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Kultur

Straftat Kaugummi kauen

Der in Singapur inhaftierten Julia droht keine Todesstrafe mehr. Allerdings muss sie mit mehreren Jahren Haft rechnen. Die deutsche Studentin ist kein Einzelfall - der Stadtstaat ist bekannt für seine strengen Gesetze.

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Im sauberen Singapur herrscht Zucht und Ordnung

Julia-Suzanne Bohl in Singapur

Julia-Suzanne Bohl shown in this undated copy from the Singapore German School yearbook Thursday March 21, 2002. Bohl was arrested last week in Singapore and has been charged with drug trafficking and may face the death penalty.

Die Strafen für Drogenbesitz und –konsum sind hart. Die Abschreckungspolitik funktioniert: Singapur hat eine der weltweit niedrigsten Raten von Drogenmissbrauch. Im Fall Julia Bohl wäre die Todesstrafe verhängt worden, wenn die bei ihr gefundene Drogenmenge die kritische Marke von 500 Gramm reinen Cannabis überschritten hätte. Julia ist noch einmal mit dem Leben davon gekommen: Das sichergestellte Rauschgift enthielt nur 281 Gramm.

Hingerichtet wird im Verborgenen

In den vergangenen zehn Jahren wurden in Singapur 340 Menschen hingerichtet. Die meisten davon, 247 Personen, wegen Drogendelikten. Alle zum Tode Verurteilten seien gehenkt worden, hieß es in einer Stellungnahme des Innenministeriums. Überlicherweise finden die Hinrichtungen freitags im Morgengrauen statt. Singapur ist nach Auffassung seiner Regierung wegen der strengen Gesetze einer der sichersten Staaten Asiens. Auf Mord steht automatisch die Todesstrafe.

Aber nicht nur Schwerverbrechen werden in Singapur streng geahndet. Auch das Nichtspülen einer öffentlichen Toilette zieht eine empfindliche Geldstrafe nach sich. Das Kauen von Kaugummi ist ebenso verboten, wie das Rauchen in einer Taxischlange. Dafür sind 500 Dollar fällig. Fast alle Aspekte des öffentlichen Lebens - von der Haustierhaltung bis zum Verhalten an Fußgängerüberwegen - sind genaustens reglementiert.

Ein verlorener Ausweis kostet knapp 1700 Dollar

Auch ein weggeworfenes Streichholz kann schnell zur teuren Nachlässigkeit werden. Wer erstmals ertappt wird, kommt für kleinere Abfälle noch mit einer Strafe von 150 Singapur-Dollar (94 Euro) davon. Getränkedosen oder Zeitungen schlagen gleich mit bis zu 1000 Dollar zu Buche, und unverbesserlichen Schmutzfinken drohen bis zu 5000 Dollar Strafe. Wahlweise können die Behörden auch einen Arbeitseinsatz von bis zu zwölf Stunden verhängen, meist, um Müll auf öffentlichen Straßen und Plätzen einzusammeln.

Die Law-and-Order-Politik scheint sich auszuzahlen: Singapur gilt als sauberste Stadt Asiens. Abfall auf Gehwegen und Straßen ist eine Seltenheit. Auch in den Außenbezirken fordern im Abstand von einigen hundert Metern aufgestellte, grüne Tonnen die Einwohner auf, ihre Zigarettenkippe dorthin und nicht auf die Straße zu werfen. Die strikten Regeln sind kein Selbstzweck: Bei tropischen Temperaturen von mehr als 30 Grad verrottet Müll schnell und zieht Ungeziefer an.

Der Kampf gegen die Drogen

Seit dem Fall Julia sind die kompromisslosen Strafen des blitzblanken Stadtstaates wieder in den Blickpunkt öffentlichen Interesses gerückt. Singapur ist bekannt dafür, das internationaler Druck keine Wirkung zeigt. Der Niederländer Johannes Van Damme war im August 1994 der erste westliche Ausländer, der wegen Drogenvergehen in Singapur hingerichtet wurde – ungeachtet der Gnadenappelle der Regierung in Den Haag und von Königin Beatrix.

Die Menschen in Singapur zeigten wenig Mitleid. Sein Fall stieß ebenso wenig auf Interesse, wie der Fall Julia. Die Todesstrafe ist in der Gesellschaft voll akzeptiert und die "Null-Toleranz"-Strategie gegenüber Drogendealern wird als richtig empfunden. Von westlicher Drogenpolitik, Legalisierungsdebatten und Drückerräumen will man an der Südspitze der malaysischen Halbinsel nichts wissen.