1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Stones-Küken Ron Wood wird 70

Das Durchschnittsalter der Rolling Stones liegt bei 72 Jahren. Ein halbes Jahrhundert Sex, Drugs & Rock 'n' Roll sieht man ihren Gesichtern an. Jetzt feiert das jüngste Bandmitglied Ron Wood seinen Siebzigsten.

Ron Wood ist über Umwege zu den Stones gekommen. Seine Karriere beginnt in den frühen 1960ern als Gitarrist bei der britischen Band The Birds. Danach spielt er bei der Jeff Beck-Group Bass, bis er 1969 schließlich zusammen mit Rod Stewart zu den Small Faces stößt. Die nennen sich von nun an "The Faces" und machen als feuchtfröhliche Liveband Karriere. Später werden sie als eine der wichtigsten britischen Rockbands jener Jahre und Vorbilder der späteren Punkbands in die Musikgeschichte eingehen. Selbst in den sonst so kritischen USA werden The Faces gefeiert. Feiern - das tun auch die Musiker selbst gerne: vor, nach und während der Konzerte.

Kenny Jones, Ron Wood, Rod Steward sitzen nebeneinander und gucken in die Kamera. Sie sind The Faces (Foto: Getty Images/Express/D. Stone)

The Faces 1974 (v.l.n.r: Kenny Jones, Ron Wood, Rod Steward)

Meistens sind sie genauso betrunken wie die Leute im Publikum - und wenn nach dem Gig die Hotelbar zu früh schließt, wird schon einmal ein Zimmer verwüstet. 1975 löst sich die Band auf.

Ein ruhiger Vertreter seiner Zunft

Inzwischen hat eine andere große Rockgruppe ein Personalproblem. Die Rolling Stones stehen ohne Gitarristen da, Mick Taylor ist abgesprungen. Die Band ist auf der Suche nach einem trinkfesten Ersatzmann, der in der Lage ist, ein Bier, eine Zigarette und eine Gitarre gleichzeitig zu halten. Die Stones fragen Ron Wood an, mit dem sie zuvor schon einmal im Studio gewesen sind. Er soll sie bei der US-Tour unterstützen. Ron spielt mit und verträgt sich so gut mit den Jungs, dass er Ende 1975 zum festen Bandmitglied wird. Allerdings erst als Angestellter, mit monatlichem Gehalt und ohne Gewinnbeteiligung am erfolgreichen Musikunternehmen "Rolling Stones Inc." Bis 1993 hält er diesen Zustand beinahe stoisch aus, dann wird auch er vollberechtigtes Mitglied.

Seiner ruhigen Art ist es zu verdanken, dass es nicht jeden Tag zwischen den beiden Alphamännchen Mick Jagger und Keith Richards knallt. Ron Wood ist bei den Stones der Fels in der Brandung, der sich gerne auch mal zwischen die Streithähne wirft. Er ist ein umgänglicher Teamplayer und spielt hinter Richards brav die Rhythmusgitarre.

Mick Jagger und The Rolling Stones performen auf der Bühne. (Picture-Alliance/C. Pizzello/Invision/AP)

Fit wie ein Haufen Turnschuhe: Die Stones bei einem Konzert im Oktober 2016

 Und immer wieder Alkohol

Außerhalb der Band ist Ron Wood nicht ganz so ruhig. Mit seinen Drogen- und Alkoholexzessen sorgt er immer wieder für Schlagzeilen. Mehrere Entziehungskuren hat er hinter sich. 2006 muss die Rolling Stones-Europa-Tour verschoben werden, weil Ron betrunken von einer Kokospalme gefallen ist und am Kopf operiert werden muss.

2008 brennt er im Vollrausch mit der 19-jährigen russischen Kellnerin Ekaterina Ivanova nach Irland durch. Seine damalige Noch-Ehefrau Jo kommentiert dies so: "Sauf dich doch zu Tode." Die Ehe zerbricht nach 26 Jahren, Ron zieht mit der 42 Jahre jüngeren Ekaterina zusammen. Eine explosive Beziehung, die in lautstarken Krächen und schließlich einer Prügelei auf offener Straße endet. Das Paar trennt sich, Ekaterina rechnet in der Boulevardpresse mit Ron ab: "Er benimmt sich als wäre er zwölf Jahre alt."

Selbst seiner Band, die so viel Geduld mit ihm gehabt hat, wird es schließlich zu viel. 2010 droht Mick Jagger seinem Gitarristen mit dem Rauswurf, wenn er seine Trinkerei nicht unter Kontrolle bekomme. 

Inzwischen scheint Ron Wood den Kampf gegen seine Alkoholsucht gewonnen zu haben. Nach zwei Ehen (aus der ersten mit Krissy Findlay hat er einen Sohn, mit der zweiten Frau Jo Howard hat er drei Kinder) ist er seit 2012 mit der Theaterproduzentin Sally Humphreys verheiratet. Die hat ihm zu seinem 69. Geburtstag direkt Zwillinge geschenkt. Nun ist Ron sechsfacher Vater mit fünf leiblichen Kindern und einem Adoptivsohn und mehrfacher Großvater.

Multitalent

Ron Wood hat neben der Musik noch mehr Talente. Mit zwölf Jahren beginnt er zu malen - lange bevor er mit dem Gitarrespielen anfängt. In den 1960ern studiert er Kunst am Ealing Art Collage in London. Er malt auch während seiner Musikerkarriere weiter. Motive findet er in seinen Bandkollegen, Tieren, Tänzern, Landschaften. Seine Ölgemälde, Radierungen, Lithographien und Holzschnitte verkaufen sich für beachtliche Preise. Seine Vorbilder reichen von Rembrandt bis Picasso, deren Stile er gerne mit seinem eigenen vermengt. Was er bei den Stones nicht macht, tut er hier: Die bildende Kunst ist seine ganz persönliche Ausdrucksform.

Ron Wood steht vor seinem großen Bild Electric Horses bei einer Vernissage in London 2013 (Foto: Imago/i Images)

Ron Wood vor seinem Bild "Electric Horses" bei einer Vernissage in London 2013

Stones-Tour startet im September

Kurz vor seinem runden Geburtstag musste Ron Wood wegen einer Lungenoperation ins Krankenhaus. Die Ärzte hatten eine Gewebeveränderung entdeckt. Kein Grund zur Beunruhigung, heißt es, Ron sei bald wieder auf dem Damm und habe außerdem soeben mit dem Rauchen aufgehört. Die kommende Tour der Stones sei nicht in Gefahr, ließ das Management verlauten.

Die "Stones - No Filter"-Tour beginnt am 9. September in Hamburg mit einem Auftritt im Stadtpark. Insgesamt sind 13 Konzerte in neun europäischen Ländern geplant. Am 12. September will die Band im Olympiastadion in München auftreten, am 16. September im österreichischen Spielberg, am 20. September in Zürich und am 9. Oktober in der Düsseldorfer Esprit Arena. Weitere Konzerte finden im italienischen Lucca, Barcelona, Amsterdam und Arnhem in den Niederlanden, Kopenhagen, Stockholm sowie Paris statt. Die Ticketpreise liegen zwischen 114 Euro (Amsterdam) und 339 Euro (Düsseldorf, München).

Die Redaktion empfiehlt