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Aktuell Afrika

Strafmaßnahmen der Nachbarn gegen Putschisten in Mali

Die westafrikanische Staatengruppe ECOWAS hat wegen des Militärputsches in Mali Sanktionen gegen das Land verhängt. Auch ein militärisches Eingreifen scheint möglich.

Um die Putschisten zu zwingen, die verfassungsmäßige Ordnung wiederherstellen und die Macht an eine zivile Regierung abzugeben, verhängte die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS ein vollständiges Handelsembargo gegen Mali. Die Grenzen würden geschlossen und Finanztransfers gekappt, sagte der Präsident der Elfenbeinkünste, Alassane Ouattara, nach einem ECOWAS-Gipfel in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Der Putsch des Militärs sei ein "Schlag gegen die Demokratie", sagte der ivorische Präsident.

Eingreiftruppe wird mobilisiert

Angesichts der instabilen Lage in Mali zeigte sich die ECOWAS auch zu einem militärischen Eingreifen bereit. Nach Ouattaras Angaben beschlossen die Staatschefs der Mitgliedsländer "unverzüglich" ihre Eingreiftruppe in Alarmbereitschaft zu versetzen. Die Generalstabschefs der Staatengruppe sollen demnach noch in dieser Woche entscheiden, wie ein Einsatz der Truppe aussehen könnte.

In Mali hatten meuternde Soldaten am 22. März die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt und die Macht an sich gerissen. Die Putschisten warfen Touré unter anderem Versagen bei der Bekämpfung der Tuareg-Rebellen im Nordosten Malis vor. Die Nomaden kämpfen seit Jahren für die Unabhängigkeit ihrer Region Azawad.

Rebellen erobern Timbuktu

Am Sonntag gelang den Rebellen ein spektakulärer Erfolg: Die Einnahme von Timbuktu am Südrand der Sahara. Die Stadt gehört seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Im 15. und 16. Jahrhundert war Timbuktu ein Zentrum des Karawanen-Handels durch die Sahara und der Wissenschaften.

Video ansehen 01:08

Mali: Rebellen nehmen Timbuktu ein

Timbuktu war die letzte Stadt im Nordosten Malis, die noch von der Armee gehalten worden war. Für die Eroberung der 50.000-Einwohner-Stadt scheinen die Tuareag-Rebellen der "Bewegung für die Befreiung des Azawad" (MNLA) sich mit den Kämpfern der Islamisten-Organisation "Ansar Dine" verbündet zu haben. Aus malischen Militärkreisen hieß es, die Islamisten seien in die historische Wüstenstadt gefahren und hätten dort ihre Flagge gehisst. Die "Ansar Dine"-Gruppe ist für ihre Nähe zum Terrornetzwerk Al-Kaida bekannt. Sie gehört zu "Al-Kaida im Maghreb", einem Zusammenschluss von Islamisten, der schon seit einigen Jahren in der Sahelzone operiert.

Reisewarnungen aus Europa

Angesichts des ausufernden Konfliktes haben Deutschland und mehrere andere europäische Länder ihre Bürger in Mali aufgerufen, das Lanf sofort zu verlassen und auf Reisen dorthin zu verzichten. Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen in Mali und eine schnellstmögliche Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung.

Szene aus Timbuktu mit Blick auf eine Moschee aus dem 14. Jahrhundert (Foto: picture-alliance/akg/Yvan Travert)

Szene aus Timbuktu mit Blick auf eine Moschee

"Der Putsch von Angehörigen der Armee und die kriegerischen Handlungen durch Tuareg- und islamistische Gruppen untergraben nicht nur jegliche legitime staatliche Autorität, sondern sind eine Bedrohung für die Stabilität der gesamten Sahel-Region in Westafrika", erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin.

wl/qu (dpa, afp)

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