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Aktuell Amerika

Streit über Südstaaten-Flagge

Nach dem Massaker von Charleston gehen erneut tausende Menschen auf die Straße. Gegen Rassismus, Gewalt - und gegen eine Flagge, die all das symbolisieren soll.

"Nehmt die Flagge runter" - Zahlreiche Demonstranten haben vor dem Parlament von South Carolina gefordert, die Flagge der Konföderierten des amerikanischen Bürgerkriegs abzuhängen. Nach der rassistischen Bluttat in einer Kirche in Charleston ist in den USA ein Streit über die Südstaaten-Flagge entbrannt. Sie sei ein Symbol von Hass und Unterdrückung, kritisieren die Protestanten.

Der Auslöser der Proteste: Nach dem Massaker in Charleston waren die US-Flagge und die Flagge des Staates South Carolina vor dem Parlament in Columbia auf Halbmast gesetzt worden - nicht aber die rote Südstaaten-Flagge mit dem blauen Sternenkreuz. Dazu hätte das Parlament von South Carolina seine Zustimmung geben müssen, lautete die offizielle Begründung.

Symbol für Unterdrückung oder Tradition?

Schon seit Jahrzehnten ist die Flagge mit dem blauen Kreuz und den 13 Sternen in den USA heftig umstritten. Die Sterne stehen für die Staaten, die sich 1861 von Washington losgesagt hatten, weil sie an der Sklaverei festhalten wollten. In einem blutigen Bürgerkrieg unterlagen diese "Konföderierten" allerdings vier Jahre später der "Union" der Regierungstreuen.

Gegner kritisieren, die Flagge stehe für Sklaverei und Unterdrückung. Anhänger argumentieren, sie repräsentiere das Erbe und die Tradition der Südstaaten. Bei Rassisten und Rechtsradikalen ist sie ein beliebtes Symbol. So benutzen sie zum Beispiel Anhänger des rassistischen Ku-Klux-Klans.

Verständnis von Obama

Mit den Morden von Charleston ist die Debatte um die Südstaaten-Flagge neu entfacht. "Wir können uns nicht länger leisten, diese Flagge hier stehen zu lassen", sagte die 95-jährige Aktivistin Sarah Leverette vor dem Parlament von South Carolina. Die Fahne sei ein Leuchtsignal für diejenigen, die "bösen Überzeugungen" verhaftet blieben.

In den Reihen der Politik stößt die Kritik offenbar auf Verständnis. So schrieb der ehemalige republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney auf Twitter: "Es ist Zeit, die Flagge in South Carolina abzuhängen." Darauf reagierte US-Präsident Barack Obama: "Ein wichtiger Hinweis, Mitt", schrieb er.

Rassistisches Manifest

Offenbar war auch der Attentäter von Charleston, Dylann R., ein Verfechter der Südstaaten-Flagge. Im Internet tauchten Fotos auf, die den 21-jährigen mit der Flagge zeigen. Auf anderen verbrennt er das Sternenbanner, die Nationalflagge der USA. US-Medien waren auf eine

rassistische Internetseite

gestoßen, die dem Anschein nach von dem Attentäter betrieben wurde. Darauf befinden sich neben den Fotos vor allem rassistische Äußerungen gegen Juden und Afroamerikaner. In dem als Manifest bezeichneten rassistischen Pamphlet heißt es: "Ich habe keine Wahl. Jemand muss den Mut haben, es in der wirklichen Welt zu tun und ich schätze, dass ich das sein muss." Ob die Internetseite tatsächlich von Dylann R. betrieben wurde, sei Gegenstand von Ermittlungen, teilten die Polizei in Charleston und die Bundespolizei FBI mit.

Bluttat von Charleston

Dylann R., ein Amerikaner weißer Hautfarbe, soll am Mittwoch

in einer Methodistenkirche in Charleston

neun Afroamerikaner erschossen haben. Er habe rassistische Sprüche von sich gegeben und dann das Feuer eröffnet, berichtete eine Überlebende. Das Justizministerium und das FBI ermitteln wegen des Verdachts auf ein "Verbrechen des Hasses" und "heimischen Terrorismus".

nin/uh (dpa, afp)