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Deutschlehrer-Info

Straßenverkehrsordnung jetzt auch für Frauen

Die Straßenverkehrsordnung wurde geschlechterneutral umformuliert. Kritik gibt es sowohl an der inkonsequenten Umsetzung als auch von Männern, die sich an die Gleichberechtigung einfach nicht gewöhnen können.

„Der Fahrzeugführer darf nur so schnell fahren, dass er sein Fahrzeug ständig beherrscht“ – mit diesem Satz aus der Straßenverkehrsordnung wurden noch bis Ende März alle Auto fahrenden Frauen und Männer aufgefordert, stets mit angemessener Geschwindigkeit zu fahren. Wie auch in anderen Bereichen üblich, sind also mit der eigentlich maskulinen Form – hier: der Fahrzeugführer – beide Geschlechter gemeint. Man spricht in diesem Fall vom so genannten generischen Maskulinum.

Schon seit Längerem versuchen vor allem Frauenrechtlerinnen in Deutschland einer solch männlich dominierten Sprache entgegenzuwirken, um so auch eine Veränderung im Denken zu erreichen. Denn Sprache prägt bekanntlich das Bewusstsein. Mittlerweile ist dieses Anliegen auch auf höchster politischer Ebene angekommen: Eine neue Vorschrift für Gesetzgebungsverfahren verlangt so genannte geschlechterneutrale Formulierungen.

In der Neufassung der Straßenverkehrsordnung hat man diese Vorschrift jetzt exemplarisch angewendet und z. B. „Autofahrer“ durch „Wer ein Auto fährt“ und „Fußgänger“ durch „zu Fuß Gehende“ ersetzt. Der eingangs zitierte Satz lautet in der Neufassung nun: „Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass er sein Fahrzeug ständig beherrscht.“

Viele Männer in Deutschland können sich mit diesen sprachlichen Eingriffen jedoch nur schwer abfinden – zumal in ihrem ureigensten Herrschaftsbereich, dem Autoverkehr: Weil die neue Straßenverkehrsordnung seit dem 1. April gilt, sprachen einige spöttisch von einem Aprilscherz. Der Auto Club Europa sieht gar „einen Studienabbrecher im Fach Germanistik“ am Werk.

In einem haben die Kritiker jedoch recht: Einheitlich ist das Ministerium bei seiner Umarbeitung nicht vorgegangen. Durchsucht man den gesamten Gesetzestext zum Beispiel nach dem Begriff „Verkehrsteilnehmer“, bekommt man immerhin noch 16 Treffer. Auch Verkehrsminister Ramsauer sprach von einem durchwachsenen Ergebnis der sprachlichen Neugestaltung.