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Wirtschaft

Streik kommt Air France-KLM teuer zu stehen

Der Einbruch war befürchtet und absehbar. Der lange Pilotenstreik im Herbst hat Air France-KLM Hunderte Millionen Euro gekostet. Und die Nachwehen halten an.

Der zwei Wochen lange Pilotenstreik verhagelt der französisch-niederländischen Fluggesellschaft Air France-KLM die Geschäfte. Der operative Gewinn brach im dritten Quartal um über 60 Prozent auf 247 Millionen Euro ein, wie der zweitgrößte Luftfahrt-Konzern Europas am Mittwoch mitteilte. Der massive Ausstand der Air-France-Flugzeugführer, die sich gegen den Ausbau einer Billigtochter wehrten, riss ein großes Loch in die Bilanz. Der Umsatz von Juli bis September ging um 6,7 Prozent auf rund 6,7 Milliarden Euro zurück, der Gewinn um ein Drittel auf 100 Millionen Euro. Der Streik im September hat den Lufthansa-Konkurrenten schätzungsweise 330 Millionen Euro gekostet; die Zahl der Passagiere sank demnach um fast 16 Prozent.

Es sei damit zu rechnen, dass sich der Streik auch auf das vierte Quartal auswirken werden - mit einem Rückgang der Buchungen, betonte Finanzchef Pierre-François Riolacci. Der Ausstand sei zum "schlechtesten Zeitpunkt" gekommen: In der Eurozone komme die Konjunktur nicht in Gang, und die Konkurrenz sei groß. Insgesamt könnte der Streik und seine Folgen Air France auf das Jahr gesehen eine halbe Milliarde Euro kosten, hatte das Unternehmen mitgeteilt.

Kostensenkung aber kein Stellenabbau

Angesichts dieser Entwicklung werde sich das Luftfahrtunternehmen weiter um Kostensenkungen bemühen, kündigte der Finanzdirektor an. Informationen der niederländischen Presse, nach denen 7.500 Stellen abgebaut werden könnten, wies Riolacci jedoch entschieden zurück.

"Es gibt keine drastischen Notfallmaßnahmen, die angekündigt werden müssten", sagte Riolacci. Allerdings werde das Marktumfeld auch im vierten Quartal schwierig bleiben, unter anderem wegen des Ebola-Ausbruchs in Westafrika. Wegen des Gewinneinbruchs ist der bisherige Ausblick für dieses Jahr nicht mehr zu halten: Die Airline erwartet nunmehr noch 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro Betriebsergebnis.

Konkurrenz der Billigflieger drückt

Passagiere besteigen Ryanair-Flugzeug, Foto: afp

Die Luft wird dünn: Billigflieger sind große Konkurrenz

Air France kämpft wie viele ehemalige Staats-Fluglinien gegen rasch expandierende Billig-Airlines wie Ryanair oder Easyjet. Um angesichts der Konkurrenz mithalten zu können, treibt die Konzernführung den Ausbau des eigenen Günstig-Ablegers Transavia voran. Gegen die Pläne gingen die Piloten jedoch auf die Barrikaden - mit Erfolg. Neue Transavia-Flieger werden nicht wie geplant in ganz Europa an den Start gehen, sondern nur in Frankreich.

Endgültig beigelegt ist der Konflikt aber noch nicht, da an dem ausformulierten Tarifvertrag noch gefeilt wird. Nach Aussage von Luftfahrt-Analyst Robin Byde von Cantor Fitzgerald hat Air France-KLM noch mehr Baustellen als nur die Piloten. "Unsere eigentliche Sorge ist, dass drei von vier Geschäftsfeldern der Gruppe weiterhin 'strukturelle' Probleme haben." Dabei handle es sich um das Passagiergeschäft auf der Kurz- und Langstrecke sowie die Frachtsparte.

Ähnlich wie bei Air France ist der Arbeitskampf bei der Lufthansa gelagert - auch dort kämpfen die Piloten hinter den Kulissen vor allem gegen von der Konzernführung geplante Billig-Airlines. Offiziell gehst es ihnen aber um ihre Altersversorgung. Die Kranich-Linie will am Donnerstag ihre Quartalszahlen vorstellen, Rivale British Airways-Iberia folgt einen Tag später. Neben den Belastungen durch Streiks dürfte die Airline-Branche aber auch Rückenwind bekommen, da die Kerosinpreise stark gesunken sind. Noch im Juni kostete ein Barrel Öl 116 Dollar - seitdem purzelte der Preis auf zwischenzeitlich gut 82 Dollar, ein Minus von 30 Prozent.

iw/wen (rtrd, afp, dpa)

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