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Politik

Strategie des Grauens

Die bisher unbekannte "Armee Palästinas" soll für die Anschläge in Mombasa die Verantwortung tragen. Vieles spricht allerdings für eine Tat der Al-Kaida. Peter Philipp kommentiert.

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Anschläge wie die von Mombasa gehören seit vielen Jahren nicht mehr zum "Repertoire" palästinensischer Terrorgruppen, die einst Flugzeuge entführten – unter anderem ins benachbarte Uganda. Diese Angriffe jetzt tragen doch sehr deutlich die Handschrift von Al-Kaida, dem Terror-Netzwerk Osama Bin Ladens, das auch ein Jahr nach seiner vermeintlichen Zerschlagung in Afghanistan ungestört weiter zu agieren scheint.

Waren die Angriffe des 11. September noch gegen Ziele mit großer Symbolkraft gerichtet – das World Trade Center und das Pentagon – so betreibt die Al-Kaida jetzt Terrorismus pur: Man versucht gar nicht erst, strategisch oder militärisch wichtige Ziele des erklärten Gegners zu treffen. Sondern man will ihn demoralisieren und verunsichern, wo immer dies möglich ist. Deutsche Touristen in Djerba, australische auf Bali und nun israelische in Mombasa: Nicht nur die politischen Führer des Westens sollen das Fürchten lernen, sondern ihre Bürger insgesamt.

Es wäre wohl noch etwas zu hoch gegriffen, nun daraus zu schließen, Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“ sei bereits in vollem Gange. Viel scheint dazu aber nicht mehr zu fehlen. Angriffe wie in Mombasa, Bali und Djerba verstärken in der westlichen Bevölkerung das dumpfe Gefühl, mit einem religiösen Fanatismus konfrontiert zu sein. Und trotz aller Differenzierungsbemühungen verantwortlicher Kreise: Mit jedem neuen Anschlag dieser Art verringern sich Vermögen und Bereitschaft der Bevölkerung, zwischen Religion und religiös gefärbtem Radikalismus zu unterscheiden.

Den Vordenkern der Al-Kaida kann solches nur recht sein. Denn sie sehen nichts Gutes aus dem Westen kommen und wollen die Welt polarisieren: Der dekadente und Islam-feindliche Westen hier und die islamische Welt da, die sich auf ihre wahren Werte besinnt und bereit ist, hierfür zu kämpfen, um Gerechtigkeit zu erlangen und Unabhängigkeit von einem Westen, der doch nur auf ihre Unterdrückung aus sei.

Patentrezepte gibt es nicht gegen diese Strategie des Grauens. Mit der Bekämpfung der Armut in der Dritten Welt alleine ist es nicht getan. Auch nicht damit, die Gründe des Terrors allein im israelisch-palästinensischen Konflikt zu suchen. Denn die Terroristen töten überall: In Mombasa waren Israelis das Ziel, die meisten Opfer aber waren Kenianer. In Djerba waren Deutsche die Opfer und auf Bali waren es überwiegend Australier.

Gegen Terrorismus dieser Art kann es nur eine Antwort geben: Geschlossenheit und enge Zusammenarbeit mit all denen in der islamischen Welt, die sich von solchen Methoden absetzen. Wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass dies nicht wenige sind...