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Afrika

Streik in Ebola-Krankenhäusern polarisiert Liberia

Im Kampf gegen Ebola riskieren Liberias Krankenpfleger und Ärzte täglich ihr Leben. Sie fordern bessere Absicherung. Ihre Gewerkschaft hat zum Streik aufgerufen und damit eine Kontroverse ausgelöst.

Ein Streik liberianischer Krankenhausmitarbeiter sorgt für Ärger in dem schwer von der Ebola-Epidemie betroffenen Land. Der Nationale Verband der Mitarbeiter im Gesundheitswesen (NHWA) hat die mit Ebolapatienten befassten Pflegekräfte aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Die Bezahlung und Schutz der Pflegekräfte seien nicht der tödlichen Gefahr angemessen, der sie sich täglich aussetzten. Der Aufruf stößt jedoch auf Kritik selbst aus den Reihen der Krankenpfleger und Verbandsmitglieder, von denen einige ihre Arbeit fortsetzen.

Das westafrikanische Liberia ist das von der

Ebola-Epidemie

am stärksten betroffene Land. Mehr als 2300 Menschen hat das Virus dort in den vergangenen Monaten das Leben gekostet. Mitarbeiter in den Krankenhäusern und Gesundheitszentren seien besonders gefährdet, sagte NHWA-Verbandschef George Poe Williams. "Es ist offensichtlich, dass die Mitarbeiter im Kampf gegen Ebola nicht ausreichend geschützt sind", sagte Williams der DW. "Einige von uns sind gestorben. Ihre Hinterbliebenen bekommen keine Unterstützung von der Regierung." Am Montag (13.10.2014) rief Williams einen nationalen Streik aus. Seine Forderung: Eine bessere Versicherung der Mitarbeiter und die Erhöhung der Gefahrenzulagen von derzeit 500 auf 700 US-Dollar.

Das Krankenhausgebäude des Redemption Hospitals in Monrovia Foto: EPA/AHMED JALLANZO

Trotz Streik wird im im Redemption Hospital weiter gearbeitet

Empörte Bevölkerung

Der Streikaufruf kommt zu einer Zeit, in der Liberias Krankenhäuser mit der Versorgung von Ebola-Patienten hoffnungslos überfordert sind. Das Gesundheitssystem galt schon vor Ausbruch der Epidemie als eines der schlechtesten in der Region. Laut einer Statistik der UN gibt es dort im Schnitt einen Arzt für 100.000 Einwohner. Dementsprechend empört reagierten Passanten in Liberias Hauptstadt Monrovia gegenüber der DW. "Schon jetzt sind wir in einer Situation, in der Kranke keinen Platz mehr finden", klagt ein Passant dem DW-Reporter. Er fürchtet, dass die Zahl der Toten aufgrund des Streiks zunehmen werde. Eine andere Passantin verweist auf den hippokratischen Eid der Ärzte und Krankenpfleger. "Ich denke, sie sollten jetzt ihren Eid erfüllen", fordert sie.

Ein Zelt mit der Aufschrift Unicef ZOOM DOSSO/AFP

Liberia ist dringend auf internationale Hilfe angewiesen

Auch Krankenpfleger teilen diese Meinung. James Gbatah etwa hat sich entschieden, trotz aller Probleme weiterzuarbeiten im Redemption Hospital, einem Krankenhaus in einem stark bevölkerten Randbezirk Monrovias, das über ein eigenes Ebola-Behandlungszentrum verfügt. "Ich bin nur deswegen hier, weil meine Brüder und Schwestern hier sterben", erklärt Gbatah der DW. "Wir können nicht einfach die Haltung der Regierung gegenüber den Mitarbeitern kritisieren und unsere Mitmenschen sterben lassen."

Verständnis fürs Anliegen - Kritik an der Methode

Entrüstet über den Streikaufruf zeigte sich Gesundheitsminister Walter Gwenigale. Die Pfleger seinen bereit, ihre Landsleute "für ein paar Dollar im Stich zu lassen", sagte Gwenigale der DW. Er drohte am Dienstag allen streikenden Mitarbeitern mit der Kündigung.

Anthony Banbury, Vorsitzender der UNO-Sondermission UNMEER, bei einer Pressekonferenz Foto: imago/Xinhua

UNMEER-Chef Anthony Banbury

Verständnis für den Unmut der Krankenhausmitarbeiter dagegen zeigte im

DW-Interview

Anthony Banbury, der Leiter der UN-Mission für den Kampf gegen Ebola (UNMEER). Es wäre zwar "verheerend" für den Kampf gegen Ebola, sollten sie tatsächlich dem Streikaufruf folgen. Doch die internationale Gemeinschaft stehe in der Pflicht, sicherzustellen, dass diejenigen, die im Kampf gegen Ebola an der Front stehen, bezahlt würden, so Banbury: "Das ist das Mindeste, was wir tun können. Ebenso wie sicherzustellen, dass sie die notwenige Ausrüstung bekommen, um sich bei der Arbeit zu schützen." Die UN-Mission sei ihrerseits darum bemüht, eine angemessene Bezahlung nicht nur für Mitarbeiter im Gesundheitsdienst, sondern ebenso für Bestattungshelfer sicherzustellen, sagte Banbury der DW.

Das liberianische Netzwerk zur Unterstützung von Gesundheit (HPNL), ein Zusammenschluss von Gesundheits-Journalisten, betonte am Montag gegenüber der privaten Tageszeitung "Daily Observer" zwar seine Wertschätzung für die Arbeit der Krankenpfleger. Doch nicht ein Streik, sondern nur ein Dialog mit der Regierung könne zu einer Lösung führen, sagte der Koordinator der Gruppe, Victor Seah.

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