne aber nicht geleugnet werden.

"Unversöhnlich wütende Sprache" 

Céline gehört zu den wichtigsten und umstrittensten französischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Am bekanntesten ist sein Roman "Reise ans Ende der Nacht" aus dem Jahr 1932. Das Buch sei "ein wilder Aufschrei gegen die Verkommenheit einer Welt, die alle ihre Rechnungen auf Kosten der Armen begleicht, einer Welt, in der Hass und Niedertracht regieren", heißt es im Klappentext, und weiter: "Kein anderer Roman räumt so radikal mit dem schönen Schein des Bürgertums auf; vor Celine hat kein Autor eine so unversöhnlich wütende Sprache gefunden."

Neben "Reise ans Ende der Nacht" gehören "Guignol's Band I/II" und "Tod auf Kredit" zu Célines bekanntesten Werken. Bevor er als Romancier und Essayist bekannt wurde, war er Armenarzt in der Pariser Vorstadt.

Als Céline 1961 starb, schrieb die Tageszeitung "Paris-Jour": "Er war für die ganze Welt der größte französische Schriftsteller seit Proust." Unvergessen blieb aber auch immer die Tatsache, dass Louis-Ferdinand Céline während der deutschen Besatzung mit den Nazis kollaborierte und geradezu fanatisch gegen Juden hetzte. Schon 1937 erklärte er offen seine Sympathie für Hitler, und zwar mit dem Argument, dass es ihm lieber sei, "von einem Deutschen erschossen als von einem Juden verblödet" zu werden. 

Diese Art von Äußerungen soll nach dem Willen der Familien der Holocaust-Opfer auch nicht in einer kommentierten Fassung erscheinen.

suc/gri (dpa, Rowohlt)

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