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Asien

Strahlende Aussichten - China setzt auf Atomstrom

In Europa umstritten, in China begehrt. Atomtechnologie der "dritten Generation" soll den Energiehunger im Reich der Mitte stillen.

Konferenzsaal in Peking mit Teilnehmern (AP Photo/Alexander F. Yuan)

Internationale Atomenergie-Konferenz in Peking am 20. April 2009

Chinas Energiepolitik lässt sich so zusammenfassen: Wir nehmen alles. China hat ein Energiedefizit. Bedenken gegen Atomstrom gibt es nicht, erneuerbare Energien sollen ebenfalls massiv ausgebaut werden. Bisher wird sowohl Strom als auch Wärme überwiegend mit Kohle erzeugt. Der ständig wachsende Energiebedarf hat dazu geführt, dass immer mehr Kohle abgebaut wird, manchmal in illegalen Minen und oft von minderer Qualität. Kohle ist einer der Hauptgründe für die Luftverschmutzung in den chinesischen Ballungsgebieten.

"Rosige Zukunft"?

Atomkraftwerk in China (AP Photo/Eugene Hoshiko)

Atomkraftwerk in China

äChina sucht deshalb mehr und mehr nach anderen Wegen der Energiegewinnung. Mit den öl- und gasreichen zentralasiatischen Nachbarländern hat Peking in den vergangenen Jahren den Bau von neuen Pipelines vereinbart und sich in Verträgen große Gaslieferungen zusagen lassen. Windenergie und Atomstrom sollen den Energiemix ergänzen. "Rosige Zukunft für Atomenergie", verkündete die Regierung im vergangenen Jahr in einer Pressemitteilung und versprach, die Kapazität der Atomkraftwerke von derzeit 8 Gigawatt auf 40 Gigawatt im Jahr 2020 zu verfünffachen. Ende des Jahres erschien der Führung das aber schon ein wenig zu bescheiden, und sie erhöhte ihre Ambitionen auf 70 Gigawatt. Das bedeutet, dass zu den 11 Reaktoren, die derzeit in Betrieb sind noch fünfzig weitere hinzukommen sollen. Zehn sind schon im Bau. Der Anteil der Atomenergie soll dann auf fünf Prozent steigen, zur Zeit macht Atomstrom weniger als zwei Prozent der Energie aus, die in China verbraucht wird.

Teure Einkaufsliste

China setzt dabei auf westliche Technologie. Vor allem amerikanische und französische Hersteller konnten in den letzten Jahren vom Atomboom in China profitieren – bei ihnen gingen gleich mehrere Bestellungen für Atomreaktoren der "dritten Generation" ein. Diese Druckwasserreaktoren sollen wesentlich sicherer sein als die bisherigen Modelle. Momentan sind in Frankreich und Finnland solche Nuklearanlagen im Bau. Am Netz ist noch keiner, in Finnland hatte sich der Bau zuletzt wegen technischer Probleme um mehrere Jahre verzögert.

Hu Jintao und Nicolas Sarkozy (AP Photo/Guang Niu)

Präsidenten mit gemeinsamen Interessen: Hu Jintao und Nicolas Sarkozy

Milliardengeschäft mit Frankreich

China glaubt dennoch an die Zukunft der neuen Reaktoren. 2007 schloss Peking mit dem französischen Konzern Areva eine Vereinbarung über den Bau von zweier Druckwasserreaktoren der "dritten Generation". Der Wert des Geschäfts: acht Milliarden Euro. Areva nannte es den „größten Deal“ in der Geschichte der Kernenergie und Präsident Sarkozy ließ es sich nicht nehmen, das Geschäft auf einer Peking-Reise persönlich zu verkünden. Eigene Nukleartechnologie setzt China beim Bau neuer Reaktoren zur Zeit noch nicht ein. Aber irgendwann will das Land selbst zu den Anbietern auf dem Weltmarkt gehören. Unlängst bekam Peking sogar ein Angebot zur Kooperation bei der Entwicklung einer Nuklearindustrie – von Indien, dem zweiten großen Kunden der Nuklearkonsortien.

Autor: Mathias Bölinger / Redaktion: Esther Broders