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Asien

Strebt Ban Ki Moon nach Präsidentenamt?

Von Südkoreas Medien wird die Reise des UN-Generalsekretärs in sein Heimatland bereits als Wahlkampfstrategie gedeutet. Die Opposition zeigt sich verunsichert und geht in die Offensive.

Zum Ende seines fünftägigen Südkorea-Besuchs sind die dortigen Medien vor allem mit einer Frage beschäftigt: Tritt der scheidende UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei der nächsten Präsidentschaftswahl im Dezember 2017 an? Seine Amtszeit bei den Vereinten Nationen läuft Ende des Jahres aus, also genau dann, wenn in Südkorea der Wahlkampf der Präsidentschaftskandidaten anfängt.

Ban Ki Moon hatte schon vor seiner Südkorea-Reise angekündigt, die Gerüchte nicht weiter kommentieren zu wollen. Dennoch haben seine vagen Äußerungen bei den jüngsten Presseterminen die Spekulationen weiter befeuert: "Mit nächstem Januar werde ich wieder koreanischer Staatsbürger sein. Was ich danach vorhabe, werde ich auch in Hinblick auf die hohen Erwartungen entscheiden, die die Leute an mich haben", sagte Ban auf der südkoreanischen Insel Jeju, wo er eine Konferenz eröffnete. Ebenso fügte er an, mit seinen 71 Jahren nicht zu alt für eine mögliche Kandidatur zu sein.

Oppositionsführer Moon Jae-in beim Wahlkampf für die Präsidentschaft 2012 (Foto: Reuters)

Oppositionsführer Moon Jae-in beim (erfolglosen) Wahlkampf für die Präsidentschaft 2012. Er hätte es 2017 schwer mit Ban Ki-moon als Gegner.

Ban Ki Moon in Umfragen vorn

Bei einem Blick auf die aktuellen Titelseiten der südkoreanischen Tageszeitungen erhält man den Eindruck, als ob die Präsidentschaftskandidatur Ban Ki Moons bereits beschlossene Sache wäre: "Hat der UN-Chef schon mit seinem Wahlkampf begonnen?", schreibt etwa die "Korea Times". Die Schlagzeile der konservativen "Joongang Ilbo" lautet: "Ban Ki-moon führt Wählerumfragen an." Tatsächlich genießt niemand unter den potenziellen Präsidentschaftskandidaten Südkoreas derart hohe Sympathiewerte. Laut einer von "Joongang Ilbo"durchgeführten Umfrage vom Wochenende würden über 28 Prozent aller Befragten Ban Ki Moon ihre Stimme geben. Die Kandidaten der zwei linksgerichteten Oppositionsparteien, Moon Jae-in und Ahn Cheol-su, folgen weit abgeschlagen mit rund 16 beziehungsweise zwölf Prozent.

Für den UN-Generalsekretär, der bereits auf eine 46-jährige Diplomatenkarriere zurückblicken kann, wäre es nicht der erste politische Posten: Bereits zwischen 2004 und 2006 diente er unter Präsident Roh Moo-hyun als parteiloser Außenminister. Dieses Mal jedoch scheint die Saenuri-Partei von Präsidentin Park Geun Hye, die kein zweites Mal antreten darf, großes Interesse an dem UN-Vorsitzenden zu haben. Vergangene Woche wurde Ban vom Saenuri-Abgeordneten Ahn Hong-joon während eines Radiointerviews in den höchsten Tönen gelobt: "Für Südkorea wird es endlich Zeit, Ban gut einzusetzen", meinte er vielsagend. Die Saenuri-Partei hatte bei Parlamentswahlen im April die Mehrheit im Abgeordnetenhaus verloren.

"Wenn Ban Ki Moon die letzte Hoffnung für die Saenuri-Partei sein sollte, dann hat sie ein echtes Problem, schließlich ist Ban die Verkörperung eines konturlosen Bürokraten", meint Politikwissenschaftler Robert E. Kelly von der Pusan National University. Auch die britische Zeitschrift "The Economist" stellte Ban Ki Moon ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus: Er sei "uneloquent", "unflexibel" und "der ödeste Generalsekretär" in der über 70-jährigen Geschichte der Organisation.

Südkorea Joachim Gauck erhält die Ehrenbürgerurkunde der Stadt Seoul durch Bürgermeister Park Won-soon (Foto: picture-alliance/dpa/J. Heon-Kyun)

Seouls Bürgermeister Park Won-soon (r., mit Bundespräsident Gauck 2015 in Seoul) kritisiert Bans Päsidentschaftsambitionen

Symbolfigur für Südkoreas Status

In seinem Heimatland wird Ban jedoch weiterhin mit großem Stolz verehrt. Sein Werdegang vom bitterarmen Nachkriegskind, das sich mit Almosen von US-Soldaten über Wasser hielt und nun eine weltweite Organisation mit über 44.000 Angestellten führt, verkörpert das neue Selbstbewusstsein der Südkoreaner. Politisch wird ihm diplomatisches Geschick im Umgang mit Nordkorea zugetraut, zu dem das Verhältnis derzeit mehr denn je festgefahren scheint. Ebenso könnte er die tiefen ideologischen Barrieren in der Parteienlandschaft überwinden. Dabei könnte ihm sein Herkunftsort helfen: Die Provinz Chungcheongbuk-do gilt als Übergang zwischen dem linksgerichteten Südwesten des Landes und der konservativen Festung im Südosten.

Innerhalb der Opposition wurde eine mögliche Kandidatur Bans bereits heftig kritisiert. Seouls Bürgermeister Park Won Soon, der ebenfalls als Mitbewerber gilt, sagte während eines Radiointerviews, es sei "unangebracht" für einen UN-Generalsekretär, unmittelbar nach seiner Amtszeit direkt als Staatsoberhaupt zu kandidieren. Sein Parteikollege Lee Jong-kul mahnte Ban Ki Moon gar, dass sein politisches Erbe "vor die Hunde gehen würde", sollte er für die Regierungspartei als Präsidentschaftkandidat antreten.

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