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Kultur

Streit um Anselm Kiefer-Ausstellung in China

Zum ersten Mal zeigt ein chinesisches Museum Werke von Anselm Kiefer. Doch der berühmte Künstler distanziert sich von der Ausstellung, die eine deutsche Kuratorin eingerichtet hat. Warum?

Deutsche Kunst wird immer beliebter im Reich der Mitte, auch die des 71-jährigen Malers und Bildhauers Anselm Kiefer. "Als einer der einflussreichsten deutschen Neo-Expressionisten hat Kiefer viele chinesische Künstler inspiriert", schreibt Museumskurator Fan Di'an stolz auf der Internetseite des Pekinger CAFA Art Museum. Es ist die Kiefer-Premiere in China. Doch was der Kunstexperte nicht thematisiert: Die am Wochenende eröffnete Schau fand ohne jede Beteiligung Kiefers statt. Der Künstler sei nicht einmal gefragt worden, lässt sein Galerist Thaddaeus Ropac ausrichten.

Ropac erhebt denn auch schwere Vorwürfe gegen die deutsche Kuratorin der Pekinger Ausstellung, Beate Reifenscheid. Die Direktorin des städtischen Ludwig Museums in Koblenz habe sich weder bei Kiefer noch bei seiner Galerie um Zusammenarbeit bemüht, so Ropac zur Deutschen Welle. Stattdessen habe Reifenscheid jegliches Gespräch über ihr Ausstellungsvorhaben in China abgeblockt.

Am Anfang Anselm Kiefer in Bonn (picture-alliance/dpa)

Die Arbeiten von Kiefer, hier seine Skulptur "Merkaba" in einer Ausstellung in Bonn, werden in China sehr geschätzt

Lange mussten Kunstinteressierte in China auf die erste Kiefer-Präsentation warten. Wenn die Pekinger Schau, die in einer ersten Pressemitteilung des CAFA noch als große Retrospektive angekündigt war, jetzt lediglich Kiefer-Werke aus einer deutschen Privatsammlung zeige, sei das unseriös, so Ropac zur DW: "Das ist kein Querschnitt von Kiefers Arbeit. Das geht an der Wichtigkeit des Oeuvres vorbei." Das Museum sei in eine Falle getappt, als ihm vorgespiegelt wurde, die Schau würde im Einvernehmen mit dem Künstler organisiert. "Das chinesische Museum", sagt der Galerist, "tut mir sehr leid."

Fragwürdige Ausstellungsvorbereitung

Kuratorin Beate Reifenscheid, die auch als Gastprofessorin an der chinesischen Tianjin Academy of Fine Arts gelehrt hat, verteidigt sich. "Ich kann nur betonen, dass ich ein wunderbares Projekt für China realisiert habe", so die Kunstexpertin in einem Interview mit dem Südwestrundfunk (SWR). Natürlich habe ein Kurator das Recht, eine Ausstellung auch ohne den Künstler zu realisieren. Sie habe "mit mehreren Personen über mehrere Monate hinweg immer wieder Kontakt gehabt", betont sie. Namen nennen will sie nicht.

Anselm Kiefer Flash-Galerie Sun Ship (AP)

Museumsreife Arbeiten von Anselm Kiefer, hier "Falling Star" im Pariser Grand Palais

Rätselhaft bleibt auch die Rolle der Hamburger Firma Bell Art GmbH, die hinter der Ausstellung steht. Offenbar fädelte die Firma Bell Art das Zusammenspiel zwischen chinesischem Museum, Sammlerin und Kuratorin ein und sorgte für bindende Vertragsabschlüsse. Das Unternehmen betreibt in Peking ein Zollfreilager, wie der SWR berichtet, verfolge also kommerzielle Interessen. Reifenscheid werde auf der Homepage als "Hauptkuratorin" geführt. Nachfragen bei Bell Art laufen ins Leere – das Telefon ist abgeschaltet, die Website lädt nicht.

Auch Beate Reifenscheid, die sich als Kunsthistorikerin schwerpunktmäßig mit "Ausstellungswesen und Verbindungen der zeitgenössischen Kunst zwischen Europa und China" beschäftigt, reagiert nicht auf Interviewanfragen der DW.

Eckart Köhne Direktor des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe (picture-alliance/dpa/U. Deck)

Verteidigt die Kuratorin Beate Reifenscheid: Museumsbund-Chef Eckart Köhne

Schützenhilfe erhält sie vom Präsidenten des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne. Er könne zwar Kiefers Unmut verstehen, so Köhne zur DW, jedoch müsse sich ein Kurator gegen jeden Einfluss von außen verteidigen. Natürlich hätten viele Sammler ein Interesse, ihre Konvolute an Museen auszuleihen, weil es die Kunstwerke nobilitiere und im Wert steigen lässt. Eine Ausstellung mit dem Segen des Künstlers sei gewiss wirkungsvoller.

In China, so schreibt der SWR, sei schon berichtet worden, die Exponate der Ausstellung könnten auch erworben werden. Der Verkauf einzelner Werke im Anschluss an eine Ausstellung ist – laut Köhne – durchaus nicht unüblich, zumal die Arbeiten aus einer Privatsammlung stammten. Möglich, dass die Pekinger Ausstellungsmacher etwas anderes im Sinn hatten, als sie die Kiefer-Schau "Coagulation" tauften. Das ist Lateinisch und heißt so viel wie "ausflocken, gerinnen".

 

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