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Deutschland

Strategien gegen Neonazis im Netz

Immer mehr rechtsextremistische Propaganda taucht im Internet auf. Dagegen will die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam mit anderen Organisationen vorgehen, natürlich mit Hilfe des Internets.

Auf einem Computer-Monitor sind die Internetseiten der NPD und des sozialen Netzwerks Facebook zu sehen. (Foto: dpa)

Rechtsextremisten sind im Internet auf dem Vormarsch. Fast 1900 Websites und noch weitaus mehr Texte und Spots in Communitys wie Facebook und auf Video-Plattformen wie YouTube zählte die 1997 von den Jugendministern der Bundesländer gegründete Organisation "jugendschutz.net". Die Zahl der neonazistischen Netzwerke habe sich binnen Jahresfrist auf 90 verdreifacht, bilanziert der Leiter des Arbeitsbereiches Rechtsextremismus, Stefan Glaser. Allein von der rechtsextremistischen NPD, die in zwei deutschen Landesparlamenten vertreten ist, registrierte Glaser in diesem Jahr weit über 200 Netz-Angebote.

Stefan Glaser, Leiter des Bereichs Rechtsextremismus bei jugendschutz.net (Foto: dpa)

Stefan Glaser

Die Stoßrichtung der Inhalte ist immer gleich: fremdenfeindlich, antisemitisch, rassistisch. Dabei bedienen sich die braunen Hass-Prediger unterschiedlichster Methoden. Mal werden bekannte Volks- und Kinderlieder zu neonazistischen Songs umgedichtet, mal wird unverhohlen zu Gewalt aufgerufen. Bis zu 10.000 User greifen nach Erkenntnissen von "jugendschutz.net" täglich auf Neonazi-Blogs und Download-Plattformen zu. Wer die Nutzer sind oder welche Wirkung die virtuellen Hass-Angebote haben, darüber gebe es keine Untersuchungen, sagt Stefan Glaser.

Der braunen Flut begegnen

Um vor allem jugendliche Internet-Surfer für die Begegnung mit rechtsextremistischer Propaganda zu sensibilisieren, hat "jugendschutz.net" gemeinsam mit der Online-Beratung gegen Rechtsextremismus einen Video-Clip produziert. Motto: "Wir sind online. Damit Neonazis offline gehen."

In vier von fünf Fällen gelingt es "jugendschutz.net", neonazistische Inhalte aus dem Internet zu verbannen. Am erfolgreichsten sei man, wenn die Provider direkt auf Neonazi-Inhalte hingewiesen würden, freut sich Stefan Glaser über den Erfolg seiner Strategie. Weil zwei Drittel der im strafrechtlichen Sinne unzulässigen Seiten auf Servern im Ausland liegen, ist "jugendschutz.net" international vernetzt - Kooperationen gibt es mit 18 Ländern.

"Wenn wir also beispielsweise einen Fall haben, bei dem der Provider in Ungarn oder Rumänien sitzt und wir deshalb nicht rankommen, kontaktieren wir unseren Partner vor Ort", beschreibt Glaser die grenzübergreifende Zusammenarbeit. So können Sprach-Barrieren überwunden werden, und der Kontakt zur Polizei, wenn er denn nötig sein sollte, fällt auch leichter.

Online-Beratung für Hilfesuchende

Screenshot einer Seite, mit der jugendschutz.net gegen rechte Propaganda im Netz vorgeht (Foto: jugendschutz.net)

jugendschutz.net geht gegen rechte Propaganda im Netz vor

Ein weiteres Angebot im Kampf gegen Neonazismus ist die von dem Diplom-Pädagogen Martin Ziegenhagen geleitete Online-Beratung gegen Rechtsextremismus. Menschen aus allen Lebensbereichen würden sich melden, wenn sie Rat und Hilfe suchen, weil sie Probleme mit Neonazis in der Schule, bei der Arbeit und vor allem in der Familie hätten. So gibt es beispielsweise einen geschlossenen Chatroom für Eltern, deren Kinder auf die schiefe Bahn geraten sind. Die Online-Beratung könne aber nur Teil einer im idealen Fall erfolgreichen Umkehr sein, meint Martin Ziegenhagen.

In einem Fall sei es gelungen, dass ein Jugendlicher nach über zwei Jahren aus der NPD ausgetreten ist, freut sich Ziegenhagen über den Erfolg seiner Bemühungen. "Dass die Mutter des Jungen sich immer wieder mit dem Thema beschäftigt hat und mit ihrem Sohn in Kontakt stand, das ist schon ein Stück weit auf die Online-Beratung zurückzuführen."

Krügers Appell an die Netz-Community

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, hofft, dass der Kampf gegen Neonazis im Netz künftig engagierter geführt wird. Da gebe es noch eine Menge Potenzial. "Vor allem von der Netz-Community, die sich gegen Zugangssperren engagiert, wünsche ich mir ein Stück mehr Kraft und Kreativität. Demonstrationen gegen die NPD sollten nicht nur auf der Straße stattfinden, sondern mit virtuellen Mitteln auch im weltweiten Netz, meint Krüger.

Autor: Marcel Fürstenau
Redaktion: Hartmut Lüning