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Kultur

Stones "Wall Street": Gier ist gut!

Regisseur Oliver Stone gibt sich keinen Illusionen hin: "Eine große Kreditblase ist geplatzt, die nächste kommt!" Mit diesen Worten stellt er seinen neuen Film "Wall Street - Geld schläft nie" in Deutschland vor.

Wall Street - Geld schläft nicht Szenenbild mit Shia LeBeouf (l.), Josh Brolin (m.) und Michael Douglas (r.) Quelle: 20th Century Fox

Gordon Gekko ist wieder da - Michael Douglas (r.) in seiner Paraderolle

Als 1987 Oliver Stones erster "Wall Street" erschien, hatte er die Kritiker auf seiner Seite. Die Kinokasse klingelte und Hauptdarsteller Michael Douglas, dessen Krebserkrankung gerade bekannt wurde, erhielt den Oscar für seine Rolle als Finanzjongleur Gordon Gekko. Jener Gekko, der sich mit einer Rede vor Aktionären ins filmische Gedächtnis einbrannte: "Der entscheidende Punkt ist doch, dass die Gier – leider gibt es dafür kein besseres Wort – gut ist. Die Gier ist richtig. Die Gier funktioniert. Die Gier klärt die Dinge, durchdringt sie und ist der Kern jeden fortschrittlichen Geistes. Gier in all ihren Formen..."

Dass Gekko sein Geld durch illegale Insiderinformationen, Aktienschwindel und Betrug erlangte und am Ende des Films im Gefängnis landete, war den Leuten egal. Gordon Gekko avancierte zur Kult-Figur. Tausende junger Börsenmakler eiferten ihm nach. Und auf keinen anderen Charakter, den Michael Douglas je spielte, wird er bis heute so oft angesprochen.

Neue Rekordboni

Laut einer neuen Studie des "Wall Street Journal" haben US-Banken und Finanzkonzerne an der Wall Street in diesem Jahr Sonderzahlungen von 144 Milliarden Dollar (103 Milliarden Euro) an Manager ausgeschüttet. Das sind vier Prozent mehr als im letzten Jahr und ein neuer Rekord. Stones erster "Wall Street"-Film gilt als das cineatische Referenzwerk über das US-Finanzzentrum und seine Strippenzieher. Da kommt der zweite Teil genau zur richtigen Zeit.

Wall Street - Geld schläft nicht Szenenbild mit Michael Douglas (l.) und Shia LeBeouf (r.) Quelle: 20th Century Fox

Jake Moore (Shia LaBeouf, r.) will vom Finanz-Genie lernen - und dessen Tochter heiraten

Gordon Gekko meldet sich zurück

Der Nachfolgefilm setzt da an, wo der erste Film endete – im Gefängnis. Wir befinden uns im Jahr 2001, und Gordon Gekko alias Michael Douglas hat acht Jahre hinter Gittern verbracht. Nun steht er vor dem Gefängnistor, aber niemand erwartet ihn: Seine Frau ist längst weg, sein Sohn tot, und seine Tochter hat jeden Kontakt mit ihm abgebrochen. Ein bitterer Moment, aber eine große Filmszene. Während ein Ex-Häftling von seiner Familie gefeiert wird, der andere gleich von seiner Gang in einer Stretch-Limousine abgeholt wird, bleibt Michael Douglas allein zurück – unrasiert und fernab vom heutigen Leben. Doch Gordon Gekko glaubt an sich, an sein "Können" und an die Macht des Geldes.

Es folgt ein Schnitt: Einige Zeit später bringt er sich mit der Buchveröffentlichung "Ist Gier gut?" und Vorträgen wieder ins Geschäft und begeistert junge Wirtschaftsstudenten und Banker. Unter ihnen ist auch Jake Moore, gespielt von Shia Labeouf. Jake glaubt an erneuerbare Energien. Mit seinem Mentor und Chef Lou Zabel hat er entsprechend viel Geld investiert. Doch falsche Gerüchte machen ihre Pläne zunichte - Zabel geht Pleite und begeht Selbstmord.

Die Illusion vom Freien Markt

Eigentlich lehnt Regisseur Oliver Stone Nachfolgerfilme ab. Fast immer kommt dabei nur der Aufguss einer bereits bekannten Story raus. Also wollte er auch keinen zweiten Teil seines Erfolgsfilms „Wall Street“ drehen. Dennoch ließ er Produzent Eric Kopeloff schon längere Zeit an Drehbüchern dafür arbeiten. Nach der Bankenkrise 2008 dann der Sinneswandel: Oliver Stone übernimmt das Projekt. "Für mich gibt es zwei Epochen: die 80er und die 2000er Jahre. "Wall Street – Geld schläft nicht" handelt vom Ende einer Zeit, die mit der Deregulierung und den Versprechungen vom Freien Markt von Ronald Reagan begannen, kombiniert mit dem Bush-Junior-Markt von 2008. Es war eine Zeit, in der eine kleine Gruppe einer bestimmten Gesellschaftsschicht ein Vermögen machte. Die meisten anderen Leute aber nicht.“

Wall Street: Wall Street - Geld schläft nicht Szenenbild mit Carey Mulligan (l.) und Shia LeBeouf (r.) Quelle: 20th Century Fox

Jake versucht, das Vertrauen zwischen Winnie (Carey Mulligan) und ihrem Vater wieder zu herstellen

Vertrauen und Verrat

Jake Moore will herausfinden, wer die Gerüchte in Umlauf brachte. Und in Gordon Gekko sieht er den Mann, der ihm dabei helfen kann. Zudem ist Gekko der Vater seiner Verlobten Winnie. Die Treffen von Jake und Gekko sind besonders spannende Momente. Denn Olivier Stone jongliert auf verschiedenen Ebenen mit finanziellen und privaten Interessen, mit Vertrauen und Verrat, Zukunft und Vergangenheit.

Die beiden treffen eine Vereinbarung: Jake hilft seinem Schwiegervater in spe, wieder Kontakt zu seiner Tochter Winnie aufzubauen, und Gordon unterstützt Jake dabei herauszufinden, wer seinen Mentor in den Tod trieb. Gleichzeitig erfährt Jake, dass Gekko noch vor seinem Gefängnisaufenthalt in der Schweiz ein Konto mit 100 Millionen Dollar für seine Tochter eingerichtet hatte. Jake hilft ihm, das Geld in die USA zu transferieren. Doch plötzlich ist Gordon Gekko verschwunden – und mit ihm das Geld.

Die nächste Kreditblase kommt auf uns zu

"Wall Street – Geld schläft nicht" ist nicht nur ein Film über die Macht des Geldes, sondern auch über die Ohnmacht der Mächtigen wenn ihre Spekulationsblasen plötzlich platzen. Diese Momente hätte Oliver Stone noch weiter ausführen können. Doch ihm ging es eher darum, dem Albtraum Geld Familienwerte gegenüber zu stellen. Letztlich ein Balanceakt, der radikaler hätte ausfallen können. Zumal er selbst die Zukunft keineswegs rosig einschätzt: "2008 war eine Warnung, ein ernsthafter Herzinfarkt für dieses ganze globale System. Und ich denke, wir befinden uns immer noch in medizinischer Behandlung. Am Ende des Films deuten wir darauf hin, dass diese neue Blase näher und näher auf uns zukommt.“

Autor: Bernd Sobolla

Redaktion: Jan Bruck