1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Streichen

Wurst kann man streichen und Geld auch. Brotaufstrich kann man sich dann vielleicht nicht mehr leisten. Aber auf der Parkbank sitzen, das kann einem niemand nehmen. Es sei denn, die Bank ist frisch gestrichen.

"Vorsicht! Frisch gestrichen!" Diese Warnung finden wir dort, wo der Maler eben etwas mit Farbe oder Lack gestrichen hat. Könnte sein, dass noch nicht alles trocken ist. Und wenn man dann mit den neuen Frühjahrsklamotten am Geländer entlang streift oder sich gar auf die frisch gestrichene Parkbank setzen will, um ein paar Minuten in die Frühjahrssonne zu blinzeln, dann ist man angeschmiert und hat Farbflecken an den Kleidern, die sich erfahrungsgemäß nur schwer entfernen lassen.

Angeschmiert

Etwas, was gerade eben gestrichen wurde, muss aber nicht unbedingt mit Verschönerungsarbeiten zu tun haben. Auch so abstrakte Dinge wie Feiertagszuschläge und das Weihnachtsgeld können gestrichen werden.

Das Wort streichen bietet mehr, als man denkt. Von Frisch gestrichen! über das Streichholz, das Streichorchester bis zur Streichwurst haben wir mehr als eine Handvoll Bedeutungen und Begriffe.

Der Rest ist gestrichen

Zunächst zum Wort streichen selbst. Ziehen wir das Lexikon heran. Dort heißt es: Bei transitivem Gebrauch bleibt das Objekt entweder in Ruhe – wie zum Beispiel das Kleid glattstreichen, die Geige streichen. Oder das Objekt wird bewegt – Butter aufs Brot, den Brei durch ein Sieb streichen, Geld einstreichen.

Das Erstaunliche dieser staubtrockenen Feststellung zum Verb streichen ist, dass sie stimmt. Machen wir die Probe aufs Exempel. Der Maler oder Anstreicher – wie er auch genannt wird – streicht mit dem Pinsel und natürlich der Farbe das Balkongeländer. Das Objekt bleibt in Ruhe. Versuche, statt des Farbpinsels das Balkongeländer zu bewegen, wären nicht nur ungleich schwieriger, sondern würden auch die Sache mit dem transitiven Gebrauch über den Haufen werfen und jeden streichenden Maler in den Wahnsinn treiben.

Streichfeste Wurst

Es kommt also auf das Objekt an, das wir streichen. Bei der Streichwurst bewegen wir gewissermaßen mit einem Messer die Wurst über die Brotscheibe, die sich in aller Regel nicht bewegt. Dies bedeutet: Wir streichen das Objekt – die Wurst – auf das Brot und bekommen so eine mit Wurst bestrichene Brotscheibe. Sie können denselben Versuch zum Beispiel auch mit Butter, Käse, Marmelade, oder Margarine machen und werden zum gleichen Ergebnis kommen.

Manchmal kann es jedoch sein, dass so eine mit Wurst, Käse, Marmelade, Butter oder Margarine bestrichene Brotscheibe Opfer der Schwerkraft wird. Sie rutscht vom Teller, Frühstücksbrett oder schlichtweg aus der Hand und landet auf dem Fußboden. Dann ist man ziemlich angeschmiert, weil man putzen muss!

Einfach weggestrichen

Bei alledem dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass etwas, um es streichen zu können, auch streichfähig sein muss. Bei Wurst, Käse, Marmelade, Butter oder Margarine ist das kein Problem. Bei gesalzener Butter auch nicht. Aber wie ist es mit dem Geld? Auch das kann gestrichen werden.

Wir erinnern uns an unsere Definition: "Bei transitivem Gebrauch bleibt das Objekt entweder in Ruhe, oder es wird bewegt". Geld einstreichen heißt zunächst einmal, dass es von da nach dort gelangt. Einer gibt, der andere nimmt – er streicht ein, seinen Lohn zum Beispiel. Richtig unangenehm wird es jedoch, wenn einfach weggestrichen wird. Ersatzlos. Erst sehr viel später fällt auf, dass an der falschen Stelle gestrichen wurde. Was wäre ein Orchester zum Beispiel ohne seine Streicher – die Geigen, Bratschen, Kontrabässe?

Gestrichene Segel

Für heute streichen wir die Segel – wir sind wir fast am Ende – und nennen unsere Streichungen: Da haben wir das Streichholz und den Landstreicher. Aber so ist das zu bestimmten Zeiten. Streichen, kürzen, sparen!

Fragen zum Text

Die Warnung "Vorsicht! Frisch gestrichen!" findet man, wenn …

1. ein Brot mit Wurst bestrichen wurde.

2. ein Maler gerade etwas mit Farbe gestrichen hat.

3. Gelder gestrichen wurden.

Wenn Geld gestrichen wird, …

1. bekommt es eine neue Farbe.

2. streicht man es auf Brot.

3. steht es nicht mehr zur Verfügung.

Ein Landstreicher ist …

1. ein anderes Wort für einen Maler.

2. jemand, der keinen festen Wohnsitz hat.

3. jemand, der Landkarten erstellt.

Arbeitsauftrag

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Landstreicher und würden einiges erleben. Schreiben Sie eine fiktive Geschichte von einem möglichen Erlebnis, einer möglichen Begegnung oder etwas Ähnlichem.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads