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Sprachbar

Streik

Immer mal wieder geht gar nichts mehr. Die Bänder stehen still genau wie die Busse, und auch der Müll bleibt stehen. Spätestens dann merkt man: Die Tarifparteien konnten sich wohl mal wieder nicht einigen.

Bei der Vielzahl von Wörtern, die manchmal unnötigerweise aus dem Englischen ins Deutsche übernommen wurden, kann es inzwischen passieren, dass die Sprachgrenzen verschwimmen. Was heute salopp als Denglisch bezeichnet wird – das modische Mischmasch aus Deutsch und Englisch – hat sich im 19. Jahrhundert bereits etabliert.

Strike – die Mutter aller Streiks

Ein Beispiel dafür ist das Wort Streik. Entlehnt ist es aus dem neuenglischen strike. Ohne e vor dem i, aber dafür mit einem am Ende. Zunächst bedeutete es schlagen, veränderte die Bedeutung aber dann in die Arbeit einstellen. Vorbild war wahrscheinlich die Seemannssprache. Denn dort wurde beim Einholen des Segels gerufen: Strike sail!

Unser Wort Streik hat also englische Wurzeln. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die englische Arbeiterbewegung kannte als die älteste der Welt die organisierte Arbeitsniederlegung als erste. To strike work hieß nichts anderes, als die Arbeit niederlegen. Man konnte sich dabei auch bildlich gut vorstellen, wie die Arbeiter das Werkstück samt dem Werkzeug auf die Werkbank niederlegten.

Der Weg ins Grundgesetz

In Deutschland verbreitete sich das Wort Streik mit der Lohnbewegung ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr. Besonders um 1865 und vor allem während des Leipziger Buchdruckerstreiks wird Streik und Streik machen als Begriff populär und geht in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. In Gesetzestexten und der offiziellen Sprachregelung wird das Wort allerdings gemieden. So ist beispielsweise in der Gewerbeordnung des Deutschen Reiches noch im Jahr 1900 von Einstellung der Arbeit die Rede.

Heute ist Streik in Deutschland ein Wort, das untrennbar mit Arbeitskampf verbunden ist. Das Recht auf Streik, das Streikrecht, ist im Artikel 9 des Grundgesetzes verankert. Streik bedeutet allgemein die planmäßige und gemeinsame Arbeitsniederlegung mit dem Ziel, Forderungen durchzusetzen.

Jede Menge Streiks

Es gibt viele Arten von Streiks. Der umfassendste und auch politisch bedeutendste ist der Generalstreik. Nichts geht mehr. Dagegen sind Warnstreiks geradezu harmlos. Sie sollen ja auch dem Tarifpartner auf der anderen Seite, den Arbeitgebern, lediglich signalisieren, dass man sich schleunigst an einen Tisch setzen sollte, damit der Arbeitsfrieden nicht schwerwiegend gefährdet wird und ein richtiger Streik gar nicht erst aufgerufen wird. Dies ist ohnehin nur möglich, wenn die gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer dem Streik in einer Urabstimmung zustimmen – normalerweise müssen dies 75 Prozent sein.

Dann beginnen die Streikaktionen, die sehr unterschiedlich und branchentypisch sein können. Beim Bummelstreik geht einfach alles nervtötend langsam, ebenso wenn Dienst nach Vorschrift gemacht wird, was die peinlich genaue Befolgung oft aberwitziger Vorschriften bedeutet. So kam es einmal vor, dass Postangestellte bei jeder Leerung die Briefkästen mit einer Art Staubtuch reinigten.

Unbeliebte Streikbrecher

Dem Aufruf zum Streik muss der organisierte Arbeitnehmer nicht folgen. Wer will, geht trotz Streik zur Arbeit. Allerdings muss er oder sie dann an den Streikposten vorbei, die schon nachfragen, weshalb und wieso der Kollege oder die Kollegin sich als Streikbrecher betätigt. Allerdings dürfen Streikposten Streikbrecher nicht daran hindern, trotz des ausgerufenen Streiks zur Arbeit zu gehen. Übrigens: Wer streikt, darf nach geltendem Recht nicht entlassen werden, und wer nicht streikt, darf von den Streikenden nicht diskriminiert werden.

Fragen zum Text

Das Wort Streik verbreitete sich in Deutschland …

1. ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

2. nach dem Zweiten Weltkrieg.

3. seit dem Jahr 1900.

Die größte Wirkung erzielt der …

1. Bummelstreik.

2. Warnstreik.

3. Generalstreik.

Der Begriff Dienst nach Vorschrift bedeutet ..

1. die Weigerung von Arbeitnehmern, an einem Streik teilzunehmen.

2. der Entscheidung eines Gerichts, den Streik zu untersagen.

3. das peinlich genaue Beachten von häufig unsinnigen Regeln.

Arbeitsauftrag

Führen Sie in Ihrer Gruppe eine Diskussion über Vor- und Nachteile eines Streiks. Beauftragen Sie ein Gruppenmitglied, ein Protokoll zu führen. Tragen Sie anschließend alle protokollierten Diskussionspunkte zusammen und verfassen Sie gemeinsam ein Resümee der Diskussion.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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