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Korruption

Strafverfahren gegen PSG-Chef Al-Khelaifi

Sportlich steht Paris Saint-Germain blendend da. Doch dessen Vorstandsvorsitzender und Financier gerät nun immer mehr ins Zwielicht: Ihm wird Bestechung vorgeworfen. Ebenfalls verdächtigt: Ein ehemaliger FIFA-Funktionär.

Paris Saint-Germain Vorstellung neuer Spieler Neymar (Reuters/C. Hartmann)

Der Investor und seine Investition: Al-Khelaifi (l.) und Superstar Neymar

Er ist einer Strippenzieher des internationalen Fußballs: Nasser Al-Khelaifi. Der katarische Geschäftsmann sitzt im FIFA-Organisationskomitee und ihm gehört die Mediengruppe BeIN, mit TV-Rechten beispielsweise für die spanische erste Liga und für Champions-League-Spiele in mehreren Märkten. Und seit seinem Einstieg als Investor und neuer starker Mann bei Paris Saint-Germain 2012 pumpte er schon weit über eine Milliarde Euro in den Verein. Der 43-Jährige durfte sich zuletzt in den Schlagzeilen sonnen, als er mit Neymar (222 Millionen Euro) und Kylian Mbappé (rund 180 Millionen Euro) zwei der begehrtesten Fußballer der Welt nach Paris holen konnte. Nun ist im Rahmen des FIFA-Korruptionsskandals ein neues Strafverfahren unter anderem wegen des Verdachts der Bestechung gegen Al-Khelaifi und weitere Personen eingeleitet worden, wie die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) mitteilte.

Die Vorwürfe richten sich gegen den katarischen Geschäftsmann in dessen Rolle als Geschäftsführer der Sportrechtefirma BeIN Media Group. Demnach besteht der Verdacht, dass der inzwischen für zehn Jahre gesperrte Ex-FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke im Zusammenhang mit der Vergabe von Medienrechten für die Weltmeisterschaften von 2026 und 2030 "nicht gebührende Vorteile" vom PSG-Präsidenten angenommen habe, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. BeIN Media wies am Donnerstagabend in einer Mitteilung alle Anschuldigungen der Bundesanwaltschaft zurück. "Das Unternehmen wird mit den Behörden voll kooperieren und ist zuversichtlich für die weitere Entwicklung dieser Untersuchung", hieß es.

Valcke im Zentrum der Ermittlungen

Die FIFA legte zuvor in einer Stellungnahme eine Liste von Vereinbarungen über die Medienrechte für 2026 und 2030 vor. Demnach hat BeIN die Lizenzen für 24 Länder in Nordafrika, im Nahen Osten und am Persischen Golf inne. Insgesamt führt die Behörde nach eigenen Angaben "im Fußball-Untersuchungskomplex" 25 Strafverfahren. Im Zuge der "Sommermärchen-Affäre" war unter anderen auch Franz Beckenbauer ins Visier der Bundesanwaltschaft gerückt. Die FIFA teilte mit, sie unterstütze "voll und ganz die Untersuchung" der Schweizer und der anderen Behörden. Die FIFA sei bei dieser Untersuchung "geschädigte Partei", betonte der Verband. Schlüsselfigur der im März 2017 eingeleiteten Untersuchungen ist Valcke, gegen den bei der BA ein weiteres Strafverfahren anhängig ist und der am Donnerstag verhört wurde. 

FIFA Generalsekretär Jerome Valcke PK in Zürich (Reuters/A. Wiegmann)

Nahm Ex-FIFA-Funktionär Valcke "nicht gebührende Vorteile" an?

In dem neuen Fall ist neben Al-Khelaifi auch ein weiterer namentlich nicht genannter Geschäftsmann betroffen. Konkret ermittelt die Schweizer Behörde neben dem Verdacht der Bestechung noch wegen Betrugs, der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie der Urkundenfälschung. In diesem Zusammenhang war es in Kooperation mit den Behörden in Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien an verschiedenen Orten zu Hausdurchsuchungen gekommen. So wurden am Donnerstag unter anderem die Pariser Büros des TV-Senders BeIN Sports France durchsucht. In den zurückliegenden Wochen sind die Ermittler offenbar auf genügend Material gestoßen, um ein Strafverfahren zu eröffnen. Dies dürfte ein schwerer Schlag für Al-Khelaifi, von dem es zunächst keine öffentliche Stellungnahme zu den Vorwürfen gab, sein. Schließlich ist der Unternehmer gerade dabei, PSG als Weltmarke im Fußball zu etablieren. Die UEFA hat wegen der hohen Ablösesummen Untersuchungen wegen des Verstoßes gegen das Financial Fairplay eingeleitet.

Die skandalumwitterte Doppelvergabe

Seitdem sich die Schweizer Bundesanwaltschaft dem Korruptionssumpf bei der FIFA angenommen hat, stoßen die Ermittler immer wieder auf Verbindungen nach Katar. Schließlich laufen bereits seit geraumer Zeit Untersuchungen wegen Korruption bei den WM-Vergaben 2018 nach Russland und 2022 nach Katar. Im Jahr 2010 hatte die FIFA in einer skandalumwitterten Doppelvergabe die Turniere vergeben. 

jw/wa (mit sid, dpa)

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