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Kultur

Streit in Dosen

Wenn Politik den Supermarkt erreicht, ist Streit vorprogrammiert. Die Frage lautet: Was ist besser für Wirtschaft und Umwelt: Dosen- oder Flaschenbier? Entschieden wird dieser Lagerkampf wohl erst nach der Wahl.

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Das Dosenpfand soll 25 Cent betragen

Bisher musste man in Deutschland auf Getränkedosen kein Pfand bezahlen. Und das obwohl es schon seit 1991 eine Pfandpflicht für so genannte Einweg-Getränkeverpackungen gibt. Das sind Verpackungen, die nach einmaligem Gebrauch auf dem Müll landen und nicht in den Handel zurückgehen.

Doch der damalige Umweltminister Klaus Töpfer hatte sich mit der Industrie auf Selbstverpflichtung geeinigt: solange 72 Prozent von Getränken wie Bier, Wein und Mineralwasser in Mehrweg-Getränkeverpackungen abgefüllt würden, sollte die Pfandpflicht entfallen. Seit 1997 hat die Industrie diese Abmachung gebrochen und deshalb soll Deutschland es nach dem Willen der Bundesregierung den Schweden nachmachen: Ab dem 1. Januar 2003 soll auf Getränkedosen und andere Einwegverpackungen Pfand erhoben werden.

Dagegen klagen 40 große Brauereien, Handelsunternehmen und Dosenhersteller. Obwohl das Bundesverfassungsgericht die Klage abwies, hatten die Kläger doch Erfolg: das Verwaltungsgericht in Nordrhein-Westfalen gab ihnen Recht vor kurzem Recht, und deshalb wird es zumindest in Deutschlands größtem Bundesland vorerst kein Dosenpfand geben.

Kleinere und mittelständische Betriebe fordern jedoch die Einführung des Dosenpfandes. Sie haben in den vergangenen Jahren in Mehrwegsysteme investiert und könnten andernfalls durch die billigere Dosenkonkurrenz aus dem Geschäft gedrängt werden.

Mehr Mehrweg

Herr der Dosen

Bundesumweltminister Jürgen Trittin will an den Plänen der Bundesregierung für das umstrittene Dosenpfand trotz des Widerstands im Bundesrat festhalten. Der Bundesrat hatte heute beschlossen, die Abstimmung über die Regierungspläne auf seine nächste Sitzung am 13. Juli zu vertagen. Mit dem Dosenpfand soll ein Mindestanteil an ökologisch vorteilhaften Verpackungen gesichert und zugleich die Vermüllung der Landschaft gestoppt werden soll.

Das Dosenpfand soll das Mehrwegsystem stützen. Es soll für Abfüller, Handel und Verbraucher ein Anreiz sein, auf dieses System umzustellen. Wenn Dosen nicht mehr billiger sind und genau wie Mehrweg-Flaschen zum Supermarkt zurückgebracht werden müssen, um das Pfand einzulösen, würden wieder verstärkt Mehrwegverpackungen gekauft, so das Bundesumweltministerium.

Um das Dosenpfand zu beurteilen, sind zwei Fragen zu beantworten: Wird der Verbraucher wegen des Dosenpfandes verstärkt Mehrwegverpackungen kaufen? Sind Mehrweg-Flaschen ökologisch sinnvoller als Dosen?

Die Kontrahenten

Lutz Klewer von der Abteilung für Umweltschutz der Internationalen Handelskammer (IHK) ist froh, dass das Dosenpfand vorläufig gestoppt ist. Denn die Begründung für das Pfand - das Mehrwegsystem stützen zu wollen, sei eine rein ideologische: "Dosen sind nicht umweltschädlicher als Flaschen. Das Dosenpfand bringt keinen Umweltschutz", sagte er im Gespräch mit DW-WORLD. "Es geht ausschließlich darum, den deutschen Markt abzuschotten." Denn der Handel mit dem Ausland würde eingeschränkt, wenn Dosen nicht mehr rentabel seien. "Die kleinen Verbände unterstützen das Dosenpfand nur, weil sie sich die teueren Dosenabfüllanlagen nicht leisten können", erklärt Klewer. "Das hat mit Umweltschutz nichts zu tun."

Roland Demleitner vom Verband mittelständischer Privatbrauereien in Bayern ärgert sich über diese Aussage. Im Gespräch mit DW-WORLD sagt er: "Wir haben seit 1991 aus ökologischer Überzeugung in unsere Mehrwertsystem investiert." Das Vertrauen darauf, dass die Politik ein Dosenpfand einführen werde, dürfe jetzt nicht enttäuscht werden. Dosen sind umweltschädlicher, es sei unverantwortlich, dass die IHK dies bestreite. Die Privatbrauereien fordern seit Jahren die Einführung von Dosenpfand.

Modell Schweden

Schweden Flagge

Schweden Flagge

Weltweit zahlt man Einwegpfand auf Dosen in Schweden, Norwegen und Finnland. Auch in den USA berechnen 10 Staaten Dosenpfand. Schweden erhebt bereits seit 1984 ein Pfand auf Dosen und gilt deshalb als Vorreiter. DW-WORLD sprach mit Jan Remberg von der Firma Retupack, die für das Mehrwegsystem verantwortlich ist. Er erklärt, dass hinter dem Dosenpfand in Schweden ein grundlegend anderer Gedanke stecke, als in Deutschland. Es gehe nicht darum, die Anzahl der verbrauchten Dosen zu senken. "Uns ging es darum, einen Recycling-Kreislauf aufzubauen", sagt er. "Aluminium Dosen sind das perfekte Produkt für Wiederverwertung, besser als Glas", so Remberg. "Deshalb ist unser System so erfolgreich: wir bekämpfen den Müll, passen uns dem Verlangen der Konsumer nach den leichten Dosen an und schützen die Umwelt", sagt Remberg.

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