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Wirtschaft

Strategiewechsel bei der Deutschen Telekom

Die Deutsche Telekom verliert rasant mit hohen Gewinnmargen verbundene Umsätze in Deutschland. Im Ausland gewinnt die Telekom dagegen deutlich an Umsatz, aber der ist zumeist mit niedrigeren Margen verbunden.

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke, gibt Gewinnwarnung aus

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, über dessen berufliche Zukunft bereits Spekulationen umgehen, will angesichts dieser Entwicklung nicht resignieren, sondern die Ärmel hochkrempeln. Doch erst einmal musste Ricke am Donnerstag (10.8.) die Prognosen für Umsatz und Gewinn für dieses und das kommende Jahr zurücknehmen, worauf die Telekom-Aktie an der Börse unter Druck geriet. Und dies, obwohl Ricke den Aktionären eine Dividende "zumindest" auf Vorjahreshöhe von 72 Cent pro Aktie in Aussicht stellte.

Kein Wachstum mehr im Inland

Im ersten Halbjahr haben die Festnetzsparte T-Com, die Mobilfunktochter T-Mobile sowie die Geschäftskundensparte T-Systems in Deutschland Umsatzrückgänge von insgesamt vier Prozent auf 16,3 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Im Gegensatz dazu stiegen die Umsätze der Auslandsgesellschaften um 13,5 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro. Für Ricke ist klar, "dass der Konzern im Inland nicht mehr wächst".

Die bisherige Strategie, mit erhöhten Markt- und Marketing-Investitionen ein deutliches Wachstum erreichen zu können, stößt in Deutschland an Grenzen. Ricke will künftig einen anderen Weg gehen, nämlich die Sicherung des mittel- und langfristigen Cash-Flows zur Messgröße für den Unternehmenserfolg machen.

Deutliche Preissenkungen angekündigt

Telekom mit schwacher Halbjahresbilanz

Deutsche Telekom muss Wachstumserwartungen korrigieren

Natürlich will die Telekom noch stärker als bislang ihre Marktanteile und Umsätze im Inland verteidigen - mit deutlichen Preissenkungen und einfacheren, klaren Preisstrukturen. Gleichzeitig sollen mit neuen Produkten und mit verbessertem Service Kunden gehalten und neue Kunden gewonnen werden. Doch Tatsache ist: Europas größter Telekommunikationskonzern verliert pro Monat in der Festnetzsparte über 150 000 Anschlüsse, im ersten Halbjahr insgesamt eine Million.

Eine der Antworten darauf ist der beschleunigte Personalabbau. In drei Jahren sollen mehr als 30.000 Beschäftigte den Konzern verlassen. Darüber hinaus will die Telekom ihre Investitionen im laufenden Jahr von zehn auf neun Milliarden Euro reduzieren und sie stärker als bislang auf Rationalisierung und damit auf die Verbesserung der Kostenstruktur konzentrieren.

Telekom-Chef setzt auf Mobilfunk

Relativ erfreulich ist die Entwicklung der Mobilfunktochter T-Mobile. T-Mobile konnte im ersten Halbjahr den Umsatz auf elf Prozent steigern und 3,6 Millionen neue Kunden gewinnen. Aber auch da das gleiche Bild wie im Gesamtkonzern: Bei T-Mobile Deutschland ist der Umsatz zurückgegangen, nicht zuletzt weil die deutschen Mobilfunkpreise angesichts des harten Wettbewerbs um 13 Prozent gesunken sind. In Amerika ist eine Delle bei der Anwerbung von Neukunden gerade überwunden worden; jetzt stehen Ausgaben in Milliardenhöhe im Rahmen einer Aktion für neue Lizenzen an.

Ricke setzt auf den Mobilfunk, auch wenn der zunehmend das Festnetz kannibalisiert. Mobil telefonieren, surfen und downloaden soll noch attraktiver werden - durch neue Services und Dienste wie echtes breitbandiges Internet auf dem Handy, mobile music, mobile tv und video. Zum anderen sollen die Preise weiter gesenkt werden, um zusätzliche Kunden anzulocken.

Unter dem Druck der Geldgeber, darunter seit April auch ein großer angelsächsischer "Heuschrecken"-Fonds, will Ricke die Wirtschaftlichkeit der Telekom, die im ersten Halbjahr einen Konzernüberschuss von rund zwei Milliarden Euro erzielt hat, verbessern. Ein Strategiewechsel ist angesagt. Alle Geschäftsvorgänge sollen darauf überprüft werden, ob sie zu diesem Ziel beitragen. Den Kapitalgebern garantierte der Telekom-Chef solides Cash-Management und eine attraktive Dividende, den Kunden niedrigere Preise, einfachere Tarifstrukturen, innovative Produkte und besseren Service. Mit den verbleibenden Mitarbeitern will Ricke "gemeinsam an der Zukunftsfähigkeit unserer Deutschen Telekom arbeiten".

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