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Fokus Südosteuropa

Strafmilderung für serbischen Folk-Star

Sängerin Ceca hat mit der Belgrader Staatsanwaltschaft einen Deal ausgehandelt. Sie soll als Strafe für veruntreute Gelder 1,5 Millionen Euro zahlen und ein Jahr Hausarrest abbüßen. Zu wenig, meinen Kritiker.

Svetlana Raznatovic Ceca Serbiens Folk-Star bei einem Bühnenauftritt (Foto: AP)

Publikumsliebling muss sich verantworten

Von Begünstigung und Kuhhandel ist die Rede, seitdem bekannt geworden ist, dass die serbische Folksängerin Svetlana Raznatovic, besser bekannt als „Ceca", sich mit der Staatsanwaltschaft in Belgrad auf Strafmilderung geeinigt hat. Der Folk-Star hat gestanden als Präsidentin des Belgrader Fußballclubs Obilic Club-Gelder aus dem Transfer von Spielern an ausländische Clubs in die eigene Tasche gesteckt zu haben.

„Ceca" wird vorgeworfen rund fünf Millionen Euro veruntreut zu haben. Die Sängerin ist die Witwe des berüchtigten serbischen Freischärlerführers Zeljko Raznatovic Arkan und eine Ikone des so genannten „Turbo-Folks", einer Mischung aus serbischer Volksmusik und Pop, die in den 90ger Jahren ihren Höhepunkt hatte. Sie soll 1,5 Millionen Euro Strafgeld zahlen und ein Jahr Hausarrest bekommen. Sie müsste sie eine Fußfessel tragen, darf aber in ihrer Luxusvilla bleiben.

Erneut im Konflikt mit dem Gesetz

Svetlana Raznatovic im Profil mit Sonnenbrille (Foto: picture alliance/dpa)

Folk-Star mit Gefängniserfahrung

Von der Strafe werden ihr vier Monate abgezogen, die sie bereits 2003 in Untersuchungshaft abgesessen hatte. Damals wurde sie bei einer Polizeiaktion festgenommen, die im Zusammenhang mit dem Attentat auf den serbischen Premier Zoran Djindjic durchgeführt wurde. „Ceca" stand unter Verdacht die Anführer des so genannten Zemun-Clans, die Premier Djindjic ermordet hatten, in ihrem Haus versteckt zu haben. Die Staatsanwaltschaft in Belgrad hat Ende März nach acht Jahren Ermittlungsarbeit Anklage gegen Raznatovic erhoben.

Menschenrechtsaktivist Milan Antonijevic meint, das ausgehandelte Strafmaß sei aus staatlicher Sicht zu mild. Andererseits sei es auch nicht im Interesse der Öffentlichkeit, einen Marathon-Prozess zu führen. "Die Staatsanwaltschaft hat meiner Meinung nach eine viel bessere Verhandlungsposition. Deshalb muss sie nicht das erste Angebot, was ihr unterbreitet wird, annehmen. Es ist ein schlechtes Signal, wenn nach einer solchen Straftat ein so mildes Strafmaß ausgehandelt wird", meint Antonijevic.

Kompromisslösung

Die römische Göttin der Gerechtigkeit Justitia mit einer Waage und einem Richtschwert in den Händen (Foto: dpa)

Misst Justitia mit zweierlei Maß?

Der Soziologe Ratko Bozovic sagt dagegen, das zwischen Raznatovic und der Staatsanwaltschaft ausgehandelte Strafmaß sei ein guter Kompromiss. "Es ist eine Lösung gefunden worden, bei der sowohl das Gesetz als auch die Schuld der Angeklagten berücksichtigt wurde. Darüber hinaus wurde auch berücksichtigt, dass ziemlich viel Zeit vergangen ist und die Person „sowohl Mutter minderjähriger Kinder ist, als auch sehr beliebt ist bei den Folk-Fans", meint Bozovic.

Wenn das Strafgericht dem Handel mit der Staatsanwaltschaft zustimmt, wird Ceca kein Prozess gemacht, und sie wird die mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelte Strafe verbüßen. Als die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Ceca erhoben hatte, forderte sie zudem ihre finanziellen Verhältnisse zu überprüfen. Wenn allerdings das Gericht auf das ausgehandelte Strafmaß eingeht, wird die Herkunft ihres Vermögens nicht überprüft, bestätigte für die Deutsche Welle der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Tomo Zoric.

Folk-Ikone unter Patronat der Macht?

Serbiens Innenminister Ivica Dacic im Porträt (Foto: mup.gov.rs)

Cecas Freund und Milosevics Zögling - Ivica Dacic

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft dauerten die Ermittlungen so lange, weil der Fall wegen des Transfers der Spieler ins Ausland internationale Dimensionen hatte. In der serbischen Öffentlichkeit hieß es hingegen, gewisse Regierungsparteien hätten der Justiz suggeriert, Ceca in Frieden zu lassen. Viele vermuten die Sozialistische Partei Serbiens des ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic dahinter, sowie die Partei „Einheitliches Serbien", die aus der von Cecas Ehemann Arkan gegründeten ultra-nationalistischen Partei der „Serbischen Einheit" hervorgegangen ist.

Der heutige Vorsitzende der Sozialisten und serbischer Innenminister, Ivica Dacic, bestätigte zwar mehrfach, dass er mit Svetlana Raznatovic seit Kindertagen befreundet ist. Aber gleichzeitig wies er Behauptungen zurück, nach denen er Ceca geschützt haben soll. "Wenn ich mit jemandem befreundet bin, heißt das nicht, dass die Staatsorgane ihre Arbeit nicht machen müssen. Ob dann die Staatsorgane im Recht sind oder jemand anders, wird das Gericht entscheiden", sagte Dacic.

Der Fußballclub Obilic wurde 1996 von Zeljko Raznatovic Arkan gekauft. Als dann Obilic unter seiner Präsidentschaft Meister der ehemaligen Bundesrepublik Jugoslawien wurde, konnte er seine Spieler nicht ins Ausland zur European Champions League begleiten, weil er mit einem internationalen Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen gesucht wurde. Seine Frau Ceca übernahm dann seinen Posten als Club-Präsidentin, damit das Team in Europa spielen konnte. Als Arkan im Januar 2000 unter bisher ungeklärten Umständen getötet wurde, erbte Svetlana Raznatovic Obilic den Club. Ob das Gericht auf die umstrittene Strafminderung eingeht, steht noch nicht fest.

Autorinnen: Vesna Rajkovic / Mirjana Dikic
Redaktion: Verica Spasovska

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