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Politik

Strampeln für Europa

Europa macht mobil - neinnein, nicht seine Truppen, sondern sein Fußvolk. Die Europäische Union hat zu einer "Woche der Mobilität" aufgerufen. Bernd Riegert sagt, was da so abgeht.

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Die europäischen Bürger sollen mehr zu Fuß gehen oder - alternativ - mehr Fahrrad fahren. Das möchten die EU-Bürokraten mit einer aufwendigen PR-Kampagne und einem eigens kreierten Internetportal erreichen. Gipfelpunkt der Aktion soll am 22. September ein autofreier Tag in ganz Europa sein.

Frommes Wunschdenken

Alle Autos stehen still, nur weil die EU es will ...?! Schön wär's. Leider merkt normalerweise kein Mensch etwas vom "autofreien Tag", denn kaum ein Pendler lässt sein Auto tatsächlich in der Garage. Der Effekt der Aktion ist nicht messbar, wie bereits die erste Mobilitätswoche vor einem Jahr gezeigt hat. Dennoch machen über 500 Städte und Dörfer bei der Mobiltätswoche mit - vor allem, um ein wenig Fördergeld aus Brüssel für Zebrastreifen oder Fahrradwege abzugreifen.

Die Fußgängerlobby schlägt zu

Aber die EU lässt sich nicht lumpen: Für ihre Mobilitätswoche hat sie sich mächtige Verbündete gesucht, zum Beispiel den Verband europäischer Fußgänger (nicht lachen, den gibt es wirklich). Der schlägt zur Mobilwoche vor, eine Steuer auf Kaugummi zu erheben. Die soll Kaugummiproduzenten dazu animieren, ein selbstreinigendes Kaugummi zu erfinden.

Denn klebriges, gekautes Gummi auf Gehwegen hindert den Erkenntnissen der Fußgängerlobby zufolge wackere Walker in ihrer Mobilität. Wenn auch wahrscheinlich nicht die im Brüsseler EU-Viertel. Denn dort regiert eher der alte Autofahrerwitz: "Hallo, wie geht's?" - "Es geht nicht, es fährt!" - "'tschuldigung. Also: 'Wie fährt's?!'" - "Danke, es geht!"

Vorbild Brüssel?!

Die EU-Kommissarin für Umwelt, Margot Wallström, zeigt leichte Anflüge von Aktionismus: Sie legte zum Auftakt der "Woche der Mobilität" einige hundert Meter in einem Fahrradtaxi zurück. Ansonsten fährt sie Dienstwagen. Das ist durchaus verständlich, denn Brüssel ist nicht gerade als fahrradfreundliche Stadt bekannt. Normale Radler müssen sich im Europaviertel durch nervende Staus quälen. Die ersten Fahrradwege werden jetzt (!) angelegt - bezuschusst von der EU.

Und - wie es sich für eine ordentliche Behörde gehört - die 20.000 EU-Beamten wurden schriftlich aufgefordert, doch bitte ihre Autos stehen zu lassen. Was aber tun ihre Chefs? Statt ordnungsgemäß ihrer Vorbildfunktion nachzukommen, ziehen sie ihre von der Polizei exkortierten Autokonvois durch Brüssel dem beschwerlichen Weg mit Bus und Bahn vor. Zwar gibt es eine Buslinie von der EU zur NATO und seit einiger Zeit auch einen Expressbus von den monströsen EU-Gebäuden zum Flughafen, aber ein leibhaftiger EU-Kommissar wurde in den Bussen noch nicht gesichtet.

Hauptsache Konferenz

Nicht nur die Brüsseler EU-Fraktion macht mit bei der Mobilitätswoche - nein, auch die Abgeordneten des Europäischen Parlaments in Straßburg plagt das schlechte Gewissen: In normalen Zeiten sind sie ständig mit dem Flugzeug quer durch Europa unterwegs. Dennoch wollten auch sie zur Mobiltätswoche beitragen - flugs organisierten eine Radtour von Brüssel zum Sitz des Parlaments in Straßburg. Doch es kam, wie es kommen musste: Von den erwarteten 50 Parlamentariern erschienen nur zehn am Start. Parlamentspräsident Pat Cox würdigte das Ereignis dennoch mit einer bewegenden Rede und einer stilechten Pressekonferenz.