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Wirtschaft

Stolz in Pakistan auf WM-Ball "Brazuca"

Sollte Ronaldo bei der Fußball-WM in Brasilien einen seiner spektakulären Freistöße perfekt verwandeln, hat auch ein Unternehmen in Pakistan Anteil daran. Denn der "Brazuca" wird in Sialkot hergestellt.

Zu den Nationalsportarten Pakistans gehört Fußball sicher (noch) nicht, Cricket und Hockey dominieren wie beim Nachbarn Indien. Im Fußball-Weltranking der FIFA steht Pakistan auf Platz 159, seine Nationalmannschaft hat es nicht in die asiatische Qualifikationsrunde für die Weltmeisterschaft geschafft.

Dessen ungeachtet ist Pakistan ein Zentrum der weltweiten Fußballproduktion, genauer gesagt die Stadt Sialkot in der Provinz Punjab. Die Firma Forward Sports, eine der dort ansässigen Hersteller, fertigt hier seit 1995 für Adidas Fußbälle, die bei der Champions League und in der Bundesliga zum Einsatz kommen. Erstmals konnte sich das Unternehmen jetzt den Zuschlag für eine Weltmeisterschaft sichern: Es fertigt die rund 3000 Fußbälle, die bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zum Einsatz kommen, den "Brazuca".

Die Chance kam, als sich für Adidas abzeichnete, dass der chinesische Lieferant die erwartete Nachfrage nach dem Brazuca nicht würde bedienen können. "Als wir die Nachricht erhielten, dass wir die Fußbälle für die Weltmeisterschaft herstellen werden, haben wir uns alle riesig gefreut", sagte einer der Arbeiter gegenüber der DW und fügte hinzu, dass die Besitzer der Fabrik zur Feier des Tages ein Abendessen für sie organisiert habe.

"Ehre für unser Land"

Brazuca-Fertigung bei Forward Sports in Sialkot (Foto: Reuters)

"Brazuca"-Fertigung bei Forward Sports in Sialkot

Der "Brazuca" soll bessere Flugeigenschaften haben als der Vorgänger "Jabulani", der bei der WM 2010 in Südafrika zum Einsatz kam. Vom "Jabulani" verkaufte Adidas 13 Millionen Stück weltweit, mit dem "Brazuca" soll diese Ziffer noch übertroffen werden. Forward Sports will davon zwei Millionen Stück liefern, die teuerste Version des Balls, mit der auch Messi, Ronaldo und Lahm spielen, kostet rund 160 Euro. Bei ihm werden die nur sechs Teile ("panels") der Oberfläche durch eine spezielle Hitze-Druck-Behandlung zusammengeklebt; preiswertere Varianten werden manuell hergestellt.

"Fußball ist der beliebteste Sport der Welt. Dass die FIFA Pakistan ausgewählt hat, um die Bälle für die Weltmeisterschaft zu produzieren, ist eine Ehre für unser Land", sagt Sarfaraz Bashir, der Präsident der Industrie- und Handelskammer von Sialkot, der Deutschen Welle. Er erzählte, dass die Kammer den brasilianischen Botschafter nach Sialkot eingeladen hat, wo ihm ein dort gefertigter "Brazuca" überreicht werden soll. "Das wird auf jeden Fall ein freundlicheres Bild von Pakistan in der Welt verbreiten. Wir sind sehr stolz auf unsere Errungenschaften", fügte Bashir hinzu.

Chance für Pakistans Industrie

Qualitätskontrolle am Brazuca (Foto: Reuters)

Qualitätskontrolle für die perfekte Flugbahn

Fabrikbesitzer Khwaja Akthar erzählte der DW, dass die Produktion des "Brazuca" sein Unternehmen vor besondere Herausforderungen gestellt habe. "Normalerweise machen wir handgefertigte Fußbälle. Maschinengefertigte Fußbälle herzustellen war schwierig: Wir mussten verschiedene Computerprogramme und moderne Ausrüstung für die Fertigung bereit stellen, hatten jedoch keine Experten, die diese Arbeit übernehmen konnten. Aber wir haben sehr hart gearbeitet und sind keinerlei Kompromisse bei der Qualität eingegangen", erzählte Akhtar der DW.

Vom Zuschlag zur Herstellung des "Brazuca" für Forward Sports profitiert die ganze Branche in Sialkot und in Pakistan, davon sind dortige Unternehmer überzeugt. Laut Muhammed Asif, dem ebenfalls eine Firma für Fußballproduktion gehört, erhalten derzeit alle Hersteller der Region Angebote von Firmen wie Adidas oder Nike. Laut Informationen der Agentur Bloomberg war Pakistan in den 90er Jahren der weltweit führende Hersteller von Fußbällen, verlor diese Position aber an China und stellte zuletzt nur noch 13 Prozent der globalen Produktion. Jetzt sei Pakistan dank wettbewerbsfähiger Löhne in der Lage, sich verlorengegangene Produktionsanteile von China und anderen Konkurrenten zurückzuholen, glaubt man bei Forward Sports.

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