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Wirtschaft

Strauss-Kahn aus U-Haft entlassen

Dominique Strauss-Kahn hat das Gefängnis verlassen. Der Ex-IWF-Chef, der in New York wegen versuchter Vergewaltigung angeklagt ist, steht aber unter Hausarrest. Die Suche nach einem Nachfolger geht weiter.

Dominique Strauss-Kahn (Foto: AP)

Dominique Strauss-Kahn

Unter strengen Auflagen ist der ehemalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Strauss-Kahn sei einer Sicherheitsfirma übergeben worden, die für seine Überwachung zuständig ist, sagte ein Sprecher der Gefängnisinsel Rikers Island in New York am Freitag (20.05.2011, Ortszeit). Er steht nun unter Hausarrest.

Der 62-jährige Franzose ist in New York der versuchten Vergewaltigung angeklagt. Er soll vergangenen Samstag in einem New Yorker Luxushotel ein Zimmermädchen sexuell genötigt haben. Für seine vorläufige Haftentlassung musste er eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar (700.000 Euro) sowie Bürgschaften in Höhe von fünf Millionen Dollar hinterlegen.

Kaution und Haftauflagen

Zeitungsleser (Foto: dpa)

Die Verhaftung von Dominique Strauss-Kahn beschäftigte auch die französische Presse

Strauss-Kahn muss sich nun an strenge Auflagen halten. Er musste alle Reisedokumente abgeben und darf die Wohnung nur für Arzt-Besuche, für den Gang zur Kirche, für Anwaltsbesuche oder Gerichtstermine verlassen. Das muss jedoch jedes Mal mindestens sechs Stunden vorher angemeldet werden. Mindestens ein bewaffneter Wächter muss ihn rund um die Uhr bewachen, auf seine Wohnung sind Videokameras gerichtet. Den zuständigen Sicherheitsdienst muss Strauss-Kahn selbst bezahlen.

Auf Anordnung des Gerichts wurde Strauss-Kahn nach seiner Entlassung zunächst in eine Wohnung der Sicherheitsfirma gebracht. Seine Frau Anne Sinclair hatte zwar zwei Wohnungen in der Upper East Side angemietet, doch dahin konnte der wegen des Verfahrens zurückgetretene IWF-Chef nicht, weil sich Nachbarn über den Medienrummel beschwert hatten.

Kandidatensuche

Christine Lagarde (Foto: ap)

Nächste IWF-Chefin? Christine Lagarde

Der Internationale Währungsfonds veröffentlichte am Freitag, wie hoch die Abfindung für Strauss-Kahn ist. Medienberichte darüber seien "schwer übertrieben", kritisierte der IWF, tatsächlich erhalte dieser 250.000 Dollar (176.000 Euro) Abfindung. Als Direktor des IWF hat Strauss-Kahn ein steuerfreies Gehalt von rund 420.000 Dollar im Jahr erhalten sowie eine Zulage von gut 75.000 Dollar für die hohen Lebenshaltungskosten an seinem Dienstsitz, der US-Hauptstadt Washington.

Unterdessen geht die Suche nach einem Nachfolger für Dominique Strauss-Kahn weiter. Bis zum 30. Juni will der IWF einen neuen Direktor gefunden haben. Traditionell wird der Posten mit einem Europäer besetzt, aber Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien machen inzwischen auch Ansprüche geltend. "Die Zeit ist längst vorbei, in der es auch nur entfernt hätte angemessen sein können, diesen wichtigen Posten für einen Europäer zu reservieren", schrieb Brasiliens Finanzminister Guido Mantega in einem Brief an die Gruppe der 20 wichtigsten Schwellen- und Industrieländer (G20).

US-Regierung zögert

Trotzdem suchen die europäischen IWF-Mitglieder einen gemeinsamen Kandidaten. Derzeit läuft alles auf Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde hinaus. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) signalisierte ihre Unterstützung für deren Kandidatur. Einige der als Kandidaten gehandelten Europäer sagten unterdessen ab. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, steht nicht zur Verfügung, ebensowenig der türkische Ex-Finanzminister Kemal Dervis. Auch der frühere britische Premier Gordon Brown will nicht kandidieren.

US-Finanzminister Timothy Geithner sagte, die USA würden einen Kandidaten unterstützen, der von den Fonds-Mitgliedern "breite Unterstützung" erhält. Die US-Regierung verhandelt derzeit mit den Schwellenländern über die Neubesetzung, was laut Beobachtern darauf hindeuten könnte, dass die Vereinigten Staaten nicht automatisch den Kandidaten Europas unterstützen werden.

Autor: Dirk Eckert (afp, dpa, rtr)

Redaktion: Rolf Breuch

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