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Europa

"Stopfake": Falschmeldungen können Leben zerstören

Stopfake.org ist ein Online-Portal, das Falschmeldungen über die Ukraine aufspürt und korrigiert. Falsche Informationen seien in diesem Konflikt lebensgefährlich, meint Mitbegründerin Margo Gontar.

Margo Gontar ist Mitbegründerin von Stopfake.org. Auf der im März ins Leben gerufenen Website prüfen Freiwillige Medienberichte und Meldungen aus der Ukraine auf ihren Wahrheitsgehalt, und korrigieren sie gegebenenfalls.

DW: Was muss ich tun, wenn ich am Wahrheitsgehalt einer Nachricht zweifele?

Margo Gontar: Entweder schickt man uns die Nachricht, über die man gestolpert ist, über ein Formular auf unserer Website oder per Email. Wir überprüfen das dann.

Wer sendet solche Anfragen?

Es sind vor allem Leser. Manchmal sehen sie Nachrichten, die sie aufhorchen lassen, und schicken sie uns. Manchmal schicken sie uns Falschmeldungen, von denen sie hoffen, dass wir sie entlarven können.

Fragen Sie auch die User auf Facebook oder Twitter, ob sie Meldungen für wahr halten?

Ja, manchmal schon. In einigen Fällen waren wir uns nicht sicher und haben unsere Facebook-Freunde gebeten, Informationen zu checken. Meistens machen wir das aber selbst.

Gibt es besondere Hilfsmittel, mit denen Sie Meldungen verifizieren?

Meistens machen wir das am Telefon oder im Internet. Wir nutzen die Möglichkeiten, die Google bietet - zum Beispiel bei der Bildersuche – aber auch die Funktion "Who stole my picture". Bei Videos wird es komplizierter.

Margo Gontar

Margo Gontar kämpft gegen falsche Informationen über Vorgänge in der Ukraine

Gibt es bei der Herkunft der manipulierten Videos und Bilder einen Trend?

Manche Videos sind echt, aber sie haben nichts mit dem Vorfall zu tun, den die Leute angeben. Da werden zum Beispiel Fotos oder Videos von Kindern in Syrien als Ereignisse aus dem Donbass dargestellt. Meistens findet man sie in sozialen Netzwerken, und da ist es schwierig, die wirkliche Quelle zu finden.

Also kann man nicht sagen, ob die Bilder aus der Ukraine, der Ostukraine oder Russland stammen?

Bei echten Videos, die als andere Ereignisse dargestellt werden, ist das oft so. Bei zusammengebastelten Videos ist das schwer zu sagen. Während der jüngsten Ereignisse wurden viele Fotos und Videos über soziale Medien verbreitet - wenn man aber tiefer gräbt, kann man den konkreten Macher finden, der dahinter steckt.

Haben westliche Nachrichtenseiten auch Falschnachrichten verbreitet?

Ja. Im "Guardian" gab es einen Artikel basierend auf Falschinformationen. Der Artikel von John Pilger basierte auf Aussagen eines gewissen Dr. Rozovskii, der behauptet, Pro-Ukrainer hätten ihm nicht gestattet, Verletzte (Red: in Zusammenstößen mit prorussischen Separatisten in der Ostukraine im Mai) zu versorgen. Das Problem ist, einen Dr. Rozovskii mit dem Foto, das sie von Facebook genommen hatten, gibt es nicht. Der Account wurde erst während der Ereignisse damals erstellt, und er war gefälscht. Die Person auf dem Foto war ein Russe mit einem anderen Namen. Alle Aussagen waren fabriziert, aber der "Guardian" hat sie übernommen.

Haben Sie den "Guardian" informiert?

Nein, darauf sind wir gar nicht gekommen. Wir haben unseren Artikel gepostet, in dem wir sagen, dass die Information nicht stimmt, die Zeitung aber nicht informiert.

Welches war die schockierendste Falschmeldung?

Screenshot Ukraine Stop Fake

Stopfake korrigiert gezielte Falschmeldungen

Nach allem, was bisher passiert ist, schockiert einen so leicht nichts mehr. Aber Geschichten wie die von Rozovskii ärgern mich, denn die Leute, die sie fabrizieren, denken nicht über das Leben des Menschen nach, dessen Identität sie für ihre eigene Realität verwenden. Dann gibt es die Nachrichten über Kinder: Wir hatten viele Fotos von weinenden Kindern, sterbenden oder verwundeten Kindern. Leute behaupteten, dafür seien (Red.: ukrainische) Soldaten verantwortlich, dabei waren einige der Bilder aus Syrien, und stammten aus Videos. Sie haben nichts mit den Vorgängen in der Ostukraine zu tun. Aber solch drastische Bilder sprechen Emotionen an. Das macht sie so gefährlich, denn sie können Menschen sehr wütend auf die Nationalgarde und die Ukraine machen. Das funktioniert sehr gut, und es ärgert mich, weil man die Verbreitung der Nachricht nicht stoppen kann.

Warum ist es so wichtig, Falschmeldungen zu entlarven? Was möchten Sie damit erreichen?

In der jetzigen Situation in der Ukraine können Falschmeldungen Leben zerstören, eine andere Realität kreieren, das Leben von Menschen, ja von ganzen Nationen verändern. Das ist das Ziel der Falschmeldungen, mit denen wir es zu tun haben. Das Aufdecken falscher Informationen kann dazu führen, dass Leben gerettet werden, und es erweitert auch den Horizont der Menschen, die bisher glaubten, die Medien sagen die Wahrheit.

Wer unterstützt Sie finanziell? Bekommen Sie Gelder von einer Organisation?

Wir sind unabhängig. Auf unserer Seite haben wir einen Spendenknopf, und Leute können unsere Aktivitäten unterstützen. Wir werden aber nicht konkret von einer Person oder Organisation finanziert.

Der DW "People's Choice Award for Russian" für Online-Aktivismus ging 2014 an Stopfake.org.

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