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Wirtschaft

Streit auf dem virtuellen Flohmarkt

Das Online-Auktionshaus Ebay ändert Gebührenstruktur und Bewertungssystem – und die Verkäufer toben, starten auf YouTube Boykottaufrufe und drohen, zu anderen Anbietern zu wechseln. Alles halb so wild, sagt Ebay.

Menschen vor einer Wand mit dem Ebay-Logo, Quelle: AP

Unter Ebay-Nutzern ist es vorbei mit der Harmonie

"Streik!" Eine geballte Faust ragt gen Himmel. Protest regt sich - virtuell, auf der Videoplattform YouTube. Dort haben amerikanische Ebay-Händler einen Boykott-Aufruf gestartet. Mehr als 100.000 Nutzer haben sich das Video bereits angesehen. Vom 18. bis 25. Februar soll auf Ebay nicht gehandelt werden, fordern die Händler. Denn am Mittwoch (20.2.2008) treten auf dem Online-Marktplatz einige Neuerungen in Kraft. Nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Und auch deutsche Händler haben angekündigt, sich dem Boykott anzuschließen.

Screenshot eines Aufrufs zum Boykott von Ebay auf YouTube (Quelle: DW)

Keine Macht für Ebay: auf YouTube rufen Händler zum Boykott auf

"Es gab Diskussionen, aber das sind wir gewohnt, das finden wir auch ganz wichtig", gibt sich Ebay Deutschland diplomatisch. Schließlich ginge es nur darum, die Qualität auf dem Marktplatz zu sichern. "Es ist uns wichtig, dass wir zufriedene Käufer haben", sagt Pressesprecherin Maike Fuest. Die könnten sich über das neue System nicht beklagen. Manche Händler jedoch laufen Sturm.

Die Konkurrenz wächst

Stein des Anstoßes ist eine geplante Änderung der Bewertungskriterien. Die ist allerdings erst für den Sommer vorgesehen. Was im Februar schon in Kraft tritt, ist eine Änderung der Gebührenstruktur. Artikel zum Verkauf anzubieten, wird billiger, dafür steigt die Provision. Und sogenannte Powerseller, also Anbieter, die besonders viel verkaufen, können mit Nachlässen bei der Provision rechnen.

Vergleiche man die neue Gebührenstruktur mit der alten, so bleibe pro Transaktion weniger Geld bei Ebay, so das Auktionshaus. Ebay will durch geringere Einstellgebühren neue Händler anlocken. Und die hat das Unternehmen dringend nötig. Denn die Konkurrenz wächst, seit auch Unternehmen wie Amazon ihre Portale für Verkäufer von außen öffnen. Der Nutzer ist also nicht mehr nur auf Ebay angewiesen.

Für viel größeren Aufruhr als die Gebühren sorgt allerdings die geplante Änderung des Bewertungssystems. Das ist eigentlich Herzstück des Portals. Jedes Mal, wenn ein Fernseher, T-Shirt oder Buch seinen Besitzer gewechselt hat, bewerten sich Käufer und Verkäufer gegenseitig. Positiv, wenn alles gut geklappt hat, negativ, wenn das nicht der Fall war. Das soll für Vertrauen und Transparenz sorgen.

"Typisch amerikanisch"

Doch mit der Gerechtigkeit ist es bald vorbei, fürchten vor allem die Verkäufer. "Ein großer Fehler, den sich eBay mit dem neuen Bewertungssystem leistet. Man fragt sich wirklich: Was soll das Ganze? Und wünscht sich gleichzeitig, der Schuss möge gründlich nach hinten losgehen! Logisch und zugleich typisch, dass eine solche Sache mal wieder in Amerika ausgebrütet wurde", beschwert sich ein Händler mit dem Pseudonym "watches-and-fashion" im Diskussionsforum des deutschen Ebay-Portals. Denn ab voraussichtlich Juni dürfen Verkäufer die Käufer nicht mehr negativ bewerten. Umgekehrt geht das aber nach wie vor.

Dreilinden (Brandenburg): Die deutsche Geschäftszentrale von Ebay (Foto: dpa)

Bei Ebay Deutschland glaubt man nicht, dass die Boykott-Aufrufe dem Unternehmen schaden

Ebay will damit die sogenannten Rachebewertungen verhindern, bei denen schlecht bewertete Verkäufer im Gegenzug auch dem Käufer schleche Noten ausgestellt haben – selbst wenn es nichts zu beanstanden gab. Die hätten sich in den vergangenen Jahren vervierfacht. Damit ginge ihnen jede Handhabe gegen nicht zahlende Kunden verloren, beschweren sich nicht wenige der rund 14,5 Millionen deutschen Ebay-Mitglieder. Stimmt gar nicht, sagt Ebay. Man würde konsequent einschreiten, wenn Beschwerden vorliegen, dass ein Käufer nicht zahlt. "Wir werden ihn ausschließen und für den Marktplatz sperren", beteuert Maike Fuest. "Das sind die härtesten Sanktionen, die wir aussprechen können." Außerdem plane das Unternehmen eine Reihe weiterer Maßnahmen, wenn Käufer gegen Regeln verstoßen.

Auf Wiedersehen, Flohmarkt

Doch auch das hat nur eine geringe Wirkung, vermuten einige Händler. Denn die Käufer könnten sich einfach unter neuem Namen einen neuen Account anlegen. "Bewertet wird sonst auf der Welt eigentlich immer derjenige, der eine Dienstleistung erbringt, nicht der Käufer", gibt Fuest zu Bedenken. "Ich glaube, dass wir damit auch mehr die Realität abbilden."

Nicht alle Händler kritisieren das neue System. "Als Käufer bekomme ich die Ware nur gegen Vorkasse mit zuvor gezahlten Versandgebühren. Sollte der Käufer nicht zahlen, hat der Verkäufer nur einen Nachteil: Er muß bei Ebay Meldung machen, damit er keine Verkaufsprovision zu zahlen braucht, denn die Ware hat er nach wie vor", meint der User mit dem Pseudonym "arm-und-schoen" im Ebay-Forum. Also heißt es abwarten, wie das Gros der Mitglieder auf die Änderungen reagieren wird. So richtig klappen will es zumindest mit dem angekündigten Boykott noch nicht. Allein in der Kategorie "Audio und HiFi" wurden zum Beispiel am Dienstag mehr als 10.000 neue Angebote eingestellt.

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