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Kultur

Stoppt Finanzkrise Berliner Bauboom?

Ist der Berliner Bauboom vorbei? Zwar ist die deutsche Hauptstadt für Architekten noch immer attraktiv. Doch die Nachricht, dass Stararchitekt Norman Foster sein Berliner Büro schließen will, sorgt für Krisenstimmung.

Baukräne am Berliner Potsdamer Platz

Vor einigen Jahren wurde in Berlin noch gebaut, was das Zeug hält - wie hier am Potsdamer Platz. Und in Zukunft?

Dass ausgerechnet Foster ganze Büros in Berlin und in Istanbul schließen will, hat überrascht. Weltweit will das Unternehmen gar 400 Mitarbeiter entlassen, in Berlin sind etwa 70 von den Kündigungen betroffen.

Berliner Architektenkammer besorgt

Norman Foster posiert in der Philologischen Bibliothek der FU Berlin.

Bild aus besseren Zeiten - Norman Foster posiert in der von ihm entworfenen Philologischen Bibliothek der FU Berlin

Um deren Zukunft sorgt sich denn auch Klaus Meier-Hartmann, Präsident der Berliner Architektenkammer: "Das sind hoch qualifizierte Mitarbeiter. Ich weiß nicht, ob der Berliner Markt die so schnell aufnehmen kann, dass es nicht zu einer Arbeitslosigkeit kommt, wenigstens für einen bestimmten Zeitraum." Über die Gründe für die Schließung des Büros Foster kann er nur spekulieren. Der Architekt der Reichstagskuppel und der neuen Bibliothek der Freien Universität habe möglicherweise nicht ausreichend Aufträge in Deutschland gehabt.

Anzeichen der Rezession?

Dabei ist die Konjunkturlage für Architekturbüros hierzulande neuesten Erhebungen zufolge noch nicht besorgniserregend. Erste Anzeichen einer Rezession sind allerdings spürbar. Laut der aktuellen vierteljährlichen Umfrage des ifo Instituts bei den freischaffenden Architekten hat sich das Geschäftsklima in Deutschland zu Beginn des vierten Quartals 2008 "deutlich eingetrübt". Diesen Trend kann Kammerpräsident Meier-Hartmann auch aus eigener Erfahrung bestätigen: "Wir merken schon, dass die Investoren vorsichtiger sind." Die Architektenkammer hofft, dass die Krise für die Kollegen durch öffentliche Aufträge aus dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung abgefedert wird. Mit dem Geld sollen vor allem Umbaumaßnahmen öffentlicher Gebäude finanziert werden, zum Beispiel der Einbau einer Mensa in einer Schule.

Manche trotzen der Krise

Die meisten Architekturbüros beschäftigen nur eine Handvoll Mitarbeiter. Der Berliner Ableger von Norman Foster mit 70 Kollegen gilt in Deutschland schon als Großunternehmen, ebenso das Berliner Büro von Fosters britischem Kollege David Chipperfield, dem Planer der Museumsinsel und Chefarchitekten für den Wiederaufbau des Neuen Museums.

Der britische Architekten David Chipperfield posiert am Mittwoch, 27. Juni 2007, vor einem computergenerierten Bild seines Entwurfes fuer die James Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel in Berlin.

Architekt David Chipperfield vor einem seiner Entwürfe

Seine 90 Mitarbeiter hat die Nachricht aus der Foster-Filiale beunruhigt. Doch Alexander Schwarz, Projektleiter und Designdirektor von Chipperfield in Berlin, erklärt, dass das Büro anders funktioniere als das von Foster. Neben dem ursprünglich reinen Projektbüro für die Museumsinsel habe sich ein echtes zweites Standbein entwickelt. Man beteilige sich etwa an Wettbewerben und habe auch Projekte außerhalb Berlins. "Unser Berliner Büro ist zurzeit größer als das in London."

Zurückhaltende Investoren

Erste Auswirkungen der Krise stellt aber auch das Berliner Büro Chipperfield fest: "Man merkt schon, dass Knöpfe nicht gedrückt werden. Man weiß nicht immer genau, an was es liegt. "David Chipperfield, der nach Berlin gekommen ist, um die Fertigstellung des Neuen Museums zu überwachen, wirkt relativ gelassen: "Ich glaube, jeder Architekt wird das zu spüren bekommen, aber wir sind nicht so sehr betroffen, weil wir wenige Privataufträge haben, das meiste sind öffentliche Bauvorhaben." Vorläufig gebe es keinen Grund, sagt er, Mitarbeiter zu entlassen. Weltweit arbeitende Großunternehmen wie das Büro Foster mit seinen mehr als 1000 Angestellten, glaubt Chipperfield, hätten sich schlicht verspekuliert.